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Mitten in Brandenburg liegt etwas, das kaum jemand erwartet: Deutschlands größte Wüste. Nahe Cottbus erstreckt sich die Lieberoser Wüste mit 500 Hektar Sand, Hitze und keinem Schatten. Entstanden ist sie nicht durch Natur allein, sondern durch Feuer, Krieg und Panzer.

Deutschland hat Berge, Wälder, Meere sowie auch eine Wüste. Die Lieberoser Wüste bei Cottbus gilt als größte des Landes und entstand auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz, wie TRAVELBOOK (gehört ebenfalls zu Axel Springer) bereits berichtete.

Brand und Krieg verändern die Landschaft

Laut der offiziellen Seite des Wildnisgebietes Lieberose brannte hier 1942 ein riesiger Kiefernwald. Kurz darauf baute die Waffen-SS das Areal zum Truppenübungsplatz „Kurmark“ aus. Zwischen 1945 und 1947 befand sich hier zudem eine Außenstelle des KZ Sachsenhausen für sowjetische Kriegsgefangene.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten auch die Sowjets das Gelände militärisch. Schwere Panzer rollten über den Boden, ganze Siedlungen wurden „zurückgebaut“.

Panzer machen die Wüste möglich

Wie der Autor Daniel Wiechmann in seinem Buch „Der verrückteste Reiseführer Deutschlands“ berichtet, verdichteten die Fahrzeuge den Boden so stark, dass nichts mehr wachsen konnte. Wasser versickerte kaum noch, und so entstand die Lieberoser Wüste.

Im Sommer werden hier bis zu 60 Grad Bodentemperatur gemessen. Schatten gibt es keinen. Und doch grenzt direkt ein einzigartiges Naturschutzgebiet an.

Wildnis neben heißem Sand

Im Wildnisgebiet Lieberose leben laut offizieller Seite heute Wolf, Fischotter, Seeadler und Biber. Das Gebiet ist rund 3.100 Hektar groß und wurde im Jahr 2000 von der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg übernommen. Seit 1994 gehört das Gelände dem Land Brandenburg.

Seit der Wende wird hier nicht mehr militärisch geübt. Wandern ist nur auf festen Wegen erlaubt, denn noch immer liegt tonnenweise Munition aus Sowjet-Zeiten im Boden. Der „Lausitzer Rundschau“ zufolge wurden zwischen 2010 und 2015 rund 480 Tonnen alter Munition eingesammelt.

Auch die Wüste bietet Nährboden

Laut der offiziellen Seite der Stadt Berlin entwickelt sich die Lieberoser Wüste inzwischen langsam zu einer Steppe, erster Bewuchs ist wieder möglich.

An der Technischen Universität Cottbus-Senftenberg wird weiter geforscht. Ein Biologe schlug 2017 laut „Deutschlandfunk“ vor, den Bewuchs von Schafen wieder abfressen zu lassen – denn die karge Wüste ist idealer Nährboden für zahlreiche Mikroorganismen. Sogar der Einsatz von Panzern wurde erwogen.

Zusätzlich legte die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg einen 50 Meter breiten, knapp sechs Kilometer langen, vegetationslosen Streifen an, der im Ernstfall als Brandschutz dienen soll.