Tierarten, in denen das Influenzavirus D bisher schon nachgewiesen wurde. © Gray et al./ Emerging Infectious Diseases, CC-by 4.0
Influenza D: Von der Kuh zum Menschen
Bei dem ersten Virus handelt es sich um Influenza D, eine erst 2011 entdeckte Variante der Grippeviren. Ähnlich wie die Erreger der Vogelgrippe und unserer saisonalen Grippe besitzen diese Viren ein aus mehreren Einzelstücken bestehendes RNA-Erbgut, das sich leicht durch Mutation, Rekombination und Austausch von Genstücken mit anderen Viren verändern kann. Ursprünglich in Schweinen entdeckt, wurde Influenza D inzwischen auch in Rinderherden, Geflügel und zahlreichen anderen Säugetieren nachgewiesen.
Das Bedenkliche jedoch: Inzwischen wurden Antikörper gegen Influenza D auch bei Menschen nachgewiesen. „Schon 2016 haben wir bei Untersuchungen auf Rinderfarmen in Florida festgestellt, dass gut 97 Prozent der dort Arbeitenden Antikörper gegen Influenza D besaßen“, berichten Gray und seine Kollegen. 2023 zeigte sich Ähnliches in Milchviehbetrieben in Colorado. Dort verursachten diese Infektionen aber noch keine oder kaum Symptome.
Anders sieht es in Asien aus: In China haben Forschende eine Variante von Influenza D entdeckt, die Atemwegssymptome erzeugt und die bereits von Mensch zu Mensch übertragbar ist. „Sie haben zudem die Vermehrung in menschlichen Epithelzellen nachgewiesen, die Übertragung auf Mäuse und Hunde und auch die Ansteckung von Frettchen durch Aerosole“, berichten Gray und sein Team. Genetische Analysen zeigten eine Mutation im Polymerase P3-Gen dieses Influenza-D-Virus, der es infektiöser macht.
An diesen Orten wurden an Lungenentzündung oder Atemwegssymptomen erkrankte Menschen mit dem Caninen Coronavirus nachgewiesen. © Gray et al./ Emerging Infectious Diseases, CC-by 4.0
Canines Coronavirus: Lungenentzündungen in Asien und den USA
Der zweite potenziell gefährliche Erreger ist das Canine Coronavirus (CCoV). Dieses Alphacoronavirus gehört zu einer Schwestergruppe der Betacoronaviren, die bei uns Menschen Atemwegserkrankungen verursachen und zu denen auch SARS-CoV-2 zählt. Bisher galt das Canine Coronavirus nur als Auslöser für Darminfekte bei Hunden. Doch Gray und Lednicky haben auf Hawaii und in Asien einen neuen Stamm dieses Erregers entdeckt, CCoV-HuPn-2018, der Menschen infiziert und Fieber und Atemwegssymptome verursacht.
„Kürzlich haben wir CCoV-HuPN-2018 auch bei 18 von 200 Patienten mit Lungenentzündung nachgewiesen, die in Hanoi im Krankenhaus behandelt wurden“, berichten die Forschenden. Auch in Thailand, Malaysia und dem US-Bundesstaat Arkansas gab es Fälle. „Das deutet darauf hin, dass dieses Virus bereits geografisch weit verbreitet ist“, so das Team. Laboranalysen legen zudem nahe, dass sich dieses Hunde-Coronavirus schnell weiterentwickelt.
„Unter dem Radar“
Nach Ansicht der Virologen ist es dringend nötig, diese Erreger genauer zu überwachen und zu erforschen. Denn bisher verlaufe ihre Ausbreitung weitgehend unter dem Radar. „Unseres Wissens nach existieren bisher keine serologischen Tests für den klinischen Nachweis von Influenza D oder CCoV-HuPN-2018 bei Mensch oder Tier“, schreiben Gray und seine Kollegen. „Unser Wissen über die Epidemiologie und Symptome dieser Viren sind daher extrem begrenzt.“
Dennoch lege das bisher Bekannte nahe, dass diese Erreger zu einer Bedrohung werden könnten, warnen die Virologen. „Wenn wir nicht erneut von einem Virus überrascht werden wollen, das sich plötzlich unter Menschen ausbreitet und Epidemien auslöst, sollten wir dringend eine bessere Überwachung und neue Gegenmaßnahmen gegen diese und ähnliche Viren entwickeln.“ (Emerging Infectious Diseases, 2026; doi: 10.3201/eid3201.251764)
Quelle: Emerging Infectious Diseases, University of Florida Health
2. Februar 2026
– Nadja Podbregar