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Eine Club-Razzia in Bayern sorgt für gewaltigen Wirbel: 200 Polizisten durchsuchten mehrere Räumlichkeiten – die Betreiber klagen massives Fehlverhalten an.
Augsburg – In einem Augsburger Club sind am Wochenende zahlreiche Menschen von der Polizei vorläufig festgenommen worden. Wie die Beamten mitteilten, fanden die Durchsuchungen nach mehrmonatigen Ermittlungen statt. Insgesamt wurden an dem Tag 17 Personen in Gewahrsam genommen. Die Betreiber des Clubs äußerten im Nachgang massive Kritik am Vorgehen der Polizei, eine Mitarbeiterin nennt es „schlimm, schockierend und unverständlich“.
Rund 200 Polizisten im Einsatz – Kokain und Amphetamin gefunden
Die Ermittler durchsuchten nicht nur den City Club in der Innenstadt, sondern auch mehrere Wohnungen und weitere Geschäftsräume. Nach Angaben der Polizei waren insgesamt etwa 200 Beamte für die großangelegte Aktion im Einsatz, davon allein rund 100 direkt am Clubstandort. Bei den Durchsuchungen stellten die Ermittler verschiedene Betäubungsmittel sicher, heißt es in einer im Nachgang veröffentlichten Pressemitteilung, darunter Kokain und Amphetamin. Die Menge der beschlagnahmten Drogen lag nach Polizeiangaben im unteren dreistelligen Grammbereich.
Eine Razzia in einem Augsburger Club sorgt für Wirbel. Die Betreiber klagen über die Maßnahmen der Polizei. Auch die Politik schaltet sich ein. (Symbolbild) © IMAGO / Bihlmayerfotografie
Zum Zeitpunkt der Durchsuchung hielten sich laut Polizei etwa 200 Gäste in dem Club auf, die alle kontrolliert wurden. Dabei kam es zu zwei Widerstandshandlungen gegen die eingesetzten Beamten. Laut Polizei wurde aber kein Polizist verletzt. Von den 17 festgenommenen Personen wurden nach Abschluss der Maßnahmen 16 wieder auf freien Fuß gesetzt. Ein Mensch musste allerdings in ein Gefängnis gebracht werden – jedoch nicht im Zusammenhang mit den aktuellen Ermittlungen, sondern aufgrund eines bereits bestehenden Haftbefehls aus einem anderen Verfahren.
Club-Betreiber äußern sich zu Polizei-Razzia – und erheben schwere Vorwürfe
In einem Presse-Statement, das unserer Redaktion vorliegt, übt der City Club massive Kritik am Vorgehen der Polizei. „Den Ablauf und Umfang der Aktion verurteilen wir als Kollektiv und Betreiber*innen des City Clubs aufs Schärfste“, heißt es in der Mitteilung. Nicht nur habe man erst am Ende der polizeilichen Maßnahmen den Durchsuchungsbeschluss erhalten, auch sei unnötigerweise großer Sachschaden berursacht worden: „Trotz der von Anfang an erklärten Kooperationsbereitschaft von Seiten des Teams und dem Angebot Schlüssel für alle Türen und Schlösser zu bekommen, wurde sich zu allen Stockwerken und Räumen gewaltsam Zutritt verschafft, teils mit Rammböcken.“
Ich habe mich direkt zu Beginn gegenüber einem Beamten als Geschäftsführer zu erkennen gegeben und angeboten, sämtliche Schlüssel zur Verfügung zu stellen. Trotz dieses Angebots wurden alle Räume gewaltsam geöffnet, wodurch ein riesiger, vermeidbarer Sachschaden entstanden ist.
Ein weiterer, schwerer Vorwurf des Clubs: die Behandlung der Gäste von der Polizei. Im Statement heißt es: „Mehrere Gäste mussten sich über längere Zeit im Außenbereich aufhalten und durften diesen trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt nicht verlassen. […] Darüber hinaus berichten Betroffene von schmerzhaften körperlichen Zwangsmaßnahmen und entwürdigenden Situationen. […] Sämtliche im Haus anwesende Personen wurden einzeln kontrolliert und mussten sich bis auf die Unterwäsche und teils darüber hinaus Leibesvisitationen unterziehen, bevor sie das Gelände verlassen durften. Auch hierfür wurde den Betroffenen kein Grund genannt.“
Durchsuchungsgrund: Verdacht auf Drogenhandel – Ermittlungen seit Ende 2024
Wie Polizei und Staatsanwaltschaft gemeinsam bekannt gaben, laufen die Ermittlungen bereits seit Ende 2024. Der Vorwurf lautet auf Handel mit Betäubungsmitteln. Im Laufe der Ermittlungen habe sich der Verdacht erhärtet, dass der Augsburger Club dabei eine zentrale Rolle spiele. Nach Erkenntnissen der Ermittler soll in der Location nicht nur mit Drogen gehandelt worden sein. Die Betäubungsmittel sollen dort auch offen konsumiert worden sein, wie die Polizei erklärte. Zum von der Staatsanwaltschaft vorgebrachten Grund für die Durchsuchung sagt Demmer: „Ich habe mit dem Konsum, Besitz oder der Weitergabe von Drogen nicht zu tun. Auch in unseren Räumlichkeiten wird der Konsum von illegalen Betäubungsmitteln nicht geduldet.“
Kritik am Vorgehen auch aus der Politik: Landtagsabgeordnete schickt Fragebogen an Staatsregierung
Die umfangreichen Durchsuchungen stoßen auf heftige öffentliche Kritik. Der Grünen-Stadtverband Augsburg stellte die Verhältnismäßigkeit des massiven Polizeieinsatzes infrage. Die Kommunalpolitiker warfen den Behörden vor, durch die Durchsuchung des Clubs – den sie als einen der „wichtigsten Kulturorte unserer Stadt“ bezeichnen – alle Besucher unter Generalverdacht zu stellen.
Auch die SPD-Landtagsabgeordnete Anna Rasehorn äußerte sich. Laut Augsburger Allgemeine zeigte sie sich enttäuscht über das aus ihrer Sicht unverhältnismäßige Vorgehen der Polizei – sie wolle demnach einen umfangreichen Fragenkatalog zu dem Einsatz an die Staatsregierung schicken. Das Vorgehen der Polizei sei entwürdigend gewesen, so die Politikerin.
Club bezieht Stellung zu den gefundenen Beweismitteln – Polizei rechtfertigt Vorgehen
Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Nord verteidigte derweil den Einsatz von rund 100 Kräften am Club-Standort. Nach vorherigen Erkenntnissen sei mit bis zu 200 Gästen zu rechnen gewesen, begründete er die Personalstärke. Beweise könne man zudem nur dann sichern, wenn die Situation schnell „eingefroren“ werden könne, bevor diese entsorgt würden, erklärte der Sprecher weiter. Dies rechtfertige den massiven Einsatz.
Der City Club sieht das anders. Das Vorgehen der Polizei stelle man nicht nur in Hinsicht der Recht- und Verhältnismäßigkeit in Frage, es habe auch psychische Folgen für die Gäste und Mitarbeiter und „gravierende“ wirtschaftliche Folgen für den Club. Abschließend geht der Club in dem Statement, das unserer Redaktion vorliegt, auch auf die von der Polizei sichergestellten Beweismittel ein: „Es handelt sich bei den festgenommenen Personen weder um Mitarbeiter*innen, noch wurden Betäubungsmittel in den Räumlichkeiten des Clubs sichergestellt. Eine derart schwammige Darstellung der Tatbestände bestärkt ein Narrativ von Seiten der Polizei, den Einsatz zu rechtfertigen, ohne den tatsächlichen Umständen gerecht zu werden.“
Mit Verweis auf laufende Ermittlungen erklärt die Polizei in ihrer Pressemitteilung, dass man zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Auskünfte geben könne. Der Club bedankt sich auf Instagram derweil für die Solidarität und bietet seinen Gästen Hilfe an: „Falls ihr mit den Ereignissen von gestern kämpft und das Gefühl habt, ein persönliches Gespräch zu brauchen, laden wir euch ein, euch an uns zu wenden. Gerne würden wir euch einen Raum für Gespräche mit Mitgliedern unserer Awareness-Teams zur Verfügung stellen, soweit es unsere eigenen Kapazitäten aktuell erlauben.“ Eine Spendenkampagne wurde ins Leben gerufen, um den finanziellen Schaden abzufedern. (Quelle: Pressestatement City Club, City Club / Instagram, Polizeipräsidium Schwaben Nord, dpa), (fhz)