Eine soziopathische Feindin schafft Freunde. Tag 10 gehört dem bisher verfemten Gil Ofarim, weil er in der Prüfung wieder liefert. Und menschlich langsam auftaut. Ariel schäumt. Ihre Helferin Mirja fliegt.

Laut dem „Flexikon“ der Website „DocFlex“, um gleich mal beherzt in die „oberste Schublade“ zu greifen, ist die „Impulskontrolle“, also Kontrolle vom Emotionen und Affekten, ein Teil der „Selbstkontrolle“ und „ermöglicht das konsequente Verfolgen von Handlungszielen“. Im Alltag sei die Impulskontrolle vor allem wichtig, wenn es um die Erledigung von unangenehmen Aufgaben geht, von Dingen, die negativ konnotiert sind. Im „sozialen Miteinander“ sei sie so wichtig, weil sie dazu führe, das eigene Verhalten „den gängigen sozialen Normen anzupassen“. So, Hefte wieder zuklappen und aufpassen!

Denn im konkreten Fall des Dschungelcamps 2026 wirkt die eben beschriebene Impulskontrolle meisterhaft. In erster Linie bei Gil Ofarim, wenn wieder einmal das Schweizer Moralkeulchen vorbei radaut. Aber sie funktioniert auch bei der dauerangefeindeten Eva Benetatou, bei Bauer Patrick oder dem guten alten Schlapphut Hardy Krüger. Sie alle ließen sich nicht von der Beleidigungswelle, die aus Tag 9 in den zehnten Tag herüberschwappte, provozieren – wie immer losgetreten und exekutiert von einer in jeder Hinsicht kleinen Person, die in einem uns wohlbekannten, weniger impulskontrollierten gallischen Dorf nicht nur an Festtagen wie der Barde Troubadix enden würde. Vermutlich aber auch an jedem anderen Ort der Welt ohne Kameras. Dafür, dass die „Stars“ das täglich aushalten, um es einmal mit Jogi Löw zu sagen: „Högschten Reschpekt!“

Jenseits der üblichen Ariel-Suada, die mangels Originalität heute in den Unterpunkt „Prominent ignoriert“ verschoben wird, geht es in dieser Ausgabe unseres täglichen Dschungel-Bulletins vor allem um Liebe und Harmonie. Um Harmonie und Yoga. Und nur ein ganz kleines bisschen um den Flirtus interruptus zwischen Eva und dem Bauern, das Ende von Umuts „Minipli Playbackshow“ (Sonja Zietlow) und dem Verblassen einer Hoffnungsträgerin, die zuletzt einfach dschungeltechnisch minderleistete und am Ende aufs falsche Pony (eines aus der Schweiz) setzte.

Alle auf Eva oder: Bauer verlässt Frau. Den einen Moment, als die „Durchbeleidigerin“ kurz Luft holen musste, nutzte am Lagerfeuer Stephen Dürr, um die – natürlich – von Ariel ins Spiel gebrachte Romanze von Eva und Bauer Patrick aufzugreifen. Er kniete sich in großer Runde vor Eva und raunte: „Du bist flirty unterwegs. Ich weiß nicht, ob du es selbst nicht merkst, aber es wirkt einfach so“. Patrick hier, Patrick da, das sei doch nicht normal – gerade bei ihrer Vorgeschichte. Eva: „Mit Patrick? Aber da ist gar nichts!“ Erzfeindin Samira, aus dem Hinterhalt: „Aber warum sieht das jeder so?“ Eva, gereizt: „Weil ihr es so sehen wollt!“ Patrick, der im Dschungel gerade seinen Ruf als Frauen-schlecht-Behandler und Hallodri gerade abstreifen will, peinlich berührt: „Habt ihr das Gefühl, dass ich mit der Eva kuschle?“ Harte Dementis allerseits. Später Aussprache des „Paars“ am Weiher: Patrick fordert von Eva ab jetzt „freundschaftliche Distanz“. Schluss mit Musicals singen und so. Patrick: „Ich will einfach nicht…“ Eva: „…, dass wir missverstanden werden.“ Was für ein Duett. Und tschüss.

Eva beklagt später wortreich den Verlust ihrer zweiten Bezugsfigur im Camp neben Hubert. Hubert zu Eva: „Ich sag‘ dir ehrlich: Ich hab‘ mir auch so etwas gedacht.“ Simone Ballack, noch etwas später: „Eva, also ich auch.“ Mirja, noch viel später: „Also, wenn selbst Stephen Dürr es merkt.“ Eva: „Kann man sich nicht über andere Dinge definieren als Männer?“ Hubert: „Nein.“

Gil taucht ab und taut auf: Gils Strategie scheint tatsächlich langsam aufzugehen. Sich im Camp die ganze Zeit korrekt verhalten, alle Nachfrage, alle Beleidigungen zu „der Sache“ stoisch abtropfen lassen, auf seiner Position beharren, die offensichtlich bei heute nicht die ist, die er in den „drei Sätzen“ vor Gericht vorgelesen hat. Distanziert sein, dabei aber nie unfreundlich zu den Mit-Campern, sich anpackend und immer teamfähig zeigen. Hardy und Simone formulieren stellvertretend die pragmatisch gewordene Haltung aller (außer einer) und betonen: „Wir finden nicht gut, was er gemacht hat. Aber hier in den Dschungel, da verhält er sich gut. Können wir nicht meckern. Hier passt diese Sache einfach nicht rein.“ Zumal, solange auf Gil bei den Prüfungen absolut Verlass ist.

Die Prüfung: Es war die erste Dschungelprüfung 2026, stellten Jan Köppen und Sonja Zietlow hinterher verblüfft fest, die völlig reibungs- und vor allem lautlos vor sich ging. Wellness pur, auch wenn in dem großen Aquarium, in dem Ofarim auf Schatzsuche gehen musste, sehr lange Schlangen, große Warane, kleine Krokodile, dicke Barsche und stachelige Echsen warteten, letztere wollten Ofarims Kopf beim Auftauchen immer wieder als Badeinsel nutzen. War dem Sänger a.D. aber egal. Völlig. Er hatte zehn Minuten, um in zehn Schatztruhen am Boden des Beckens mit Schlüsseln, die oberhalb der Wasserlinie befestigt waren, zu öffnen – und die Sterne in einem Beutel zu sichern. Acht schaffte er, er hätte auch zehn geschafft, wenn das sichere Verstauen im Brustbeutel nicht immer lange dauerte – und er anfangs auch mal zwei oder drei Versuche für eine Kiste brauchte. Aber kein Schreien, kein Kreischen, wenn eine Schlange ihn berührte. Beeindruckende Leistung. Punkt. „Mit manchen Tieren geht es besser als mit Menschen“, sagt er.

Harmonie-Retreat: Gil holt acht Sterne, Simone zaubert gutes Essen und auch RTL tut seinen Teil dazu, dass Hubert „das große Harmonie-Camp“ ausrufen kann: Gil bekommt als Teamchef die Dosen mit den Zigaretten zurück. Gil: „Teamgeist ist wichtig. Stärkt die Mannschaft.“ Stephen: „Gil ist heute extrem chillig. Vorher hat er auf seiner Matratze ja eher so vor sich hin gegillt.“ Zum Abschluss der Gil-Festspiele machen das Camp (ohne Ariel) Yoga. Samira: „Also wenn das mit der Musikerkarriere nichts wird…. Yoga-Lehrer stünde ihm auch gut.“

Prominent ignoriert: Ariel. Die Blicke, die Wut, die Ohnmacht gegenüber dem Endgegner („Ich möchte niemals vor Gil das Camp verlassen… Dann würde ich mich hinterfragen.“ Zietlow: „Erst dann?“) Zumindest an Tag 10. Unbezahlbar.

Zudem gern ignoriert: „Huberts Spiegelei“ (Pickel an den Kronjuwelen), Simones Energiefelder, die sie spürt, wenn sie an ihren verunglückten Sohn Emilio denkt. Umuts Vor-Abgang-Beichte, was damals genau bei „Temptation Island VIP“ wirklich und aber echt jetzt passierte. War ihm total wichtig, wollte nicht einmal Reality-Kollegin Eva wissen. Mirjas Satz: „Ariel kann so gut diskutieren“ Nein, kann sie nicht. Dazu müsste sie erstmal zuhören.

Bester Spruch: „Die letzte Blondine, die im Dschungel so ausgerastet ist, war Klaus Kinski.“ (Sonja Zietlow über Ariel)

Andere Bemerkungen: „Alle für einen, alle auf einen.“ (Gil Ofarim)
„Leute, das ist alles so geisteskrank hier. Ich stumpfe täglich ab.“ (Samira)
„Manchmal wünschte ich mir, nicht so intelligent zu sein wie ich bin“ (Eva)

Wer musste gehen: Ein „vielleicht“ bekamen Stephen und Mirja. Mirja, anfangs Hoffnungsträgerin, im Camp beliebt, aber nahezu unsichtbar in der Show, musste gehen. Zu egal, zu verschwiegen. Hatte mit ihrer Ariel-Anbiederung auch auf das falsche Pferd gesetzt. Ihr Fazit nach dem Rauswurf: „Ich bin einfach glücklich.“ Na, dann.

Letzte Drohung: Stephen Dürr: „Ich wurde schon wieder vom Publikum angezählt. Ich glaub, ich muss heute nackt baden.“

Aktuelle, subjektive Favoriten: Simone, Hubert, Gil, Eva.

Das Dschungelcamp geht heute weiter um 20.15 Uhr auf RTL und RTL+