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Nach 50 Jahren ist Schluss: Das Congress-Hotel Chemnitz schließt überraschend. Mitarbeiter bangen um Jobs – Gewerkschaft erhebt schwere Vorwürfe.

Chemnitz – Ein halbes Jahrhundert lang war das renommierte Congress-Hotel in Chemnitz nicht nur ein Ort für Gäste aus aller Welt, sondern auch ein architektonisches Aushängeschild der DDR-Moderne – ein echtes Wahrzeichen der Stadt. Nun sind die Lichter erloschen: Das Interhotel hat offiziell geschlossen. Für Chemnitz kommt das Aus überraschend, für die Belegschaft ist es ein harter Schlag. Rund 40 Mitarbeiter stehen plötzlich vor einer ungewissen beruflichen Zukunft.

Lichterkette gegen drohende Hotel-SchließungBeschäftigte und Bürger haben sich am Congress Hotel in Chemnitz versammelt. © Hendrik Schmidt/dpa

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat die Hotelschließung im Vorfeld bekannt gemacht. Die Geschäftsführung habe sich dazu entschieden, die Türen des Hauses für immer zu schließen, bestätigte der Betreiber GCH Hotel Group gegenüber dem MDR Sachsen. Die NGG kritisierte das „eiskalte Geschäftsgebaren“ und machte dabei schwere Vorwürfe gegenüber der Betreibergesellschaft Maya Hotel Operation, die demnach von der GCH Hotel Group 2023 mit dem Hotelbetrieb beauftragt worden sei. Der Entschluss, das Hotel zu schließen, sei „ein Arschtritt für die Beschäftigten“, betont der NGG-Regionalchef Thomas Lißner. 38 Mitarbeiter, darunter sieben Auszubildende, würden nun um ihre Arbeitsplätze bangen.

Höchstes Gebäude schließt nach 50 Jahren: Im Congress-Hotel geht das Licht aus

Das Interhotel ist Teil eines architektonisch sorgfältig geplanten Ensembles aus Stadthalle und Kongresszentrum und ragt mit 97 Metern als höchstes Gebäude der Stadt in den Himmel. Auf 28 Etagen bot es in 317 Zimmern Platz für mehr als 700 Gäste. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs entstand im Zentrum der damaligen Karl-Marx-Stadt an Theaterstraße und Brückenstraße ein weitläufiger Kulturkomplex. 1969 begannen die Bauarbeiten, bereits 1974 empfing das Hotel seine ersten Gäste und entwickelte sich rasch zu einem kulturellen Mittelpunkt des Bezirks. Noch 2024 hatte das Haus sein 50-jähriges Bestehen gefeiert.

Nach Darstellung der NGG habe der Betreiber nie ein langfristiges Interesse an der Führung des Hotels gehabt. Stattdessen sei man in den Hotelmarkt eingestiegen, um kurzfristige Gewinne zu erzielen, ohne nachhaltig in die Häuser zu investieren. Das Rekordjahr habe das Unternehmen jedoch noch mitgenommen: Mehr als zwei Millionen Besucher kamen 2025 nach Chemnitz, während die Beschäftigten über Monate hinweg am Limit gearbeitet und zahlreiche Überstunden angehäuft hätten. Ein solches Vorgehen sei typisch für große Immobilien- und Investmentgesellschaften, kritisiert die Gewerkschaft.

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Für die Beschäftigten kam die Schließung einem Schock gleich, berichtet Betriebsratschefin Simone Dierig gegenüber MDR Sachsen. Seit 40 Jahren arbeite sie im Congress-Hotel. „Das Herz hängt natürlich an so einem Haus, wenn man so lange da ist“, sagt sie. Wie es für sie und ihre Kolleginnen und Kollegen weitergeht, ist völlig offen.

Stadtspitze sucht Lösung – Belegschaft kämpft weiter

Auch Chemnitz’ Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD) zeigt sich betroffen. Es handle sich um eine „bedauerliche und sehr überraschende Entscheidung“, sagte er dem MDR Sachsen. Das Aus treffe die Stadt an einer sensiblen Stelle, betonte er laut Sächsischer Zeitung im Stadtrat. Schulze will verhindern, dass im Zentrum eine „Investitionsruine“ entsteht, und traf sich bereits mit dem Eigentümer, um über mögliche künftige Nutzungen des Gebäudes zu sprechen. Über Inhalte des Gesprächs wurde Stillschweigen vereinbart.

Einen städtischen Kauf des Gebäudes schließt er aus: „Ich möchte keine unrealistischen Erwartungen wecken. Es wird ein schwieriger Weg.“ Sein Fokus liege nun auf den Beschäftigten; der Betriebsrat verhandle derzeit über einen Sozialplan. Fest steht bislang nur: Die beiden Geschäfte im Erdgeschoss können weiter betrieben werden – für die Hotelbelegschaft hingegen ist die Zukunft ungewiss.

Lichterkette gegen die drohende Hotel-SchließungDas knapp 97 Meter hohe Hotel prägt das Stadtbild seit 1974. © Hendrik Schmidt/dpa

Aufgeben wollen die Mitarbeiter dennoch nicht. Laut NGG will die Belegschaft für den Erhalt des Hotels kämpfen und plant mehrere Aktionen, um Betreiber und Politik unter Druck zu setzen. Gemeinsam mit der Gewerkschaft organisierten die Beschäftigten am Sonntagabend, 1. Februar, eine „Lichterkette“ rund um das Gebäude – auch als Zeichen für den Erhalt der Arbeitsplätze. Ihr Motto: „Gemeinsam mit Herz: Investieren statt ruinieren. Damit die Lichter weiter brennen.“ Mitarbeitende, Angehörige und Unterstützer versammelten sich mit Lichtern vor dem Hotel. „Es geht hier um ein Wahrzeichen der Stadt und eine langjährige Belegschaft. So etwas gibt man nicht einfach auf“, sagte Lißner. (Quellen: MDR Sachsen, NGG, Sächsische Zeitung) (ab)

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