Brüssel. Krieg, Wirtschaftsflaute, Donald Trump: Die Weltlage drückt aufs Gemüt der Europäer. Laut einer Umfrage des EU-Parlaments blicken 52 Prozent der Befragten pessimistisch auf die Situation der Welt, unter den Deutschen sind es sogar noch mehr. Der Blick auf die EU fällt etwas positiver aus: 39 Prozent der Europäer sehen ihre Zukunft pessimistisch – und bei der eigenen Familie bleiben drei Viertel der Befragten optimistisch. Die größten Optimisten leben in Dänemark und Irland.

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Erstmals seit mehr als drei Jahren bröckelt das positive Image der EU. Aber noch immer hat knapp jeder Zweite einen positiven Eindruck, besonders ausgeprägt bei den Jüngeren. Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Wer skeptisch gegenüber der EU ist, blickt auch düsterer in die Zukunft der Welt. So sind unter den EU-Kritikern mit 77 Prozent besonders viele Pessimisten.

Was die Europäer erwarten, ist eindeutig: Etwa zwei Drittel wollen, dass die EU beim Schutz vor globalen Krisen und Sicherheitsgefahren eine größere Rolle spielt. Fast alle wünschen sich geschlosseneres Auftreten und eine stärkere Stimme auf internationaler Bühne. Wenn es aber ans Geld geht, bröckelt die Bereitschaft: Nur noch zwei von drei Deutschen wollen die EU für globale Herausforderungen finanziell besser ausstatten. Als Prioritäten nennen die meisten Verteidigung und Sicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaft sowie Energieunabhängigkeit.

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Mehr als jeder dritte Deutsche befürchtet, dass sein Lebensstandard in den nächsten fünf Jahren sinkt – deutlich mehr als im EU-Schnitt. Besonders ältere Menschen und Frauen treibt diese Angst um. Trotzdem sind für die meisten deutschen Befragten nicht die Lebenshaltungskosten das Top-Thema, sondern Verteidigung, Migration und Demokratie. EU-weit sorgen sich die Jüngeren vor allem um Jobs und Wirtschaft, erst dann ums Klima.

„Europa ist unser wichtigster Schutzschild“

Bei den Bedrohungen herrscht weitgehend Einigkeit: Kriege und Konflikte in der Nachbarschaft der EU bereiten den Menschen am meisten Sorgen, gefolgt von Cyberangriffen, klimabedingten Naturkatastrophen und Energieabhängigkeit von Drittstaaten. „Geopolitische Spannungen prägen das tägliche Sicherheitsgefühl der Europäerinnen und Europäer“, so Parlamentspräsidentin Roberta Metsola. Die EU müsse Schutz bieten und geschlossen handeln. „Europa ist unser wichtigster Schutzschild.“

Große Unterschiede zeigen sich jedoch bei den Gefahren im Netz. Die Deutschen sind auffallend sorgloser, wenn es um Desinformation, Hassrede, Fake-Videos, Datenschutz oder die Kontrolle von Social Media durch wenige große US-Unternehmen geht. Zwar zeigten sich auch die deutschen Befragten mehrheitlich „sehr besorgt“. Doch in anderen EU-Staaten, besonders in Spanien und Italien, sind deutlich mehr Menschen für diese Gefahren sensibilisiert.