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Am Dienstag ist der Prozess gegen Marius Borg Høiby gestartet. Nun folgt eine überraschende Wende. Und auch die Epstein-Files sorgen für Ärger um Norwegens Krone.
Update, 13:25 Uhr: Seit dem Morgen läuft in Oslo der Prozess gegen Marius Borg Høiby. Mittlerweile werden immer mehr Details aus der Verhandlung publik. Und die sind durchaus beklemmend. Zu sechs Anklagepunkten soll der Sohn von Mette-Marit sich bereits schuldig bekannt haben. Die Vergewaltigungsvorwürfe verneint er jedoch weiterhin.
Derweil wurden im Gerichtssaal zur Beweisaufnahme auch intime Szenen zwischen Høiby und mutmaßlichen Opfern rekonstruiert. Staatsanwalt Sturla Henriksbø erwähnte laut der norwegischen Nachrichtenseite nettavisen.no Beweisstücke in Form von Fotos und Videos. Die ersten dieser Videos sollen von einer mutmaßlichen Vergewaltigung aus dem Jahr 2018 stammen. Sie soll demnach nach einer Party im Keller der Residenz des norwegischen Kronprinzenpaares, Schloss Skaugum, stattgefunden haben.
Im Prozess gegen Marius Borg Høiby legte Staatsanwalt Henriksbø Video-Beweise vor. © dpa/NTB | Ole Berg-Rusten + dpa/NTB | Lise Aserud
Weitere Dateien sollen eine mutmaßliche Vergewaltigung aus dem Oktober 2023 belegen. Nach mehreren einvernehmlichen Geschlechtsakten soll es auch zu sexuellen Handlungen des Royal-Sprosses gekommen sein, als das mutmaßliche Opfer schlief. Videos sollen dies beweisen.
Weitere Videos in einer verschlüsselten App sollen einen weiteren Vorfall aus dem März 2024 belegen. Das Vorgehen Høibys soll ähnlich zum vorherigen Fall gewesen sein, allein hiervon soll es 27 Videos geben. Im Laufe des Prozesstages sollen auch noch Opfer zu Wort kommen.
Marius Borg Høiby vor Gericht: Sohn von Mette-Marit streitet Vergewaltigungsvorwürfe ab
Update vom 03. Februar, 10:19 Uhr: Der Prozess gegen Marius Borg Høiby ist gestartet. Der älteste Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit hat darin die schwersten Vorwürfe gegen ihn bestritten. Er antwortete leise mit „Nein“ auf die Frage, ob er die Strafschuld wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs mehrerer Frauen einräume. Er bestreitet außerdem, die mutmaßlichen Opfer während der Taten gefilmt zu haben.
Der 29-Jährige war nach Angaben der Nachrichtenagentur NTB in einem grünen Pullover über einem Hemd und grüner Hose vor Gericht erschienen. Fotos oder Videos des Angeklagten zu machen ist verboten. Der Norweger muss sich wegen Dutzender teils schwerer Vergehen verantworten. Zu den 38 Anklagepunkten zählen auch Fälle von häuslicher Gewalt, Sachbeschädigung, Drogen- und Verkehrsdelikte. Einige dieser Taten hat Marius Borg Høiby zugegeben.
Marius Borg Høiby plötzlich in Krankenhaus gebracht – Epstein-Enthüllung überschattet Prozess-Auftakt
Erstmeldung: Oslo – Die Welt blickt am Dienstagmorgen gespannt gen Norwegen. In Oslo steht Marius Borg Høiby vor Gericht. Er muss sich in einem Prozess um Vergewaltigung verantworten. Der älteste Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit ist hinlänglich für seine Skandale bekannt. In Norwegen fürchtet man bereits das Ende der Monarchie.
Marius Borg Høiby muss sich ab Dienstag vor Gericht verantworten. © dpa | Julia Wäschenbach + dpa/NTB | Lise Aserud
Ganze 38 Punkte umfasst die Anklage gegen Marius Borg Høiby – Mette-Marits Sohn aus einer früheren Beziehung, den Kronprinz Haakon als kleinen Jungen in die Familie aufgenommen haben soll wie sein eigenes Kind. Mittlerweile ist aus der heilen Welt allerdings ein regelrechtes Drama um das Königshaus geworden. Die Skandal-Akte ist lang.
Marius Borg Høiby vor Gericht: Anklage gegen Skandal-Royal umfasst 38 Punkte
„Lille Marius“ – kleiner Marius wurde der niedliche Junge mit den hellblonden Haaren damals genannt. „Es ist so eine traurige Geschichte. Er hatte alle Möglichkeiten, etwas aus seinem Leben zu machen“, sagt die Norwegerin Monika Skrundal, die in einer Einkaufsstraße in Oslo unterwegs ist. „Und er hat es komplett ruiniert.“
Als junger Erwachsener schlägt der Ziehsohn des künftigen Königs immer öfter über die Stränge. Im August 2024 rückt die Polizei zu einem Vorfall im Osloer Stadtteil Frogner an. In der Wohnung einer jungen Frau herrscht Chaos, Bilder zeigen einen Kronleuchter, der zersplittert am Boden liegt. Ein Messer, das in der Wand steckt. Unter Verdacht: Marius Borg Høiby. Er gibt später zu, unter Drogeneinfluss randaliert zu haben und gegenüber seiner damaligen Freundin gewalttätig geworden zu sein.
Wer ist wer im norwegischen Königshaus? Das sind die Mitglieder der royalen Familie
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Es ist der erste ernste Vorwurf von vielen. In der darauffolgenden Zeit sagen Ex-Freundinnen und andere Frauen über den heute 29-Jährigen aus. Mehrere werfen Marius Borg Høiby Sexualstraftaten nach dem norwegischen Vergewaltigungsparagrafen vor. Mit einer Frau soll der Norweger laut Anklage Geschlechtsverkehr gehabt haben, während sie schlief oder in einem Rausch war. Mehrere weitere soll er in ähnlichem Zustand sexuell berührt haben. Dazu soll Marius Borg Hoiby gegen Kontaktverbote verstoßen haben, Drogen transportiert haben, mit dem Motorrad gerast und ohne Führerschein gefahren sein.
Viele Norweger sind entsetzt darüber, dass der Sohn der Kronprinzessin so tief fallen konnte. „Es ist schockierend, dass er damit einfach immer weiter machen konnte: seine Freundinnen zu verletzen, Kokain zu nehmen, zu trinken und ein Jetset-Leben zu führen“, sagt die 61 Jahre alte Kirsti Nordvik Krohn aus Oslo.
Marius Borg Høiby kurz vor Prozess-Auftakt festgenommen – nächste Wende folgt
Auch unmittelbar vor dem Gerichtsprozess überschlugen sich die Ereignisse. Am Montag wurde bekannt, dass die Osloer Polizei Mette-Marits Sohn erneut festgenommen hat. Der Verdacht: Drohung mit einem Messer und Verstoß gegen ein Kontaktverbot. Die nächsten vier Wochen muss Høiby aus Sorge vor Wiederholung der Vergehen in U-Haft. Kurzzeitig schien gar der Prozessauftakt zu wackeln, als am späten Montagabend in norwegischen Medien vermeldet wurde, der Sohn der Kronprinzessin sei in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Gegenüber Nettavisen gab Høibys Anwältin allerdings an, sie hoffe, dass alles nach Plan laufen werde. Laut Informationen der Bild soll Høiby bis kurz vor Prozess-Beginn in der Klinik gewesen und um 9:32 Uhr vor Gericht erschienen sein.
Erst am Mittwoch stehe die Aussage des 29-Jährigen vor Gericht an, heißt es. Zuvor sollen mutmaßliche Opfer ihre Statements abgeben. Die Familie lässt Høiby dabei wohl vorerst allein. Mette-Marit will zum Start des Prozesses verreisen, auch Stiefvater Haakon sei terminlich verhindert. Mediale Scheu, wohl auch, weil der Skandal-Sohn längst nicht mehr das einzige Problem der norwegischen Königsfamilie ist.
Nicht nur Prozess von Marius Borg Høiby: Auch Epstein-Enthüllungen erschüttern Norwegens Königshaus
Denn im Zuge der neuen Veröffentlichungen aus den Epstein-Files gerät auch Norwegens royale Familie in den Fokus. Mette-Marits Name ist in den freigegebenen Akten Hunderte Male zu finden. Die Kronprinzessin soll über Jahre E-Mail-Kontakt mit dem US-Sexualstraftäter gepflegt haben. Norwegische Zeitung stellten bereits die Frage: „Überlebt die Monarchie das?“. Infrage gestellt ist sie jedenfalls allemal. (Quellen: dpa, Dagbladet.no, nettavisen.no) (han)