Von der rechten Seite segelt der Ball in den Strafraum. Uchenna Ogundu fasst die Kugel in der Luft ab und versenkt sie im Netz. Es ist eine der wenigen Szenen, die vom ersten Auftritt des Neuzugangs in Erinnerung bleiben werden. Vieles steht im Zeichen des Kennenlernens. Am Dienstagabend ist der 19-jährige Nigerianer in Augsburg angekommen, am nächsten Morgen begegnete er erstmals seinen künftigen Mitspielern und Trainer Manuel Baum. Die Freude sei Ogundu anzumerken gewesen, berichtet Baum. „Ich finde es immer gut, wenn jemand gleich ein Strahlen im Gesicht hat.“ Als Mannschaft und Verein sei man nun gefordert, den Neuzugang schnell in Abläufe und Alltag zu integrieren, ohne ihn zu überfrachten. „Damit er sich wohlfühlt“, so Baum.

Rund eine Woche ist zwischen der Verpflichtung des Spielers und seinem ersten Arbeitstag beim Fußball-Bundesligisten FC Augsburg vergangen. Bislang stand der Angreifer beim türkischen Erstligisten Alanyaspor unter Vertrag. Formalitäten waren noch zu klären, unter anderem musste ein Visum ausgestellt werden. Augsburgs Sportdirektor Benjamin Weber wusste, dass der Wechselakt sich ein paar Tage hinziehen würde. Zudem soll der Stürmer Zeit bekommen, gilt er doch als Investition für die Zukunft. Rund 4,5 Millionen Euro, ein Vielfaches des Marktwertes (1,5 Mio.), hat sich der FCA die Dienste des Spielers kosten lassen. Mit Bonuszahlungen könnten sogar noch zwei Millionen Euro zusätzlich fällig werden. Weber hatte erklärt, die Nachfrage nach jungen Stürmern sei derzeit hoch, der Markt sei mitunter verrückt. Daher war der FCA bereit, die Einnahmen des Transfers von Phillip Tietz (Mainz/4 Mio.) sogleich zu reinvestieren. Weil Augsburgs Verantwortliche nicht riskieren wollten, dass die Ablöse für Ogundu im Sommer noch steigt.

1. FC Heidenheim steht auf dem letzten Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga

Für Baum sind dies Begleiterscheinungen des Fußballgeschäfts. Als Trainer widmet er sich den Feldern, die er unmittelbar beeinflussen kann. In beinahe jedem Profi, der auf dem Trainingsplatz steht, sieht er einen möglichen Faktor für Erfolge seiner Mannschaft. „Jeder Spieler, der da ist, kann uns sofort helfen“, bekräftigt Baum. „Wir holen keinen Spieler für irgendwann mal.“ Während die Winterneuzugänge Arthur Chaves, Yannik Keitel, beide 25, und Michael Gregoritsch, 31, älter und Bundesliga erfahren sind, sind der Portugies Rodrigo Ribeiro, 20, und Ogundu der Kategorie „Perspektivspieler“ zuzuordnen. Baum entgegnet: „Aber warum soll er nicht sofort helfen können?“

Zwischendurch absolvierte Uchenna Ogundu (Mitte) Laufeiheiten mit Yannik Keitel (links) und Arthur Chaves (rechts).

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Zwischendurch absolvierte Uchenna Ogundu (Mitte) Laufeiheiten mit Yannik Keitel (links) und Arthur Chaves (rechts).
Foto: Johannes Graf

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Zwischendurch absolvierte Uchenna Ogundu (Mitte) Laufeiheiten mit Yannik Keitel (links) und Arthur Chaves (rechts).
Foto: Johannes Graf

Im Training suchen die Spieler auf engstem Raum nach spielerischen Lösungen. Führen fortwährend Zweikämpfe, verlagern nach schnellen Passfolgen und Dribblings mit einem langen Ball das Geschehen in eine andere Region des Spielfeldes. Ein erstes Indiz dafür, wie Baum den nächsten Gegner erwartet: aggressiv, kompakt und körperbetont. Für den 1. FC Heidenheim könnte das Spiel in Augsburg kaum bedeutender sein (Sonntag, 15.30 Uhr, DAZN). Sechs Punkte fehlen dem Tabellenletzten zum Relegationsplatz, er benötigt dringend drei Punkte.

Baum versucht, bei sich und seinem Team zu bleiben. Zusätzlichen Druck verspüre er nicht. Jedes Spiel sei wichtig, meint er – egal, wie der Gegner auch heißt. Baum räumt lediglich ein: „Am Schluss geht es immer um Wahrscheinlichkeiten: Die Wahrscheinlichkeit, gegen einen hinter uns zu gewinnen, ist vielleicht größer.“ Wobei allein ein Gegner genügt, um dies zu widerlegen. Beide Partien gegen Mainz 05 hat der FCA in dieser Saison verloren. Auch das Hinspiel gegen Heidenheim endete ohne Punkte für Augsburg. Das dürfte Warnung genug sein.

Linksverteidiger Dimitrios Giannoulis steht nach Verletzung vor der Rückkehr

Personell hat Baum kaum noch Sorgen. Einzig Chrislain Matsima wird noch länger fehlen, nachdem er sich einen Sehnenriss zugezogen hat. Die Rückkehr des Franzosen ist ungewiss, während Jeffrey Gouweleeuw stetig Fortschritte macht. Über individuelles Training tastet er sich ans Mannschaftstraining heran. Unmittelbar vor einem Comeback steht Dimitrios Giannoulis. Am Mittwoch absolvierte der Linksverteidiger zwar zwischendurch noch Laufeinheiten, darüber hinaus ließ er aber keine Spielform aus. „Wir schauen immer, wie die Spieler reagieren – und dann geht es um mehr Minuten“, erklärt Baum. Neben Giannoulis und Ogundu spulen Arthur Chaves und Yannik Keitel ein reduziertes Programm ab und beenden vorzeitig die Übungseinheit auf dem Platz.

Mit Ausnahme von Matsima und Gouweleeuw kann Baum gegen Heidenheim also den kompletten Kader zur Verfügung haben – vorausgesetzt niemand fällt kurzfristig aus. Mehrere Spieler konkurrieren um eine Position. „Wenn alle wiederkommen, stellt sich der Kader und die Elf nicht von allein auf. Da wird es ein paar Härtefälle geben“, betont der Coach. „Wir müssen schauen, was das Beste für Heidenheim ist, damit wir das Spiel gewinnen.“ Dabei schließt er nicht aus, dass Ogundu bereits zum Kader gehört.

  • Johannes Graf

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  • Manuel Baum

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  • FC Augsburg

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