Film von Frankfurter Autorin




Lise Cristiani war die erste Cellistin, die sich auf die Bühne wagte als das noch als unschicklich galt. Die Frankfurter Autorin Simone Jung hat sich zusammen mit Star-Cellistin Sol Gabetta auf die Spuren der Französin begeben.




Detlef Kinsler /
5. Februar 2026, 10.08 Uhr




Digital first. Wenn man mit Printmedien aufgewachsen ist und noch versucht, seinen Lebensunterhalt damit zu bestreiten, fällt es schwer zu verstehen, warum man Content vorab online gratis anbietet und ihn dann Tage später am Kiosk zu verkaufen versucht. Auch der Verweis auf Vorab-Streams im Fernsehen fallen in die Kategorie. Aber tatsächlich sind Mediatheken mitunter sinnvoll und hilfreich. Denn als ich beim Zappen auf den Film „Sol & Lise“ stieß, wollte ich den unbedingt mal komplett sehen und notierte mir den Titel. Digital second.

Dann kam unverhofft weil nicht so oft eine Mail vom Kollegen Michi Herl. Eine liebe Freundin, Simone Jung, habe einen großartigen Film gemacht: „Sol & Lise“ (hier zu sehen). Welch schöne Fügung. Die XXL-Kino-Version des 52-minütigen Arte-Formats könne man sich gerne in einer Privatvorführung im Mal Seh’n Kino anschauen. Durch eine befreundete russische Cellistin hat die Frankfurter Autorin und Regisseurin die abenteuerliche Geschichte der Französin Lise Cristiani (1825–1853), der ersten Profi-Cellistin der Musikgeschichte, kennengelernt. Die Haltung des Instruments zwischen den Knien und der Klang, der die Regionen einer Bassstimme erreichte, galt für Frauen als unschicklich. Und dass sie allein auf Konzertreise bis nach Sibirien ging, war genauso vermessen und skandalös.

Als Jung eine Doku über die Star-Cellistin Sol Gabetta machte, teilte die die Faszination für die Cello-Pionierin. Der erste Schritt zum gemeinsamen Projekt „Sol & Lise“. Es gab wenig Biografisches zu Cristiani, ein einziges Bild. Aufwendige und langwierige Recherchen folgten. In Museums- und Privatarchiven, Bibliotheken, Instituten. Dank des Journalisten und Schriftstellers Waldemar Kamer kam sogar die Geburtsurkunde ans Licht. Analoge Arbeit. Digital last.



Detlef Kinsler


Detlef Kinsler

Weil sein Hobby schon früh zum Beruf wurde, ist Fotografieren eine weitere Leidenschaft des Journal-Frankfurt-Musikredakteurs, der außerdem regelmäßig über Frauenfußball schreibt.


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