Der lautstarke Zug, der mit hunderten Menschen auf den Straßenbahnschienen Richtung Königsplatz wandert, ist am Freitagabend kaum zu überhören. „Ganz Augsburg hasst die Polizei“ skandieren sie. Knapp 1200 Menschen, so schätzen es die Einsatzkräfte, sind am Freitagabend zusammengekommen, um fast eine Woche nach der großangelegten Razzia im Augsburger City Club gegen Polizeigewalt und für eine lebendige Jugend und Subkultur zu demonstrieren. Die Veranstalter sprechen gar von 1600. Aufgerufen hatte nicht der Club selbst, sondern eine Gruppierung namens „Freund:innen des City Club“.

Aus dem Club dringen harte Beats zu den Demonstranten nach draußen

Applaus brandet auf, als die Demonstranten am City Club vorbeiziehen, der sechs Tage zuvor von rund 200 Beamten durchsucht worden war. Aus den geöffneten Fenstern dringen laute Beats nach draußen. Ein Gast an einem Fenster im Obergeschoss reckt den Teilnehmenden stolz die Faust entgegnen. Aus dem 3. Stock hängt ein Banner mit der Aufschrift „Danke für die Solidarität“. Und unten vor dem Eingang stehen Gäste und applaudieren den Demonstranten. Darunter sind auch zwei Schwestern, die am Samstag selbst vor Ort waren. Bis auf die Unterwäsche, erzählen die beiden, hätten sie sich ausziehen müssen. Eine Situation, die ihnen natürlich Angst gemacht habe. Und trotzdem sind sie heute wieder hier. Jetzt erst recht.

Die Stimmung auf der Demo in Augsburg ist aufgeheizt, aber es bleibt friedlich

Die Stimmung im Zug, sie ist aufgeheizt. Als einer der Polizeipressesprecher einem Fernsehteam ein Interview gibt, schreit ein Demonstrant immer wieder: „Er lügt, wie beim letzten Mal.“ Auf die Beamten der Polizei, die mit stoischem Blick die Demo begleiten, prasseln beständig Beleidigungen ein. „Ich bin nichts, ich kann nichts – gebt mir eine Uniform“, ist da noch eine der harmlosen. Auf Plakaten fordern die Demonstranten, darunter ein großes Kontingent aus der Augsburger Ultraszene, „Markus, gib das Koks frei“ oder aber die Auflösung des Unterstützungskommandos und zeigen sich „Resistent gegen Repression“.

Die Sprüche auf den Plakaten der Demonstranten richteten sich gegen die Polizei und auch die Politik.

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Die Sprüche auf den Plakaten der Demonstranten richteten sich gegen die Polizei und auch die Politik.
Foto: Marcus Merk

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Die Sprüche auf den Plakaten der Demonstranten richteten sich gegen die Polizei und auch die Politik.
Foto: Marcus Merk

Dass Polizisten Demonstrationen in der Augsburger Innenstadt begleiten, ist für sie Tagesgeschäft. Dass die Teilnehmenden dabei aber gegen die Polizei selbst demonstrieren, ist selten der Fall. „Man darf das nicht an sich ranlassen“, sagt einer der Beamten. Aber natürlich sei das kein schönes Gefühl. Immerhin: Es bleibt alles friedlich. Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten gibt es keine. Doch als zufällig zwei Kinder in ihren brandneuen Polizei-Faschingskostümen drohen, zwischen die Fronten zu geraten, werden sie von den Beamten schnell darauf hingewiesen, dass sie besser Abstand halten sollen.

Vertreter des City Clubs: „Wir lassen uns nicht unterkriegen“

In zahlreichen Redebeiträgen kritisieren verschiedenste Gruppierungen, die auch der linken Szene in Augsburg zuzuordnen sind, vor und nach der Demo die Durchsuchungen im City Club scharf. Die „Hunde der Augsburger Staatsanwalt“ hätten über die Stränge geschlagen, sagt eine Rednerin. Und das nicht zum ersten Mal. Doch Solidarität, die sei eben stärker als Repression. Deshalb wolle man weitermachen. Das sagt am Ende der Demo auch Lutz, der für das Team des City Clubs spricht. „Wir sind immer noch sehr betroffen und bedanken uns für die Soliaritätsbekundungen und die Spendenaktion. Das berührt uns wirklich sehr“, ruft er der Menge zu, bevor er einige Statements von Gästen vorliest, die am Samstag durchsucht wurden. Was da passiert sei, sagt Lutz unter dem Jubel der Demonstranten, sei unfassbar. Trotzdem werde man weitermachen. „Wir lassen uns nicht unterkriegen von so was.“

  • Katharina Indrich

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