Als der 58 Jahre alte Mann die Friedberger Landstraße in Frankfurt betrat, hatte er vermutlich schon keine Chance mehr, den Abend zu überleben. An einer Ampel in Höhe Straßenbahnhaltestelle „Bodenweg“ überquerte er am 26. Januar die Fahrbahn, wie es an dieser Stelle schon Tausende vor ihm getan haben. Er sah vermutlich den Cupra nicht, der in der nächsten Sekunde auf ihn zugeschossen kam. Womöglich hörte er ihn nicht einmal oder konnte das Geräusch so schnell nicht eindeutig zuordnen. Im nächsten Moment schon wurde der Achtundfünfzigjährige von dem Cupra erfasst. Noch an der Unfallstelle erlag er seinen schweren Verletzungen.

Es war der erste tödliche Verkehrsunfall in diesem Jahr. Doch bei weitem nicht der erste, bei dem stark überhöhte Geschwindigkeit eine Rolle spielte. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass der 32 Jahre alte Cupra-Fahrer an einem illegalen Autorennen teilgenommen hat. Gesucht wird deshalb nach weiteren Fahrern, die sich ein Rennen mit ihm geliefert haben könnten, wie eine Sprecherin sagt. Nach wie vor werden Zeugen des Unfalls gesucht.

Raserei im Stadtgebiet zunehmendes Problem

Dass Raserei gerade im Stadtgebiet ein zunehmendes Problem ist, beobachtet die Polizei in Frankfurt seit einigen Jahren. Erst vor zwei Monaten hat die Polizei drei Personen festgenommen, die den Angaben zufolge auf der Vilbeler Landstraße ein Rennen gegen einen vierten Beteiligten gefahren waren.

Nur kurz zuvor war es auf der Autobahn 661 und auf der A 3  zu einer weiteren Raserei gekommen, nachdem einer Zivilstreife an der Hanauer Landstraße in Frankfurt ein grauer Audi R8 aufgefallen war. Das Fahrzeug sollte daraufhin auf Höhe des Parkplatzes Buchrain kontrolliert werden. Der Fahrer jedoch missachtete die Anweisungen der Polizei, raste erst über die A 661 und dann weiter über die A 3 – mit teils lebensgefährlichen Überholmanövern.

Wie ein Sprecher sagte, hat die Polizei das Phänomen der illegalen Autorennen und der allgemeinen Raserei im Blick. Seit Jahren schon gebe es die speziell dafür ausgebildete Einheit „Kart“, die Raser, Tuner und sogenannte Autoposer im Fokus hat. Ob es tatsächlich eine Zunahme an Autorennen gebe, sei schwer zu erheben. Auffällig sei aber, dass die betroffenen Autos oft „hochmotorisiert sind“. Das sei ein deutlicher Unterschied zu früher, der festzustellen sei.

Ein schwerer Unfall mit einer Toten hatte im April vergangenen Jahres an der Offenbacher Landstraße für Aufsehen gesorgt. Eine Frau war getötet und zwei weitere Personen verletzt worden. Den Angaben der Polizei zufolge hatte der 25 Jahre alte Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug verloren. Das Auto kam von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Oberleitungsmast sowie gegen eine Straßenlaterne. Eine 26 Jahre alte Mitfahrerin wurde dabei so schwer verletzt, dass sie später im Krankenhaus starb.

Die Polizei weist darauf hin, dass die Teilnahme an illegalen Autorennen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bestraft werden kann. Zudem habe sich die Rechtsprechung erheblich verschärft. Was früher oft noch als fahrlässige Tötung eingestuft worden sei, werde inzwischen mitunter als Mord angeklagt.