Washington hat schon viele Denkmäler. Manche groß. Manche pathetisch. Manche sehr schön. Und einige so schwer wie die Geschichte selbst. Aber was Donald Trump jetzt plant, ist nicht Denkmalpflege. Sondern Maßlosigkeit und Gigantomanie.
Ein Triumphbogen. Für den 250. Geburtstag der USA. Klingt erst mal harmlos. Ein Bogen als Gruß an die Unabhängigkeit. Nur: Trump denkt nicht in Bögen. Er denkt in Superlativen. In „größer als ihr alle“. Der Mann, der am Weißen Haus einen überflüssigen Ballsaal aufblasen will wie ein Immobilienprospekt in Dubai, will jetzt auch Washington mit Macht umdekorieren. Mit einer 76-Meter-Ansage am Potomac. Sechsundsiebzig Meter!
Trump will sich ein Selfie aus Beton bauen
Hallo?! Das Weiße Haus ist 21 Meter hoch. Das Lincoln Memorial 30. Trumps Bogen wäre ein Beton-Selfie, das sich zwischen die Wahrzeichen drängt und „Ich! Ich! Ich!“ ruft. Trump hat es ja selbst gesagt. Der Arc de Triomphe in Paris (50 Meter …) sei „der bekannteste“. Und Amerika werde ihn „um Längen übertreffen“. Das ist sein Punkt. Es geht nicht um 1776. Es geht um 1:0 gegen Frankreich. Um das egoistische Zählen in Metermaß. Und um die Idee, dass Größe automatisch Würde erzeugt. Größe erzeugt oft nur Schatten.
Der Standort macht die Sache noch schlimmer. Memorial Circle, zwischen Lincoln Memorial und dem Heldenfriedhof Arlington National Cemetery. Ein Ort, der bewusst offen ist. Ein Korridor der Erinnerung. Eine Sichtachse, die zusammenbindet. Die Memorial Bridge als stille Brücke nach dem Bürgerkrieg. Und oben, auf dem Hügel, Arlington House. Trumps Bogen würde dazwischenstehen wie ein adipöser Türsteher im Kreisverkehr. Ein Triumphbogen in der Einfahrt zum Friedhof?
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USA: Architekten schlagen Alarm – Trump hat nur eine Farbe im Sinn
Hauptstadt-Architekten und Historiker schlagen Alarm. Aus gutem Grund. Wer dort zu Fuß unterwegs ist, braucht heute schon gute Nerven. Autos, Lärm, Abgase. Und mitten hinein soll ein Riesenteil, das die Sicht verstellt und den Raum neu definiert. Nicht subtil. Nicht elegant. Sondern: „Schaut her!“ Das ist kein Stadtbild. Das ist Protzerei.
Was wäre denn die Aussage? Dass Amerika groß ist? Das weiß die Welt. Dass Demokratie sich durch Größe beweist? Demokratie beweist sich durch Maß. Durch Grenzen. Durch das berühmte „Weniger ist mehr“. Washington ist keine Messehalle. Die National Mall ist kein Showroom für Ego-Shooter. Und doch postet Trump Bilder, auf denen eine vergoldete Variante aufblitzt. Natürlich. Gold ist sein Lieblingsargument.
Trump gewährt Nähe zur Macht gegen Geld für Lieblingsprojekte
Das Ganze riecht zudem nach Nebenkriegsschauplatz. Der Bogen soll, so heißt es, aus privaten Spenden bezahlt werden – Geld, das beim Ballsaal-Projekt am Weißen Haus übrig bleibt. Ein Ballsaal, der angeblich 400 Millionen Dollar kosten könnte. Wer spendet? Großkonzerne, die Milliardenverträge mit der Regierung abgeschlossen haben. Das ist nicht Patriotismus. Das ist Washingtons ältestes Spiel: Nähe gegen Zugang. Und Trump ist der Dealer, der immer mitverdient – wenigstens am Applaus.
Und dann ist da noch die Feinmechanik der amerikanischen Hauptstadt. Für neue Monumente gibt es Verfahren, Gremien, Gesetze. National Park Service. Commission of Fine Arts. Am Ende womöglich der Kongress. Das sind keine Schikanen. Das sind Sicherungen. Damit nicht jeder Präsident seine Laune in Stein gießen kann.

Neuer Ballsaal im Weißen Haus: Hauptsache Gold.
© Alex Brandon/AP/dpa | Alex Brandon
Trump-Idee für Monument: Experten schlagen andere Lösung vor
Und weil Trump alles dauernd „historisch“ nennt, soll das Ding natürlich dauerhaft sein. Einmal gegossen, für immer da. Washington aber ist kein Testgelände für Beton-Eitelkeiten.
Dabei gäbe es eine einfache Lösung: kleiner, temporär, würdig. Ein 18-Meter-Bogen, wie ihn Experten vorgeschlagen haben – auf Zeit; rund um den 250. Jahrestag der Unabhängigkeit. Ein Zeichen, kein Machtwort. Ein Jubiläum, kein Dauerstempel.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik – meinungsstark, exklusiv, relevant.

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Oder: ein anderer Ort. Einer, der nicht das Panorama zerschneidet und Arlington House wie ein Puppenhaus aussehen lässt. Aber das passt nicht in Trumps Kopf. Der Mann kann Kompromisse nicht leiden. Er kann sie nur überbauen.
Trumps Triumphbogen: Nicht frei von Größenwahn
Washington ist eine Hauptstadt der Symbole. Wenn hier gebaut wird, muss es der Republik dienen, nicht dem Bauherrn im Oval Office. Ein 76-Meter-Triumphbogen wäre kein Geschenk an Amerika. Er wäre eine Markierung: Hier stand jemand, der den Bogen überspannt hat – buchstäblich. Und der glaubte, ein Land werde größer, wenn sein Denkmal größer wird.

Schon der Arc de Triomphe in Paris verzwergt die umliegenden Gebäude – und ist nur 50 Meter hoch.
© IMAGO/Zoonar | IMAGO/Zoonar.com/Andreas Edelmann
Das Gegenteil ist wahrscheinlicher. Wer im Jubiläumsjahr nicht Maß hält, zeigt unfreiwillig, wie sehr ihm die Idee von 1776 entglitten ist. Unabhängigkeit heißt auch: frei von Größenwahn.

Riesiger Triumphbogen wäre Trumps Sieg über den guten Geschmack
Trump will Besucher beeindrucken. Washington braucht keine Beeindruckung. Washington braucht Respekt. Vor der Geschichte. Vor den Toten in Arlington. Und vor dem schlichten Gedanken, dass man nicht jedes Problem mit einem größeren Betonklotz erschlägt.
Gewiss, ein Triumphbogen kann eine Stadt krönen. Dieser hier würde sie erschlagen. Und am Ende bleibt dann nur noch ein Triumph – der des Gigantomanen über den guten Geschmack.