Für richtig gute Bilder macht Thomas Reinhardt schon mal verrückte Sachen. Zum Beispiel: in einer Cessna über das Saarland fliegen – ohne Tür. „Wir haben die Tür auf der Copiloten-Seite ausgehängt, damit ich freie Sicht nach unten hatte. Das war nicht wirklich gefährlich, denn ich war ja angeschnallt. Aber es war schon abenteuerlich, weil der Wind durch den Flieger gepfiffen und an mir gezerrt hat. Und es war richtig laut“, erzählt Reinhardt und lacht. Der erfahrene Autor und Fotograf hat ewig für die SZ gearbeitet, viele kennen ihn als Reisejournalisten, Bergbauexperten oder als Gastro- und Kinokritiker.

Jetzt stellt sich der 69-Jährige wieder einmal selbst der Kritik der Saarländerinnen und Saarländer. Mit seiner neuen Fotoschau „Unser Saarland“ ist er in der Region unterwegs. Und am Freitagabend, 6. Februar, macht er in Saarbrücken Station. Die rund zweistündige Veranstaltung mit Musik und Livekommentaren sei „eine Liebeserklärung an das schönste Bundesland der Welt“, sagt Reinhardt. Aus sage und schreibe 15 000 Dateien der vergangenen gut zehn Jahre hat er in einem ersten Schritt etwa 2500 ausgesucht, am Ende haben es 700 Bilder in die Fotoschau geschafft.

Saarbrücken ist unter anderem mit der ehemaligen Bergwerksdirektion vertreten, der Ludwigskirche, mit Nachtaufnahmen, Festen, dem Burbacher Weiher und dem Zoo. Etliche weitere Bilder aus dem Regionalverband zeigen Landschaften, Pflanzen und Tiere in allen Jahreszeiten; dazu gibt es kulinarische und kulturelle Highlights wie das Max-Ophüls-Festival oder das (leider eingestellte) Rocco del Schlacko.

Die Fotoschau beginnt mit Zeugnissen aus der Kelten- und Römerzeit, etwa dem Faustkeil von Ludweiler, einer der ältesten Spuren menschlicher Besiedlung im Saarland, widmet sich in zwei großen Kapiteln dem Bergbau und der Stahlindustrie und zeigt das Bundesland anschließend in vielen verschiedenen Facetten. Und Perspektiven. Das sei ihm besonders wichtig, erklärt Reinhardt. Weshalb er eben sogar zweimal mit erfahrenen Piloten in die Luft gegangen ist – ohne Tür. „Auf solche Situationen muss man sich als Profifotograf gut vorbereiten, und dann ist höchste Konzentration gefragt. Ich bin dann wirklich im Tunnel und voller Adrenalin, meine Kamera bediene ich blind und habe die Motive fest im Auge.“

In den vergangenen Jahren hat er von seinen vielen Reisen unzählige Bilder mitgebracht und auch schon zu Multimedia-Fotoschauen zusammengestellt – aus Norwegen ebenso wie aus Irland, Italien oder von den Azoren.

Jetzt gilt sein Fokus seiner Heimat Saarland, die er so gut kennt wie wenige sonst. „Ich war für diesen Vortrag zu fast jeder Tageszeit unterwegs, vor Sonnenaufgang ebenso wie nachts. Mehrmals habe ich den Vollmond und den Blutmond fotografiert, ebenso eine Mondfinsternis. Besonders stolz bin ich auf meine Bilder von Polarlichtern“, erklärt Reinhardt, der sich auch schon mal stundenlang mit einem Tarnumhang an einen Weiher setzt, um einen scheuen Eisvogel zu erwischen. Oder ohne Tür über das Saarland fliegt…

Fotoschau „Unser Saarland“: Freitag, 6. Februar, 19.30 Uhr, Kino Camera Zwo in Saarbrücken. Karten kosten 17,60 Euro. Am 22. Februar zudem in der Stummschen Reithalle in Neunkirchen. Weitere Informationen auf der Internetseite