
Am Montag übernimmt bei Eintracht Frankfurt ein neuer Trainer. Dass das dringend notwendig ist, hat sich trotz einer Leistungssteigerung auch gegen Bayer Leverkusen gezeigt. Beim 1:3 (0:2) in der Fußball-Bundesliga gab es unter Interimscoach Dennis Schmitt die vierte Niederlage in der vierten Partie, drei davon gab es im eigenen Stadion.
„Wir sind enttäuscht, weil die zweite Halbzeit genau das war, was wir uns vorgestellt haben. Die erste Halbzeit war aber enttäuschend, dennoch wäre ein Punkt mindestens verdient gewesen“, sagte Schmitt im Sportschau-Interview. „Ich wünsche dem Team und Verein jetzt nur das Beste. Wir haben kaum trainieren können, ich glaube, den Jungs wird helfen, wenn sie jetzt Strukturen einspielen können. Es bringt nichts, eine Opferhaltung einzunehmen, die zweite Halbzeit muss der Weg sein, dann werden die Jungs da rauskommen.“
Frankfurt verzweifelt mit Forderung nach Elfmeter
Bevor Arthur (26. Minute) und Malik Tillmann (33.) die Werkself in die Erfolgsspur brachten, hatten die Frankfurter aber auch Pech. In der fünften Minute kam Arnaud Kalimuendo nach einem Tritt von Robert Andrich an die Wade des SGE-Stürmers zu Fall. Robert Schröder pfiff nicht und blieb auch nach der Beratung mit seinen Videoassistenten und einem zweiten Blick auf die Szene bei seiner Einschätzung.
Wie der 36-Jährige zu diesem Entschluss kam, machte er bei seiner folgenden Ansage nicht publik, über die Mikrofone sagte er lediglich, dass kein strafbares Vergehen vorliege. Eine Erklärung könnte sein, dass Kalimuendo sein Bein sehr weit ausgefahren und so den Andrich-Tritt ermöglicht hatte. Ob das allerdings wirklich reicht, um in dieser Situation nicht auf Elfmeter zu entscheiden? Fraglich. Schmitt sprach hinterher von einem „klaren Elfmeter“.
Eintracht-Hintermannschaft um Kaua Santos steht neben sich
Die Partie litt zunächst unter der vierminütigen Unterbrechnung, die es dadurch gegeben hatte. Leverkusen kam aber mit zunehmender Spielkontrolle immer mehr in Fahrt und nutzte die schon lange anhaltenden Schwächen in Frankfurts Defensive. Arthur dribbelte von der rechten Seite an, passte zu Alejandro Grimaldo und bekam den Ball per Hacke zurück, den Rest erledigte der Schuss des Brasilianers ins kurze Eck, bei dem SGE-Keeper Kaua Santos zum wiederholten Male in dieser Saison sehr unglücklich aussah (26.).
Das Torwartthema wird eines der ganz großen für Albert Riera sein, der mit seinem aktuellen Klub NK Celje am Sonntag noch ein letztes Spiel bei NK Maribor bestreitet und am Montag das Traineramt in Frankfurt übernimmt. Die Sorge auf der Linie ist aber nur eine von vielen, ganz vorne steht der gesamte Defensivverbund. Der wirkte auch beim 0:2 durch Tillman trotz hoher Mannzahl völlig ungeordnet (33.).
Leverkusens Tapsoba verpasst das 3:0
In der Champions League hatte der 23-jährige Tillman unter der Woche gegen den FC Villarreal (3:0) bereits doppelt getroffen und Leverkusen so den Weg in die Playoffs der Champions League (Gegner wird Olympiakos Piräus sein) geebnet. Nun war er einer der Initiatoren dafür, dass seine Mannschaft einen Schritt machen konnte, um sich in dieser Saison erneut für die Königsklasse zu qualifizieren. Nach nur drei Punkten aus den vergangenen drei Partien war das Team von Trainer Kasper Hjulmand etwas ins Hintertreffen geraten.
Beinahe hätte Leverkusen den wichtigen Sieg für das Rennen um die Top 4 in der Bundesliga schon in der ersten Halbzeit abgesichtert. Aber Edmond Tapsoba vergab aus fünf Metern völlig freistehend die hundertprozentige Chance auf das 3:0 (45.+3).
„Es war schwierig. Wir haben eine super erste Halbzeit gespielt, hatten viel Kontrolle und Flexibilität. Wir müssen da eigentlich das dritte Tor machen, dann wäre alles vorbei gewesen“, sagte Bayer-Coach Kasper Hjulmand nach der Partie im Sportschau-Interview. „Ich habe dann nach dem 1:2 Unruhe gespürt, wir müssen da eigentlich vertikaler spielen und hatten Möglichkeiten. Insgesamt waren es aber wichtige drei Punkte hier. Es gibt immer etwas zu verbessern.“
Koch trifft, doch Skhiri erweist Frankfurt einen Bärendienst
Denn der Sieg geriet nach der Pause in Gefahr. Robin Koch brachte die Eintracht im Nachschuss wieder heran, nachdem Janis Blaswich seinen ersten Torschuss abgewehrt hatte (50.). Im Anschluss war die Partie tatsächlich offen, weil Leverkusen den Faden verlor und Frankfurt Druck machte – ohne allerdings besonders gefährlich zu sein. Am engsten wurde es zunächst nach einem Fernschuss von Arthur Theate, der unmittelbar nach einem Ballgewinn etwas zu hoch abschloss (67.).
Danach sorgte Ellyes Skhiri allerdings dafür, dass die Frankfurter Hoffnungen wieder deutlich sanken. Nur wenige Sekunden nach seinem ersten gelbwürdigen Foul grätschte der Eintracht-Profi an der Mittellinie Christian Kofane um und flog völlig zu Recht vom Platz (70.). In den finalen 20 Minuten unter Schmidt mussten die kriselnden Gastgeber also in Unterzahl irgendwie noch den Schlüssel zum Punktgewinn finden.
Frankfurts Elyes Skhiri bekommt die Rote Karte gezeigt
Leverkusen setzt den Sieg fahrlässig aufs Spiel
Leverkusen nutzte diese Situation mit seiner Passstärke aus, ließ den Ball fast die komplette Zeit durch die eigenen Reihen laufen. Das Hjulmand-Team wirkte dabei allerdings phasenweise auch etwas selbstgefällig, verbaselte so mehrere aussichtsreiche Angriffe und Überzahlaktionen. So hatte Frankfurt zumindest in der Theorie weiter die Möglichkeit, mit nur einem gezielten Angriff für einen Punktgewinn zu sorgen.
Dieser eine Angriff kam trotz Chancen für Nathaniel Brown (88.), die Blaswich abwehrte, und einem Kopfball von Aurele Aumenda, der knapp vorbei ging, aber nicht. Und so blieb es bei der vierten Niederlage seit der Entlassung von Ex-Coach Dino Toppmöller, insgesamt hat die Eintracht nun nur einen Sieg aus den vergangenen 13 Pflichtspielen vorzuweisen. Riera soll diese Krise ab der kommenden Woche beenden, bereits am Freitag feiert der neue SGE-Coach bei Union Berlin (20.30 Uhr) seine Premiere.
Für die Leverkusener, bei denen Aleix Garcia in der dritten Minute der Nachspielzeit für die Erlösung sorgte, geht es am Dienstag im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen den FC St. Pauli (20.45 Uhr) weiter, in der Bundesliga trifft die Werkself am Samstagabend auswärts auf Borussia Mönchengladbach (18.30 Uhr).
