
Stand: 01.02.2026 13:45 Uhr
Im Oktober 2025 brach die Vogelgrippe auf dem Hühnerhof von Holger Nöhrnberg in Stuhr (Landkreis Diepholz) aus. Seine 1.100 Hennen wurden gekeult. Jetzt fängt er von vorn an.
850 Junghennen bringen seit einigen Tagen wieder Leben auf den Hof. Sie gackern im Stall, legen sogar schon die ersten Eier. „Das ist ein fantastisches Gefühl. Vorher war hier einfach nur Totenstille“, sagt Landwirt Holger Nöhrnberg. Die vom Veterinäramt angeordnete Keulung seiner Tiere im Herbst steckt ihm noch in den Knochen. „Das war keine schöne Situation, die Auswirkungen gravierend.“
Erster betroffener Betrieb im Landkreis
Das lethargische und passive Verhalten seiner Hennen war dem Landwirt Mitte Oktober aufgefallen. Es folgte eine Untersuchung durch den Tierarzt und das Veterinäramt. Der Befund war schnell da: Geflügelpest. Als erster betroffener Betrieb im Landkreis Diepholz. Die Behörden richteten eine Schutz- und Überwachungszone ein. Die Tiere wurden getötet, die Ställe mehrfach durch Spezialfirmen desinfiziert.

Derzeit gehen die Infektionszahlen laut Friedrich-Loeffler-Institut zwar zurück. Eine Entwarnung bedeute das aber nicht.
Wirtschaftlicher Totalausfall
Ohne Hennen keine Eier, ohne Eier keine Einnahmen. Die Existenz von Landwirt Nöhrnberg, der seine Eier im Direktvertrieb vermarktet, ist bedroht. „Die Tierseuchenkasse hat die Kosten für die Keulung und die Desinfektion der Ställe übernommen, über 10.000 Euro.“ Doch mit dem Entschädigungsangebot für seine getöteten Tiere ist der Landwirt nicht zufrieden.
35 Cent Entschädigung pro Kilo
„Mir werden 35 Cent pro Kilo als Entschädigung angeboten. Eine Henne wiegt circa 1,2 bis 1,5 Kilogramm. Das sind dann gerade einmal 50 Cent pro Huhn“, sagt Nöhrnberg. „Als Suppenhuhn hätte ich für die Tiere trotz ihres Alters noch zehn Euro bekommen. Dazu steht das Entschädigungsangebot in keinem Verhältnis“, meint er.
36 Millionen Euro Schaden in Niedersachsen

Mit dem Entschädigungsangebot für seine getöteten Tiere ist Landwirt Nöhrnberg nicht zufrieden.
Die Tierseuchenkasse Niedersachsen rechnet nach vorläufigen Berechnungen mit rund 36 Millionen Euro Kosten, die die Vogelgrippe seit dem Herbst 2025 verursacht hat. Dazu zählen neben Entschädigungszahlungen aber auch die Kosten für die Tötung und Beseitigung infizierter Tiere. Die Entschädigungssummen richteten sich grundsätzlich nach dem Verkaufs- und Verkehrswert der Tiere vor der Infektion, so eine Sprecherin.
Mehr als 1,5 Millionen Vögel getötet
Seit dem Ausbruch der Geflügelpest Anfang Oktober 2025 wurden in Niedersachsen laut Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) mehr als 1,5 Millionen gehaltene Vögel getötet. Insgesamt sind rund 90 Betriebe betroffen. Auch aktuell schätzt das LAVES das Infektionsrisiko als hoch ein. In einigen Landkreisen gibt es Ausbrüche, Sperrzonen wurden eingerichtet.
Spendenaktion für Holger Nöhrnberg
Nöhrnberg konnte die Zeit seit der Infektion seiner Tiere durch Spendengelder überbrücken. Treue Kunden hatten im Internet eine Spendenaktion gestartet und mehr als 13.000 Euro gesammelt. „Wir stehen zusammen – für Holger, für seinen Mut und seine Zukunft“, heißt es von den Initiatoren.
Landwirt optimistisch

Für das Bio-Zertifikat müssen die Hühner auch Freilauf haben.
Nöhrnberg hofft, dass sein Eiergeschäft jetzt wieder gut anläuft. Er hat wieder ein Bio-Zertifikat beantragt. Dafür müssen seine Hühner auch Freilauf haben. Dass nur wenige Meter neben seinen Flächen Wildvögel leben, die als potenzielle Überträger der Vogelgrippe gelten, stört den Landwirt nicht. „Das hat die zehn Jahre vor der Infektion im Herbst gut geklappt. Warum soll das jetzt auf einmal zweimal passieren? Das halte ich für unwahrscheinlich.“

Das Virus wurde bei einem toten Kormoran nachgewiesen. Die Aufstallpflicht im Landkreis Northeim bleibt unverändert.

Es ist der 34. betroffene Betrieb im Landkreis Cloppenburg seit Oktober. Im Umkreis müssen Tiere in den Ställen bleiben.