Auf einen BNN-Artikel hin meldet sich eine scheinbar fremde Frau bei Werner Egry. Ihre Erzählungen wecken seine Neugier.
Besuch in der Karlsruher Stadtredaktion: Ursula und Werner Egry erzählen von ihrer Begegnung durch einen Artikel der BNN.
Foto: Annika Abendschön
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Das Telefon klingelt. Ursula Egry hebt den Hörer ab. Eine Frauenstimme meldet sich zu Wort: „Guten Tag, erschrecken Sie nicht.“ Gemeinsam mit ihrem Ehemann Werner Egry war sie zwei Tage zuvor anlässlich ihrer Diamantenen Hochzeit in den BNN zu sehen. Wem die Stimme am anderen Ende gehört, weiß sie nicht. Nun begibt sich das Ehepaar Egry auf die Suche.
Unbekannte entpuppt sich als Nachbarin aus Kindertagen
Die unbekannte Stimme gibt sich über ihren Mädchennamen zu erkennen: Gerda lautet der Vorname. Vor über 80 Jahren habe sie mit Werner Egry in einem Haus gewohnt und das drei Jahre jüngere „Wernerle“, so nennt sie ihn, gehütet. An alle Familienmitglieder kann sich die Frau erinnern, sogar die beiden Schwestern und den Bruder nennt sie beim Namen.
Ursula Egry reicht den Hörer an ihren Mann weiter. Leider hat dieser kaum Erinnerungen an die Zeit. Damals muss er höchstens vier Jahre gewesen sein, kurz darauf wurde das Haus im Schlossbezirk durch einen Bombenangriff getroffen. Familie Egry zieht weg, die Nachbarn sehen sie nie wieder.
Werner Egry wünscht sich ein Treffen, um mehr zu erfahren
„Man muss sich überlegen, das sind über 80 Jahre. Allein, dass man das noch erleben kann, und dann, dass noch Erinnerungen da sind.“ Werner Egry ist beeindruckt von der Kontaktaufnahme. Das Telefonat dauert an diesem Tag dennoch nicht länger als zehn Minuten. Man könne ja bei einem Treffen daran anknüpfen, denkt sich das Ehepaar. Doch in der Aufregung vergessen beide, nach dem Namen oder den Kontaktdaten der Dame zu fragen.
Nun hofft Werner Egry auf eine Rückmeldung und hat hierzu die Badischen Neuesten Nachrichten kontaktiert. „Vielleicht liest sie diesen Beitrag und meldet sich bei mir. Ich würde mich freuen“, schreibt er. Unter seine Grüße setzt er „’s Wernerle“.
Bei einem Besuch in der Redaktion erzählt Ursula Egry, dass die Suche ihrem Mann keine Ruhe lässt. „Ich hoffe, dass sie mir noch ein bisschen von damals erzählt. Meine Geschwister kann ich nicht mehr fragen“, fügt er an. Alle drei sind mittlerweile verstorben.
„Wenn sie sich schon so viel Mühe gibt, sollte ich jetzt auch den Schritt gehen“, sagt der 86-Jährige zu seiner Motivation. Sollte die Dame auf seine Suche aufmerksam werden, freuen sich die Egrys über einen erneuten Anruf – und diesmal würden sie auch ganz bestimmt daran denken, nach den Kontaktdaten zu fragen.
Service
Wer Kontakt zu oder Informationen über die gesuchte Dame hat, kann sich gerne per E-Mail an die Stadtredaktion der Badischen Neuesten Nachrichten wenden: redaktion.karlsruhe@bnn.de