Rita Süssmuth, ehemalige Bundestagspräsidentin und Bundesministerin, ist tot. Sie starb im Alter von 88 Jahren, wie Bundestagspräsidentin Julia Klöckner am Sonntag mitteilte.
Im Juni 2024 hatte sie eine Brustkrebserkrankung öffentlich gemacht. Klöckner würdigte sie als „eine der bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik“.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Süssmuth als „großartige Frau und eine leidenschaftliche Kämpferin für die Demokratie“ gewürdigt. In einem Kondolenzschreiben an die Tochter von Süssmuth hieß es, „Rita Süssmuth ist stets vorweg gegangen, war Vordenkerin, Vorkämpferin und Vorbild, insbesondere auch für viele Frauen.“ Das teilte das Bundespräsidialamt mit.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete Rita Süssmuth als „große Politikerin“ gewürdigt. „Rita Süssmuth hat sich lebenslang für Deutschland engagiert“, hieß es von Merz in einer Mitteilung. Sie sei Vorbild und Vorkämpferin für die Gleichberechtigung und die politische Wirkkraft von Frauen gewesen.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken teilte mit: „Wir verlieren mit Rita Süssmuth eine überzeugte, mutige und charismatische Vorkämpferin für Gleichberechtigung und sozialen Zusammenhalt. Sie hat für Frauen in der Politik den Weg geebnet.“
Deutschlands erste Bundesfrauenministerin Leben und Wirken von Rita Süssmuth in Bildern
Auch Bundesfamilienministerin Karin Prien würdigte ihre Arbeit: „Bis zuletzt kommentierte sie politisches Zeitgeschehen und ergriff Position in aktuellen Debatten, sie war in bester Weise streitbar und gleichzeitig Brückenbauerin. Ihre Stimme wird fehlen!“
Süssmuth: Von der Erziehungswissenschaft in die Bundespolitik
Geboren wurde Süssmuth 1937 in Wuppertal. Mit 34 Jahren wurde sie Professorin der Erziehungswissenschaften. Sie war in den 1970er Jahren Lehrstuhlinhaberin an der Universität Dortmund; zugleich wirkte sie in verschiedenen Gremien des Familienministeriums mit.
Die Vorkämpferin Mit Rita Süssmuth stirbt eine Ausnahmepolitikerin
1981 trat sie in die CDU ein und wurde unter dem damaligen Kanzler Helmut Kohl 1985 Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit. Ein Jahr später wurde ihr zusätzlich das Ressort Frauen zugesprochen. So wurde sie Deutschlands erste Bundesfrauenministerin.
Archivbild: Rita Süssmuth am 25. April 1990 in Bonn.
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Süssmuth war als zweite Frau Bundestagspräsidentin
Von 1988 bis 1998 war sie als zweite Frau nach Annemarie Renger (SPD) Bundestagspräsidentin. In dieser Funktion setzte sie sich beherzt für die Verhüllung des Reichstagsgebäudes durch das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude im Sommer 1995 ein.
Während ihrer politischen Karriere setzte sich die CDU-Politikerin unter anderem für die Reform des Abtreibungsparagrafen 218 ein und engagierte sich für Aids-Kranke. Dabei gelang es ihr nach harten Kämpfen, den Grundsatz „Prävention statt Ausgrenzung“ durchzusetzen.
Auch in der in ihrer Partei sehr umstrittenen Migrationspolitik setzte die Politikerin Schwerpunkte: Bereits Mitte der 1990er Jahre war sie die erste prominente CDU-Politikerin, die ein Bekenntnis zu Deutschland als Einwanderungsland forderte. Von 2000 leitete sie bis 2001 die von der rot-grünen Bundesregierung eingesetzte Zuwanderungskommission.
Von 2002 bis 2004 übernahm sie den Vorsitz des von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) gebildeten Sachverständigenrates für Zuwanderung und Integration. Von 2003 bis 2005 arbeitete sie in der Global Commission on International Migration mit, die die UNO eingesetzt hatte.
Auch privat gut vernetzt: Rita Süssmuth am 1.1.1980 auf einer Party des Eventmanagers Manfred Schmidt zusammen mit Tina Turner
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Süssmuth übte zahlreiche Ehrenämter aus
Auch nach ihrer politischen Karriere übernahm Süssmuth weiterhin zahlreiche öffentliche Ämter. 2003 wurde sie in die neu gegründete Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischem Besitz („Limbach-Kommission“) berufen.
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Seit 2005 war sie Präsidentin des Deutschen Polen-Instituts, dessen Ehrenpräsidentin sie zuletzt war. Ebenso war Rita Süssmuth über 27 Jahre die Präsidentin des Deutschen Volkshochschulverbandes, seit 2015 Ehrenpräsidentin des Verbandes.
Auch als Katholikin engagierte sich Süssmuth. So leitete sie die Kommission „Ehe und Familie“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und amtierte von 1980 bis 1985 als Vizepräsidentin des Familienbundes der Katholiken. (KNA/dpa)