Die Forderung nach Luftabwehrraketen wird seit Wochen eindringlicher, durchschlagenden Erfolg hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj damit offensichtlich noch nicht. Was die ukrainischen Luftstreitkräfte nun bekanntgaben, schildert die dramatische Lage eindrücklich: In einigen Fällen sollen Flugabwehrsysteme vor neuen russischen Angriffen vollständig ohne Munition dastehen. Und das ausgerechnet jetzt, wo die Russen ihre wohl tödlichste Rakete verstärkt einsetzen: die Kh-32.

Die Rakete, die für ihre hohe Geschwindigkeit und ihr steiles Flugprofil bekannt ist, stellt seit Langem eine ernsthafte Herausforderung für die Luftabwehr der Ukraine dar. Nur wenige fortschrittliche Systeme, wie das von den USA gelieferte Patriot-System, können sie abfangen. Ihr Einsatz wird mit einigen der tödlichsten Angriffe auf Zivilisten in Verbindung gebracht.

„Trotz der Verbesserungen handelt es sich hierbei nicht um eine grundlegend neue Waffe“, sagt Andrii Kharuk, ein ukrainischer Historiker und Waffenexperte, dem „Kyiv Independent“. „Es ist ein Versuch, ein altes sowjetisches Design zu modernisieren, nicht um es in eine Präzisionsrakete zu verwandeln.“ Kharuk bezieht sich darauf, dass die Kh-32 der Nachfolger der Kh-22-Rakete aus Sowjetzeiten ist.

Das Design der Kh-32 zeigt dem Bericht zufolge, dass sie eher für den Angriff auf großflächige Ziele wie Flugzeugträger oder große Industrieanlagen gedacht ist. Bei einem Einsatz gegen Städte erhöhe ihre begrenzte Genauigkeit in Verbindung mit einer großen Sprengstoffladung das Risiko für die Zivilbevölkerung erheblich.

Gleichzeitig werde der Einsatz der Kh-32 durch praktische Faktoren eingeschränkt, heißt es. Aufgrund ihrer Größe und der Eigenschaften ihres Trägerflugzeugs Tu-22M3 könnten Starts nicht in großem Umfang durchgeführt werden. „Eine Tu-22M3 kann nur ein oder zwei dieser Raketen transportieren“, sagt Kharuk dem „Kyiv Independent“. „Dies schränkt die Einsatzmöglichkeiten Russlands ein.“

Trotz dieser Einschränkungen bleibt die Kh-32 eine ernst zu nehmende Bedrohung, insbesondere in Regionen ohne fortschrittliche Luftabwehr – was die anhaltenden Forderungen der Ukraine nach zusätzlichen modernen Luftabwehrsystemen unterstreicht.

Die wichtigsten Nachrichten des Tages

  • Die jüngsten russischen Angriffe haben nach Angaben Selenskyjs auf das Eisenbahnnetz der Ukraine abgezielt. Die russische Armee konzentriere sich weiterhin auf den „Terror gegen unsere Logistik, vor allem gegen das Bahnnetz“, erklärte Selenskyj am Montag in Onlinenetzwerken. Mehr dazu im Newsblog.
  • Trotz der für die Wochenmitte angekündigten neuen Verhandlungen über ein Kriegsende sind bei russischen Angriffen in der Ukraine nach Behördenangaben drei Menschen getötet worden. Im Gebiet Donezk sollen beim Einschlag einer Bombe zwei Menschen ums Leben gekommen sein, bei einem Drohnenangriff nahe der Großstadt Saporischschja ein weiterer.
  • Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russische Grenzregion Belgorod sind Behördenangaben zufolge zwei Menschen getötet worden. Im Zuge des Angriffs in der Nacht zum Montag seien zwei Zivilisten getötet worden und ein Wohnhaus in der Stadt Stary Oskol in Brand geraten, erklärte der Gouverneur der Region, Wjatscheslaw Gladkow, im Onlinedienst Telegram.
  • Russland hat den neuen Termin einer Gesprächsrunde zwischen Kiew, Moskau und Washington über ein Ende des Ukraine-Konflikts ab Mittwoch bestätigt. Der ursprünglich für Sonntag in Abu Dhabi geplante Termin sei auf „Mittwoch bis Donnerstag“ verschoben worden, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Montag vor Journalisten.
  • Der ukrainische Präsident Selenskyj zeigt sich vor neuen Friedensgesprächen mit Russland zuversichtlich. Ein würdiger und dauerhafter Frieden sei realistisch zu erreichen, sagt er in Kiew nach Beratungen mit seinem Verhandlungsteam. „Wir erwarten weitere inhaltliche Arbeit an Dokumenten, die den Wiederaufbau und die wirtschaftliche Entwicklung betreffen“, sagte Selenskyj.
  • Die Bundesanwaltschaft hat am Morgen in Lübeck und Umgebung fünf mutmaßliche Mitglieder eines Beschaffungsnetzwerks für die russische Industrie festnehmen lassen. Sie sollen unter anderem über eine Scheinfirma Güter besorgt und nach Russland exportiert haben, um Embargo-Bestimmungen der Europäischen Union (EU) zu umgehen. Mehr dazu hier.
  • Das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) hat einen weiteren Beleg dafür gesammelt, dass sich Russland „auf einen möglichen künftigen Konflikt mit der Nato vorbereitet“. Demnach wird nahe der Grenze zu Finnland militärische Infrastruktur ausgebaut, berichten die Militärexperten unter Verweis auf Satellitenaufnahmen, die vom finnischen Rundfunk Yle verbreitet wurden.
  • Eine Mehrheit der Ukrainer lehnt die Übergabe des Donbass an Russland im Austausch gegen Sicherheitsgarantien ab. Einer Umfrage des Kiewer Internationalen Instituts für Soziologie zufolge halten es 52 Prozent der Befragten für inakzeptabel, den gesamten Donbass unter russische Kontrolle zu stellen, auch wenn dies mit Sicherheitsgarantien verbunden wäre.
  • Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, hat eindringlich vor den Folgen eines ersatzlosen Auslaufens des Atom-Abrüstungsvertrags „New Start“ gewarnt. Sollte es kein Nachfolgeabkommen geben, müsse die Welt alarmiert sein, dass die größten Atommächte erstmals seit den frühen 1970er-Jahren keinen Einschränkungen mehr unterlägen, sagte Medwedew in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.
  • Russische Truppen sollen im Januar 245 Quadratkilometer ukrainischen Territoriums besetzt haben. Das sei nahezu halb so viel wie im November (505) und Dezember (445), teilten Analysten des Militärportals DeepState mit.
  • Die Ukraine hat im Januar 2026 eine Rekordmenge an Strom aus der Europäischen Union importiert. Insgesamt belief sich der Import auf 41,9 Gigawattstunden. Laut ukrainischem Energieministerium trägt der Stromimport aus der EU dazu bei, die Stabilität des Energiesystems während russischer Angriffe und starker Kälteperioden aufrechtzuerhalten.

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