Das ist eine absurde Schere, die sich in den letzten Jahren aufgetan hat. Einerseits wird von uns gefordert, dass wir alle noch eine halbe Kilowattstunde einsparen sollen – andererseits gibt es Superreiche, die Strom für eine ganze Kleinstadt verbraten, um ihre Jachten zu heizen. Dazu die Ungerechtigkeit beim Vermögen: Wenn man Leute wie Elon Musk oder Jeff Bezos richtig besteuern würde, könnten wir als Gesellschaft ganze Problemstränge auf der Welt lösen. Wenn die Reichen weiter immer reicher werden, dann wird das zum Zerreißen der Gesellschaft führen.
Was in eurem Song noch auffällt: Viele Karnevalsbands setzen in diesem Jahr auf Hochdeutsch, Beats und leichte Themen in ihren Sessionssongs. Druckluft mit der „Karnevalsmaus“ oder die Höhner mit „Gisela“ etwa. Ihr bleibt bei der kölschen Sproch und singt vom Weltuntergang. Verpassen Sie da gerade einen Trend?
Zunächst mal: Die „Karnevalsmaus“ ist ein so krasser Ohrwurm, das ist völlig zu Recht der Sessionshit in diesem Jahr. Für uns gilt: Bei allem, was man macht, besteht die Gefahr, dass man einen Trend verpasst. Gleichzeitig waren wir immer offen für musikalische Einflüsse und haben auch schon früh elektronische Elemente genutzt. Aber im Kern sind wir eine Rockband – und Kölsch ist unsere Sprache. Wenn man versucht, jedem Trend hinterherzulaufen, wirkt das schnell aufgesetzt oder peinlich. Aber wir wissen auch: Alles hat seine Zeit. Wenn andere in einer Session mal mehr im Rampenlicht stehen als wir, bleiben uns die Fans, die mit uns aufgewachsen sind.
Was ist denn das Geheimnis für einen richtigen Sessionshit?
Es geht darum, was die Menschen gerade brauchen – musikalisch und thematisch. Dann helfen natürlich auch Mitsingbarkeit, Ohrwurmpotenzial und das richtige Timing. Das Unvorhersehbare gehört aber auch dazu: 2019 sind wir mit „Alle su yeah“ in die Session gegangen, das war fast schon ein Elektro-Track. Der hat aber nicht funktioniert. In demselben Jahr hatten wir aber auch noch eine kleine Ballade am Start, „Der Ress von dingem Leeve“. Der Song hat dann bei „Loss mer singe“ gewonnen und wurde zum Hit. Schlussendlich ist das aber auch das Schöne, dass es keine feste Hitformel im Karneval gibt.
Was bei uns Klüngel heißt, heißt anderswo Filz.
basti Campmann