Szene aus dem Film "Ein Kuchen für den Präsidenten"

AUDIO: Neu im Kino: „Ein Kuchen für den Präsidenten“ (3 Min)

Stand: 03.02.2026 09:10 Uhr

Der Präsident wird 50 und erwartet einen Kuchen von einer neunjährigen Schülerin: Einfühlsam und mitreißend erzählt der irakische Film die Irrfahrt eines Mädchens aus dem mesopotamischen Marschland.

von Anna Wollner

Filme aus dem Irak sind eher selten. Am Donnerstag kommt allerdings einer in die Kinos, der die internationale Filmfestivalgemeinschaft in Cannes im vergangenen Jahr im Sturm erobert hat. „Ein Kuchen für den Präsidenten“, der erste Spielfilm von Hasan Hadi, gedreht mit Laiendarstellern, vor allem mit Kindern.

Es ist wie Lotto spielen, nur im negativen Sinne. Wer den Hauptpreis zieht, der kann in „Ein Kuchen für den Präsidenten“ nur verlieren.

Und schließlich die ehrenwerteste Aufgabe für einen Schüler, den Geburtstagskuchen backt uns dieses Jahr Lamia Achmed Nife. Glückwunsch, du kannst stolz sein. Back‘ uns einen schönen großen Kuchen. Und schön saftig muss er sein.

Hasan Hadi

Video:
Trailer zum Film: „Ein Kuchen für den Präsidenten“ (2 Min)

Neunjährige Lamia soll Kuchen für Präsidenten backen

„Ein Kuchen für den Präsidenten“ spielt im Irak der 1990er-Jahre, kurz vor dem Geburtstag von Saddam Hussein. Die Bevölkerung hungert und trotzdem soll die neunjährige Lamia einen Kuchen backen. Mit Zutaten, die kaum zu bekommen sind. Ihre Großmutter, bei der sie aufwächst, hat sie gewarnt.

Lamia: Bist du sauer auf mich? Wir gehen morgen früh in die Stadt. Ich hab alles gemacht, was du gesagt hast. Ich habe gebetet, aber es hat nicht geklappt. Und aufs Klo schleichen hat auch nicht funktioniert.

Hasan Hadi

Die beiden machen sich auf den Weg in die Stadt. Schon die Fahrt dorthin – mit fremden Männern als Mitfahrgelegenheit – ist mühsam und riskant. Doch Lamia bleibt zuversichtlich.

Lamia: Ich brauche fünf Eier, ein Kilo Mehl und ein Pfund Zucker. Verkäufer: Hast du hier vielleicht irgendwo Zucker gesehen? Ich verkaufe nur Eier. Aber keinen Zucker. Fünf kosten 2.500. Lamia: So viel hab ich aber nicht.

Hasan Hadi

Film verarbeitet Kindheitserinnerungen von Regisseur

Regisseur Hasan Hadi verarbeitet in seinem eindrucksvollen Debüt eigene Kindheitserinnerungen aus dem Irak. „Ich wurde selbst einmal für den Geburtstag des Präsidenten ausgewählt. Nicht für den Kuchen, sondern, um Blumen mitzubringen. Das war einfach, weil die Lehrer sich nicht wirklich darum kümmerten. Ich hatte Glück.“ Ein Freund von ihm wurde für den Kuchen ausgewählt. Er habe es nicht geschafft ihn zu backen, deshalb wurde er von der Schule verwiesen, sagt Hasan Hadi. „Das hat sein ganzes weiteres Leben beeinflusst. Er schloss sich später Saddam Husseins Kinderarmee an. Die Vorstellung, dass etwas so Zufälliges wie das Backen eines Geburtstagskuchens über dein Schicksal entscheidet, verfolgt mich bis heute.“

Aus dieser Erinnerung hat Hadi eine fast märchenhafte Parabel gemacht. Die Suche nach den Zutaten wird für Lamia zu einem Abenteuer. Unterwegs trifft sie auf den gleichaltrigen Saeed, gemeinsam versuchen sie zu bestehen.

Lamia: Wohin willst du jetzt schon wieder? Saeed: Meinen Vater suchen. Lamia: Deinen Vater, der Krüppel? Saeed: Meiner lebt wenigstens noch. Lamia: Lass mich ruhig hier stehen. Saeed: Obst hast du ja schon gestohlen. Kann dir nichts passieren.

Hasan Hadi

Geschichte über Angst, Hoffnung, Leben und Tod

Szene aus dem Film "Ein Kuchen für den Präsidenten"

Lamia (Baneen Ahmed Nayyef) in den Marschlandschaften. Sie will es unbedingt schaffen, den Kuchen zu backen.

Gedreht wurde im Irak mit Laiendarstellern, die zum ersten Mal vor der Kamera standen. Vor allem die junge Hauptdarstellerin, Baneen Ahmed Nayyef, beeindruckt mit ihrem intensiven, zurückhaltenden Spiel. Ihre Blicke gehen unter die Haut. Regisseur Hadi gelingt ein besonderer Kunstgriff: Mit einer einfachen Idee – einem Kuchen für den Präsidenten – erzählt er eine Geschichte über Angst, Hoffnung, Leben und Tod. „Wenn Sie das nächste Mal von Bombenangriffen und Kriegen hören, denken Sie bitte daran, dass dahinter Menschen stehen, Kinder mit Namen, Träumen, Liebesgeschichten und Ambitionen. Menschen sind keine Zahlen. Jeder von ihnen ist ein Individuum.“

„Ein Kuchen für den Präsidenten“ ist ein berührender, warmherziger Film, mit klugen Dialogen und großartigen Kinderdarstellern. Und mit einem letzten Blick der Lamia-Schauspielerin Baneen Ahmed Nayyef, den man so schnell nicht vergisst.

Szene aus dem Film "Ein Kuchen für den Präsidenten"

Ein Kuchen für den Präsidenten

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2025
Produktionsland:
Irak, USA, Katar
Zusatzinfo:
mit Baneen Ahmad Nayyef, Sajad Mohamad Qasem, Waheed Thabet Khreibat und anderen
Regie:
Hasan Hadi
Länge:
102 Minuten
Altersempfehlung:
ab 6 Jahren
Kinostart:
5. Februar 2026