Im Gespräch mit Robin Schuster, CDU
Er ist der Landtagskandidat der CDU, bei der er seit 2023 Mitglied ist. Außerhalb des politischen Geschäfts ist Robin Schuster Geschäftsführer des Radiosenders „die neue welle“. Er wurde am 29. Mai 1984 geboren und wohnt in Hohenwettersbach. Welche Gedanken er sich zu politischen (Welt-) Themen und zu Grötzingen im Speziellen gemacht hat, verrät er im Interview.
Nussbaum Medien: Die Energie- und Lebensmittelpreise belasten viele Haushalte stark. Welche Instrumente halten Sie für wirksam, um Bürgerinnen und Bürger konkret zu entlasten?
Robin Schuster: Viele Menschen spüren die hohen Preise deutlich. Wichtig ist jetzt eine Politik, die verlässlich entlastet. Dazu gehören stabile Energiepreise durch mehr heimische Erzeugung, bezahlbare Netzentgelte und weniger staatliche Aufschläge. Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen müssen gezielt unterstützt werden. Gleichzeitig braucht es eine starke regionale Landwirtschaft, damit Lebensmittel nicht immer teurer importiert werden. Für mich ist entscheidend: Der Staat darf das Leben nicht zusätzlich verteuern, sondern muss dafür sorgen, dass Familien, Rentnerinnen und Rentner, Berufstätige und Betriebe spürbar entlastet werden.
NM: Laut Pestel-Institut gibt es in Deutschland, vor allem in Baden-Württemberg, einen massiven Mangel an bezahlbaren Wohnraum, der sich in den nächsten Jahren verschärfen soll. Mit welchen Maßnahmen möchten Sie den Bau von neuen Sozialwohnungen unterstützen?
Schuster: Wohnen darf kein Luxus sein – gerade nicht im Alter oder für junge Familien. Der Bau von Sozialwohnungen muss schneller und günstiger werden. Das erreichen wir durch weniger Bürokratie, vereinfachte Genehmigungsverfahren, serielles Bauen und gezielte Förderung für Kommunen, Genossenschaften und soziale Träger. Auch die Mobilisierung von Bauland und eine kluge Innenentwicklung spielen eine wichtige Rolle. Wir brauchen endlich wieder ein Jahrzehnt des Bauens, damit Menschen in Baden-Württemberg dort wohnen können, wo ihr Leben stattfindet.
NM: Ist die aktuelle Kosten- und Aufgabenverteilung zwischen Land und Kommunen bei Kitas aus Ihrer Sicht gerecht? Sollte das Land mehr finanzielle Verantwortung übernehmen – und wenn ja, in welcher Form?
Schuster: Viele Kommunen stoßen bei der Kita-Finanzierung an ihre Grenzen. Die aktuelle Aufgabenteilung passt nicht mehr in die Realität. Das Land muss stärker mitfinanzieren, vor allem bei den laufenden Betriebskosten und bei der Qualität. Gleichzeitig müssen wir Kitas entlasten, damit Zeit bei den Kindern ankommt – nicht in Formularen. Frühkindliche Bildung ist eine gemeinsame Aufgabe. Deshalb braucht es eine faire, verlässliche Vereinbarung zwischen Land und Kommunen, die nicht alle zwei Jahre infrage gestellt wird.
NM: 4. Viele Kommunen fühlen sich bei Migration und Integration überfordert. Wie schätzen Sie die Situation ein, und welche Ansätze halten Sie für besonders geeignet, um Städte und Gemeinden zu unterstützen?
Schuster: Viele Städte und Gemeinden leisten Enormes – oft über ihre Belastungsgrenzen hinaus. Wir brauchen eine realistische Steuerung von Migration, schnellere Verfahren und konsequente Rückführung, wo kein Bleiberecht besteht. Gleichzeitig müssen wir Menschen mit Bleibeperspektive schneller integrieren: Sprache, Arbeit und klare Regeln sind dafür entscheidend. Das Land muss Kommunen mit Personal, finanziellen Mitteln und zentralen Strukturen unterstützen. Nur so kann Integration gelingen, ohne den sozialen Frieden zu gefährden.
NM: Immer mehr Notfallpraxen schließen, auch die medizinische Versorgung auf dem Land ist oft lückenhaft. Welche Strategien würden Sie verfolgen, um eine flächendeckende und verlässliche Versorgung sicherzustellen?
Schuster: Gesundheit darf keine Frage des Wohnorts sein. Wir brauchen mehr medizinische Versorgungszentren, bessere Honorare für Landarztpraxen und moderne Konzepte wie mobile Praxen und Telemedizin. Auch Pflege und Notfallversorgung müssen besser verzahnt werden. Ärztinnen und Ärzte brauchen mehr Zeit für Patientinnen und Patienten – deshalb müssen wir die Bürokratie in den Praxen deutlich reduzieren. Kommunen sollten bei der Ansiedlung neuer Angebote unterstützt werden. Verlässliche Versorgung ist ein Kernstück der Daseinsvorsorge.
NM: Der öffentliche Nahverkehr ist in vielen Regionen unzuverlässig, auf dem Land oft unzureichend. Welche konkreten Schritte halten Sie für notwendig, um Mobilität für Stadt und Land sicherzustellen?
Schuster: Mobilität ist Lebensqualität – ob für Arbeit, Arztbesuche oder Familie. Wir brauchen einen verlässlichen ÖPNV mit besseren Taktungen, moderneren Zügen und reaktivierten Bahnstrecken. Auf dem Land müssen flexible Angebote wie Rufbusse und On-Demand-Shuttles Alltag werden. Gleichzeitig müssen wir Straßen und Brücken sanieren und digitale Verkehrssteuerung ausbauen. Ich setze auf ein Zusammenspiel aller Verkehrsträger – ohne Verbote, dafür mit gesundem Menschenverstand. Mobilität muss bezahlbar und praktisch bleiben.
NM: 7. Baden-Württemberg gilt als starker Wirtschaftsstandort, kämpft aber gleichzeitig mit Fachkräftemangel. Wie bewerten Sie die aktuelle Lage, und welche Maßnahmen halten Sie für besonders wirksam, um Fachkräfte zu gewinnen und Unternehmen zu stärken?
Schuster: Unsere Unternehmen brauchen Fachkräfte, um stark zu bleiben. Dazu gehören gute berufliche Bildung, Weiterbildungsmöglichkeiten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und attraktivere Arbeitsbedingungen. Wir müssen Zuwanderung qualifizierter Menschen erleichtern und ihre Abschlüsse schneller anerkennen. Gleichzeitig braucht es weniger Bürokratie für Betriebe, verlässliche Energiepreise und eine bessere Infrastruktur. Baden-Württemberg hat alles, was ein starker Standort braucht – wir müssen nur wieder Bedingungen schaffen, unter denen Leistung möglich ist.
NM: 8. Die Energiewende wird oft als teuer und kompliziert wahrgenommen. Welche Schritte würden Sie ergreifen, um Klimaschutz sozial gerecht, wirtschaftlich tragfähig und technisch machbar umzusetzen?
Schuster: Klimaschutz funktioniert nur, wenn er bezahlbar bleibt und die Menschen mitnimmt. Wir brauchen einen breiten Energiemix aus Photovoltaik, Wind, Biomasse, Wasserkraft und Wasserstoff – kombiniert mit Speichern und starken Netzen. Genehmigungen müssen schneller werden, unnötige Vorschriften weg. Gleichzeitig müssen Bürgerinnen und Bürger sowie Kommunen von der Energiewende profitieren können, etwa durch Beteiligungsmodelle. Klimaschutz ohne ideologische Scheuklappen – dafür mit Tüftlergeist und Wirtschaftskraft – ist der Weg, den ich unterstützen will.
NM: Viele Menschen fühlen sich von Politik und Verwaltung nicht ausreichend wahrgenommen. Wie beurteilen Sie das Vertrauen der Bürger in die Politik, und was könnte getan werden, um beispielsweise Verwaltung bürgernäher und handlungsfähiger zu machen?
Schuster: Viele Menschen haben das Gefühl, dass Verwaltung zu langsam ist und Politik zu wenig zuhört. Wir brauchen eine Verwaltung, die digital, bürgernah und lösungsorientiert arbeitet. Entscheidungen müssen nachvollziehbar sein, Sprache klarer werden, Prozesse einfacher. Politik muss wieder stärker erklären, warum sie etwas tut – und ebenso, warum sie etwas lässt. Für mich ist wichtig: Die Menschen im Land müssen spüren, dass Politik ihre Sorgen ernst nimmt und Probleme anpackt.
NM: Was möchten Sie als Erstes politisch in Grötzingen verändern, wenn Sie in den Landtag gewählt werden?
Schuster: Grötzingen muss widerstandsfähiger gegenüber Extremwetter werden. Dazu gehören ein wirksamer Hochwasserschutz, bessere Prävention im Stadtteil und die schnelle Beschaffung eines neuen Rettungsbootes für die DLRG, die für unsere Sicherheit unverzichtbar ist. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entlastung unserer Vereine, die das soziale Leben in Grötzingen tragen. Ich möchte ihnen konkret helfen – durch weniger Bürokratie bei Förderanträgen, bessere finanzielle Unterstützung für Jugendarbeit und günstigere Nutzungsbedingungen für kommunale Räume und Sportanlagen. Und nicht zuletzt braucht Grötzingen Entlastung vom Durchgangsverkehr, damit unser Ort sicherer und lebenswerter wird.
Die Fragen stellte Jennifer Warzecha.