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Schwebende Steine, fliegende Drachen, Riesen-Menschen aus Hologrammen: Was wie Science-Fiction klang, war ein Prestigeprojekt des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Doch jetzt ist erst mal Schluss. Saudi-Arabien hat den Bau des gigantischen Würfel-Wolkenkratzers „The Mukaab“ gestoppt.
Der Mega-Bau war als Herzstück des neuen Stadtzentrums „New Murabba“ in Riad geplant. 400 Meter hoch, lang und breit – groß genug für 20 Empire State Buildings. „The Mukaab“, auf Arabisch „Würfel“, sollte bis 2030 das größte innerstädtische Gebäude der Welt werden und Besucher aus aller Welt anziehen. Kostenpunkt für das Gesamtprojekt: rund 620 Milliarden Dollar.
Bauprojekt vorerst auf Eis gelegt
Nun zieht das Königreich laut TRAVELBOOK (gehört wie BILD zu Axel Springer) die Reißleine. Saudi-Arabien habe den Bau des „kolossalen, würfelförmigen Wolkenkratzers (…) vorerst ausgesetzt“, berichtet demnach die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf vier mit der Angelegenheit vertraute Personen. Grund sei eine Neubewertung von Finanzierung und Machbarkeit.
„The Mukaab“ ist Teil der saudischen „Vision 2030“. Mit ihr will sich das Land unabhängiger vom Öl machen und massiv auf Tourismus setzen. Bis 2030 sollten jährlich 55 Millionen internationale Touristen kommen. Doch mehrere Mega-Projekte stehen inzwischen auf dem Prüfstand. Auch der Riesen-Wolkenkratzer „The Line“ in der Zukunfts-Stadt Neom wurde bereits deutlich verkleinert.
Fokus auf Expo und Fußball-WM
Laut Reuters richtet Saudi-Arabien seinen Blick nun stärker auf andere Vorhaben. Im Fokus stehen demnach „die Infrastruktur für die Weltausstellung 2030 und die Fußball-Weltmeisterschaft 2034“. Weiterverfolgt werden außerdem die Diriyah-Kulturzone und das Tourismus-Projekt Qiddiya. Reuters spricht von zunehmendem „fiskalischen Druck“.
Dabei war die Vision für „The Mukaab“ spektakulär. Der Würfel mit 121 Stockwerken wurde 2023 als „gateway to another world“ beworben. Im Inneren sollten Besucher mithilfe digitaler Technik und Holografie durch ferne Welten reisen können. Geplant waren Hotels, Wohnungen, Museen, ein Theater und insgesamt 25 Millionen Quadratmeter Nutzfläche.
Religiöse Kritik am Mega-Würfel
Neben finanziellen Fragen sorgte das Projekt für heftige Kritik. Viele Muslime warfen dem Kronprinzen Blasphemie vor, da die Kubus-Form an die Kaaba in Mekka erinnert. Kritiker bezeichneten „The Mukaab“ als „heilige Stätte des Kapitalismus“.
Wie es mit dem Bau weitergeht, ist offen. Laut Reuters wurden die Arbeiten über Aushub und Pfahlgründung hinaus eingestellt, während umliegende Flächen weiter bebaut werden.