US-Justizministerin Pam Bondi
hat Kritik am Umgang mit den Ermittlungsakten zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zurückgewiesen. Ihr Ministerium habe mehr als drei Millionen Seiten Dokumente
freigegeben und das „Beste getan, um die Opfer zu schützen“, sagte Bondi bei einer Anhörung im US-Kongress.

Gleichzeitig räumte die Justizministerin nach entsprechenden Vorwürfen ein, dass „versehentlich“ Namen
von Opfern veröffentlicht worden seien. Diese seien nach Hinweisen „umgehend“ geschwärzt worden. 

Der führende Demokrat im Justizausschuss des Repräsentantenhauses, Jamie Raskin, warf Bondi eine „massive Epstein-Vertuschungsaktion“ vor. Von insgesamt rund sechs
Millionen Dokumenten, Fotos und Videos habe das Ministerium nur gut die
Hälfte veröffentlicht. Zudem seien die Namen zahlreicher „Täter,
Helfer, Mitläufer und Mitverschwörer“ Epsteins geschwärzt worden,
während die Namen der Opfer in einigen Fällen nicht wie vorgeschrieben
unkenntlich gemacht worden seien. 

Die demokratische Abgeordnete Pramila Jayapal forderte Bondi auf, sich bei Epsteins Opfern zu entschuldigen. Bondi fragte sie daraufhin, warum sie dies nicht ihren Vorgänger unter US-Präsident Joe Biden gefragt hätte und warf ihr „Theatralik“ vor. 

Bondi verteidigt Donald Trump

Es kam bei der Anhörung wiederholt zu Auseinandersetzungen mit demokratischen Abgeordneten. Bondi brüllte
sie an, machte sich über sie lustig und lobte dabei gleichzeitig die
Amtsführung von US-Präsident Donald Trump. „Sie sitzen hier und greifen den
Präsidenten an, und das werde ich nicht zulassen“, sagte Bondi.

Die Ermittlungsakten zum Fall Jeffrey Epstein

Jeffrey Epstein war ein US-Investor und Multimillionär, der ein Netzwerk zur sexuellen Ausbeutung Minderjähriger und zum Menschenhandel betrieben haben soll. 2007 erreichten seine Anwälte in Florida nach ersten Ermittlungen einen umstrittenen Deal mit der Staatsanwaltschaft, Epstein erhielt im Jahr darauf eine überraschend milde Strafe. 2019 wurde er jedoch erneut verhaftet und auf Bundesebene angeklagt. Wenige Wochen später starb Epstein in Untersuchungshaft, nach offiziellen Angaben durch Suizid.

Aufgrund des Ausmaßes der Taten ist das öffentliche Interesse an dem Fall sehr groß. Insbesondere die Kontakte zahlreicher Prominenter zu Epstein sowie dessen Tod sorgen für unzählige Spekulationen. US-Präsident Donald Trump, der selbst in den Unterlagen auftaucht und Kontakt zu Epstein hatte, versprach im Wahlkampf Aufklärung sowie die Veröffentlichung der Ermittlungsakten. Nach seinem Amtsantritt gab das US-Justizministerium allerdings nur sehr unsystematisch und in kleinen Schritten Informationen zum Fall Epstein heraus. Trump wurde dafür auch von seiner eigenen Anhängerschaft kritisiert.

Ein im November 2025 vom Kongress verabschiedetes Gesetz verpflichtete die Behörden schließlich zur Herausgabe aller unklassifizierten Ermittlungsakten. In der Folge gab das Justizministerium die Akten in mehreren Schüben frei – deutlich langsamer als im Gesetz vorgesehen. Das Ministerium begründete die Verzögerungen mit dem Schutz der Opfer; zahlreiche Stellen in den Akten hätten zunächst geschwärzt werden müssen. Dabei gingen die Behörden jedoch ungenau vor, viele Betroffene konnten in den Unterlagen identifiziert werden.

Die gesetzliche Frist zur Herausgabe der Unterlagen endete am 19. Dezember 2025. An diesem Tag sowie in den Tagen danach gab das Justizministerium zahlreiche – teils nahezu vollständig geschwärzte – Dokumente heraus. Doch erst am 30. Januar erfolgte die umfangreichste Veröffentlichung: Mehr als drei Millionen Seiten, 2.000 Videos und 180.000 Bilddateien wurden freigegeben. Laut dem Justizministerium ist es die wohl letzte Veröffentlichung von Ermittlungsakten; man habe die gesetzlichen Vorgaben erfüllt, teilte das Ministerium mit.

Der Kongress hatte die Regierung von US-Präsident Trump
gesetzlich verpflichtet, die meisten Dokumente und Ermittlungsunterlagen im Fall Epstein offenzulegen. Mitte Dezember hatte das Justizministerium damit begonnen, Akten zu veröffentlichen. Kurz danach waren einige Dateien wieder verschwunden. Bondis
Stellvertreter Todd Blanche sagte dazu, dass die plötzliche Löschung
auf Bitten von Betroffenen erfolgt sei. Die entfernten Fotos zeigten
potenzielle Opfer, die zuvor nicht als solche identifiziert worden
seien, hieß es.

© Lea Dohle

Newsletter
Was jetzt? – Der tägliche Morgenüberblick

Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.

Prüfen Sie Ihr Postfach und bestätigen Sie das Newsletter-Abonnement.

Verfolgen Sie alle Entwicklungen im Fall Jeffrey Epstein in unserer Timeline.

Mehr zum Thema

Jeffrey Epstein

Z+ (abopflichtiger Inhalt);

Jeffrey Epstein:
Epsteins System ist Teil einer globalen Kultur

Z+ (abopflichtiger Inhalt);

Jeffrey Epstein:
Die Genies und der Sexualstraftäter

Z+ (abopflichtiger Inhalt);

Epstein-Akten:
„Die wirre Veröffentlichung der Epstein-Files könnte kalkuliert sein“