Garbsen. Der Fachkräftemangel ist eines der größten Probleme in der Pflegebranche. Das Unternehmen Hahne Holding aus Garbsen-Meyenfeld investiert rund 27 Millionen Euro, um dem entgegenzuwirken. Es baut einen Pflegecampus mit Wohnheim, Schulungsgebäude und eine Sporthalle in Berenbostel. Dort sollen ab dem 1. April Auszubildende aus Deutschland und aus dem Ausland leben und wohnen, die sich unter anderem aus Indien und Kamerun für eine Ausbildung beworben haben. Wir sprechen im Interview mit Geschäftsführer Manuel Opitz darüber, warum dieser Aufwand notwendig ist.

Weiterlesen nach der Anzeige

Weiterlesen nach der Anzeige

Guten Tag, Herr Opitz. Warum setzt die Hahne Holding mit ihrem Konzept darauf, Pflegekräfte aus dem Ausland zu rekrutieren?

Das liegt daran, dass wir in Deutschland Ausbildungsplätze anbieten, die einfach nicht belegt werden. Der Fachkräftemangel ist voll angekommen – und er wird sich weiter verschärfen. Deshalb schauen wir uns parallel zu den Ausschreibungen in Deutschland im Ausland um. Wir haben ein Auswahlverfahren, um sicherzustellen, dass die Bewerberinnen und Bewerber vor ihrer Ankunft ordentliche Deutschkenntnisse haben und gewisse Fachbegriffe aus dem Bereich der Pflege beherrschen.

Modernes Wohnheim: So soll der Pflegecampus in Garbsen aussehen, wenn die Bauarbeiten beendet sind.

Weiterlesen nach der Anzeige

Weiterlesen nach der Anzeige

Aus welchen Ländern kommen die Auszubildenden, und was muss das Unternehmen tun, um eine reibungslose Ankunft zu gewährleisten?

Bislang kommen die meisten Auszubildenden aus Indien und Kamerun. Wir sind zudem gerade dabei, ein Netzwerk in Brasilien aufzubauen. Für die jungen Leute läuft es so: Sie bekommen ein Visum, das ab einem Tag vor Beginn der Ausbildung gilt. Sie kommen also am Flughafen an und starten am nächsten Tag in der Schule. Da reicht die Zeit natürlich nicht, um alles vorzubereiten. Deshalb fangen wir schon in den Heimatländern an. Wir kümmern uns um Wohnraum, die Sprache und bereiten sie auf ganz alltägliche Sachen wie das Essen oder den Nahverkehr in Deutschland vor. Außerdem haben wir Pädagogen aus den jeweiligen Heimatländern eingestellt, die die Neuankömmlinge im Alltag begleiten.

Ein Merkmal der Schülerinnen und Schüler aus dem Ausland ist, dass sie sehr dankbar sind und ihre Arbeit aus Überzeugung und mit viel Herz verrichten.

Manuel Opitz,

Geschäftsführer der Hahne Holding

Welche Erfahrungen hat die Hahne Holding mit Auszubildenden aus dem Ausland gemacht?

Das funktioniert sehr gut. Ein Merkmal der Schülerinnen und Schüler aus dem Ausland ist, dass sie sehr dankbar sind und ihre Arbeit aus Überzeugung und mit viel Herz verrichten. Unsere Schulleiterin hat mir kürzlich gesagt, dass sie, wenn sie mal pflegebedürftig ist, von unseren Pflegekräften betreut werden will. Das ist ein gutes Zeichen.

Im Bau: Im April sollen im Wohnheim auf dem Pflegecampus in Garbsen-Berenbostel die ersten Auszubildenden einziehen.

Weiterlesen nach der Anzeige

Weiterlesen nach der Anzeige

Was passiert, wenn die Branche den Fachkräftemangel nicht in den Griff bekommt?

Wir stehen jetzt schon am Kipppunkt. Das bedeutet: Es gehen immer mehr Menschen aus der zahlenmäßig großen Generation der Babyboomer in Rente. Darunter sind natürlich auch die Pflegefachkräfte. Und zwar mehr, als wir neu in Ausbildung bekommen. Das Problem ist aber noch größer. Denn diese Generation wird natürlich selbst in absehbarer Zeit pflegebedürftig, was die Lage noch verschärft.

Das ist die Hahne Holding

Manuel Opitz (45) ist einer der Geschäftsführer der Hahne Holding. Er lebt in Meyenfeld, dort hat das Unternehmen auch seinen Sitz. Es beschäftigt rund 1400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ein Großteil davon sind Pflegekräfte. Die Hahne Holding betreibt vier Altenheime in Meyenfeld, Neustadt, Stöcken und Laatzen. Dazu kommen eine Pflegeschule, eine Tagespflege und ein ambulanter Pflegedienst. Im Jahr 2025 haben die Pflegekräfte rund 4500 Menschen betreut.

Die Hahne Holding investiert Millionen in einen Pflegecampus in Garbsen. Warum ist das notwendig?

Wir bauen für rund 27 Millionen Euro ein Wohnheim, ein Schulungsgebäude und eine Sporthalle in Berenbostel. An dieser Stelle möchte ich mich einmal bei der Stadt Garbsen bedanken, die dieses Projekt genehmigt hat. Dort sollen unsere Auszubildenden nicht nur wohnen, sondern auch leben. Unser Ziel ist es, dass die jungen Menschen dauerhaft bleiben wollen und sich vielleicht zu Führungskräften entwickeln. Natürlich bilden wir aus, um den Nachwuchs im Unternehmen zu halten. Und dafür muss man heute etwas bieten.

HAZ