Marius Thoms ist ein Botschafter, ein Ausbildungs-Botschafter, einer von mehreren Auszubildenden im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara in Halle, die vor allem jungen Leuten den Arbeitsalltag von Pflegekräften näherbringen wollen.  

Ausbildungsbotschafter räumen mit Klischees auf

Thoms sagt: „Es gibt viele Klischees, die umherwandern, zum Beispiel, Pflege sei nur das eine: Man putzt den ganzen Tag oder räumt den Ärzten hinterher – aber das ist nicht alles. Wir machen wahnsinnig viel, haben jeden Tag unterschiedliche Tätigkeiten, denen wir nachgehen und wir haben vor allem den engsten Kontakt zu den Patienten.“

Das erfahren dieser Tage auch Schülerinnen und Schüler aus Halle und Umgebung, die schon mal reinschnuppern wollen in den vielfältigen Pflege-Alltag im Krankenhaus. Dazu veranstaltet die Klinik zwei Mal im Jahr ein Feriencamp und stellt den interessierten Jugendlichen alle Tätigkeitsfelder realitätsnah vor.  

Wir machen wahnsinnig viel und wir haben vor allem den engsten Kontakt zu den Patienten.

Marius Thoms, Azubi und Ausbildungsbotschafter

Die Ausbildungsbotschafter und das Feriencamp haben einen ernsten Hintergrund: Von den jährlich rund 100 neuen Pflege-Azubis brachen in den letzten Jahren viele ihre Lehre desillusioniert wieder ab. Was also tun? 

„Die Antwort war, dass sie sich den Berufsalltag anders vorgestellt hätten“, erklärt Pflegedirektorin Kathleen Wüste-Gottschalk: „In dem Zusammenhang haben wir überlegt, wie können wir den Berufsalltag nahbarer machen für die, die es interessiert, und auch von uns überzeugen als Ausbildungsstandort und als Ort für Freiwilligendienste und Praktikanten?“  

Was ist das Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara?
Das Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara ist nach dem Universitätsklinikum das zweitgrößte Klinikum von Halle (Saale) und fungiert als Akademisches Lehrkrankenhaus der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Es befindet sich in Trägerschaft des katholischen Elisabeth-Vinzenz–Verbundes.

Nachfrage nach Praktika und Camps ist hoch

Die Nachfrage nach Praktika und den Feriencamps ist mittlerweile so groß, dass eine Börse für interessierte Schüler eingerichtet wurde. Und die, die es ins Winterferiencamp geschafft haben, waren begeistert. 

„Also ich fand es toll, dass man die Möglichkeit hat, näher reinzuschauen ins Krankenhaus und dass man hier zum Beispiel Blutdruck messen und das schon mal austesten kann oder vorhin im Saal, dass wir da eine Herzdruckmassage machen konnten“, meint die Schülerin Pia Blautzik.

Auch die Schülerin Courage Uzowuru ergänzt: „Ich finde es cool, dass so viele Aktionen möglich sind, weil ich selber noch nicht weiß, in welche Richtung ich gehen möchte. Aber in die Medizin reinzugehen – allgemein Pflege – finde ich auch richtig interessant, weshalb ich auch hier bin. Und ich kann es mir auch vorstellen, hier zu arbeiten.“

Die Abbrecherquote bei den Auszubildenden ist bereits zurückgegangen, stellten die Organisatoren der nach eigenen Aussagen deutschlandweit einmaligen Aktion fest. Nach dem Corona-Tief bekommt der Pflege-Job demnach einen neuen Stellenwert. 

„An der Stelle mussten wir nach Corona auch von uns heraus überzeugen. Und das ist uns mit diesem Konzept sehr gut gelungen. Mit Corona war das Krankenhaus ja zu einem Platz geworden, wo man nicht unbedingt arbeiten wollte“, bilanziert Pflegedirektorin Wüste-Gottschalk.

Davon können sich Interessierte selbst überzeugen: die nächsten Feriencamps finden zu Pfingsten, dann zweimal mal im Sommer und in den Herbstferien statt. Anmeldungen sind online möglich, beim Elisabeth-Krankenhaus in Halle.