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Der Waldzoo Offenbach bekommt neue Volieren und eine Wildtierstation. Die Umwidmungskosten sind plötzlich viel niedriger als gedacht.

Offenbach – Kurz vor Wahlen zeigen sich die Mächtigen gern spendabel, lange angekündigte Vorhaben erhalten plötzlich neuen Schub. So verkündet der Magistrat, dass die Stadt die lange diskutierte Erweiterung des Waldzoos durch Baukostenzuschüsse und Hilfe aus der Verwaltung umsetzen werden könne. Vorausgesetzt freilich, dass die Stadtverordneten am 12. Februar zustimmen – was bei einem Magistratsvorhaben aber eher eine theoretische Frage darstellt.

Da der 1965 eröffnete Waldzoo längst zu klein geworden ist, wird schon länger eine Erweiterung diskutiert: 2022 beschlossen die Stadtverordneten die Erstellung einer entsprechenden Machbarkeitsstudie. Als Problem galt lange, dass die Fläche für den Tierpark nie aus der Waldbewirtschaftung herausgenommen wurde, bei einer Erweiterung müssten sämtliche Flächen umgewidmet werden. Denn, so hieß es, die ursprünglichen Volieren wurden quasi illegal gebaut, das Areal nicht für Publikumsverkehr vorgesehen.

Mit Kosten bis zu 400 000 Euro für das Umwidmungsverfahren sei zu rechnen, hieß es 2022 von der Stadt auf Nachfrage der Redaktion. Doch nun kommt überraschend die Kehrtwende: Das Genehmigungsverfahren bei der Oberen Forstbehörde würde lediglich 627 Euro für die Erweiterungsfläche kosten, ein Bruchteil der einst diskutierten Summe.

Waschbär im Offenbacher WaldzooGeschickt unterwegs sind die Waschbären im Waldzoo. In absehbarer Zeit soll der kleine Tierpark mehr Platz erhalten und die Wildtierhilfe gestärkt werden. © Privat

2022 seien Kosten für Genehmigung, Walderhaltungsabgabe, Auflagen und Erweiterung in einen Topf geworfen worden, sagt Stadtsprecher Fabian El Cheikh, inzwischen habe die Situation sich geändert. Denn die Forstbehörde habe den Bauzustand von 1978 nun als genehmigten Zustand angesehen, eine nachträgliche Umwidmung sei außer für die Erweiterungsflächen nicht mehr nötig. Kosten seien außerdem gesenkt worden, da das Liegenschaftsamt für die Arbeit des Architekturbüros zahle und die Forstwirte beim Volierenbau mitgeholfen hätten.

800 Quadratmeter Auswilderungsfläche

Die Erweiterungsflächen will die Stadt dem Zoo kostenlos zur Verfügung stellen: Im Nordwesten (bei den Ponys und dem Spielplatz) sind es 475 Quadratmeter, davon 295 Quadratmeter für neue Volieren, die restlichen 180 Quadratmeter sind für einen neuen Doppelzaun vorgesehen. Vom größten Flächenzugewinn, nämlich rund 800 Quadratmeter, werden die Besucher jedoch so gut wie nichts mitbekommen: Im Südwesten entsteht eine neue Auswilderungsfläche mit mobilen Volieren für die Wildtieraufnahmestation. Letztere ist vor allem der Grund für die Entscheidung zur Erweiterung, da die Zahl an verletzten Wildtieren steigt und es kaum entsprechende Stationen in der Region gibt. „Die Überlastung der bestehenden Wildtieraufnahmestation ist dringend zu beheben“, heißt es in der Machbarkeitsstudie.

Neuer Raum für Schulungen

Direkt an der Auswilderungsfläche soll eine 45 Quadratmeter große Tierarztpraxis mit 17,6 Quadratmeter großem Quarantänebereich entstehen. Ein lang gehegter Wunsch des Waldzoo-Teams ist mehr Platz für Schulungen für Besucher: Gegenüber dem Känguru-Gehege soll der neue, 65,5 Quadratmeter große Schulungsraum gebaut werden. Zusätzlich zur neuen Beschilderung soll das Tor für die Anlieferung im Süden des Geländes verbreitert werden, um den Wirtschaftsfahrzeugen mehr Platz zu bieten.

All das hat seinen Preis: Die Stadt will den Waldzoo mit einem einmaligen Zuschuss in Höhe von 500 000 Euro unterstützen. Denn aus eigener Kraft könnte der über Spenden und Zuschüsse finanzierte Tierpark die Erweiterung nicht leisten. Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) hat zudem vorgeschlagen, dass der jährliche Betriebskostenzuschuss der Stadt kontinuierlich angehoben wird: In diesem Jahr würde er auf 12 000 Euro steigen, im kommenden Jahr auf 13 000 Euro und ab 2028 auf 14 000 Euro. Die diesjährige Erhöhung ist bereits im Etat berücksichtigt.

Die Verkehrssicherung der Wege soll künftig der Stadtservice übernehmen, die Wirtschaftsförderung und das Liegenschaftsamt zahlen für Baumkontrolle und Baumpflege – die Kosten in Höhe von 550 Euro pro Jahr sind dabei höchst überschaubar. Für die erste Baumpflege nach der Erweiterung werden zudem 13 000 Euro zur Verfügung gestellt.

Vorgesehen ist, dass am Parkplatz Nasses Dreieck zu Beginn des Fußwegs zum Waldzoo eine kleine mobile Wildtieraufnahmestation eingerichtet werden soll: Dort könnten Privatpersonen, die verletzte Wildtiere finden, diese abgeben, ohne bis zum Zoo fahren zu müssen.

Ein Streitpunkt bisher war der Wunsch nach einer besseren Beleuchtung für den Fußweg zum Tierpark: Während die Freien Wähler diese befürworteten, lehnten die Grünen diese ab. In der Machbarkeitsstudie wird für die Wintermonate eine Beleuchtung empfohlen, allerdings mit Zeitschaltuhr versehen.