In Russland regieren Verbrecher. Wie anders will man die Männer nennen, die bei dauerhaft zweistelligen Minustemperaturen die zivile Energieinfrastruktur von Millionenstädten wie Kiew und Charkiw beschießen lassen?
Wer so etwas tut, legt es darauf an, dass dort Menschen erfrieren. Am meisten leiden unter dieser Situation jene, die am schwächsten sind – Kinder, Alte, Kranke. Mit den Angriffen am Dienstag hat der Kreml vor der bevorstehenden nächsten Gesprächsrunde in Abu Dhabi einmal mehr demonstriert, worum es ihm geht: Er will den Widerstand der Ukrainer brechen und ihre Kapitulation erzwingen.
Gegen Russland braucht es einen langen Atem
Das bedeutet nicht, dass Gespräche mit dem russischen Regime sinnlos wären. Die Geschichte ist voller Beispiele von Verhandlungen mit Kriegsverbrechern und Terroristen, die dazu geführt haben, dass Waffen schwiegen und menschliches Leiden gemindert wurde. Aber solche Gespräche haben nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn sie von Druck begleitet werden.
Damit dieser wirken kann, bedarf es bei einem Gegner wie Russland eines langen Atems. Denn der Kreml nimmt für die Verfolgung seiner Ziele hohe Kosten in Kauf; die russische Wirtschaft hat sich als widerstandsfähiger erwiesen, als der Westen zu Beginn des vollumfänglichen Kriegs gegen die Ukraine angenommen hat; in China hat Russland einen mächtigen Verbündeten; und viele Länder des globalen Südens wollen sich in diesem Konflikt nicht auf eine Seite stellen – aus zum Teil nachvollziehbaren Erwägungen.
Umso wichtiger wäre eine klare Haltung der Europäer und der Vereinigten Staaten. Doch aus den USA kommen regelmäßig Signale, die Putins Regime als Ermutigung verstehen kann: die erkennbare Ungeduld Donald Trumps, das Interesse an gemeinsamen Wirtschaftsprojekten und vor allem die Demontage der Glaubwürdigkeit des westlichen Bündnisses. Da wäre es wenigstens ein kleiner Lichtblick, wenn Indien als Ergebnis von Trumps Zollpolitik tatsächlich weniger Öl aus Russland kaufen würde.