
Jahrelang wurde darum gerungen, ob zehn rund hundertjährige Bäume auf dem Schulhof der Heinz-Brandt-Oberschule in Weißensee für einen Erweiterungsbau gefällt werden dürfen. Am Mittwoch gab es eine Gerichtsentscheidung – seit Donnerstagfrüh wird gesägt.
- Zehn alte Bäume auf Schulhof der Heinz-Brandt-Schule werden derzeit gefällt
- Fälllung am Vortag von Verwaltungsgericht in Eilantrag für zulässig erklärt
- Um die Fällung gab es jahrelang Streit
- Bäume sollen Platz machen für Erweiterungsbau
Nach jahrelangem Streit hat am Donnerstagfrüh die Fällung von bis zu zehn etwa hundertjährigen Bäumen auf dem Schulhof der Heinz-Brandt-Oberschule in Berlin-Weißensee begonnen. „Seit heute Morgen laufen die Sägen“, sagte Elternvertreter David Kißling gegenüber rbb|24 am Donnerstagvormittag.
Die Schule sei über die startenden Fäll-Arbeiten vorab „gar nicht“ informiert worden, kritisierte Kißling. Am frühen Morgen seien die Arbeiten in einem seit einer Woche abgezäunten Bereich bereits in vollem Gange gewesen, als Lehrer- und Schülerschaft kamen. „Wir sind geschockt“, fügt Kißling hinzu.
Das Sekretariat der Schule bestätigte dem rbb, die Schule sei über den Beginn der Fällarbeiten nicht informiert worden. In alle Bäume seien am Morgen Keile eingeschnitten worden.
Verwaltungsgericht entschied am Vortag im Eilverfahren
Das Verwaltungsgericht Berlin hatte am Vortag, am 11. Februar, in einem Eilverfahren entschieden, dass die Rodung der Bäume zulässig ist. Theoretisch kann, so steht es in der Eil-Entscheidung, die dem rbb vorliegt, gegen den Beschluss aber Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg erhoben werden. Die Sprecherin des Verwaltungsgericht, Anna von Oettingen, erlärte am Donnerstagmitag gegenüber dem rbb, eine etwaige Beschwerde hätte aber keine Auswirkungen gehabt darauf, dass die Behörde die Bäume jetzt fällen darf.
Julia Lord, deren Sohn die Schule besucht, kritisierte dennoch den raschen Beginn der Arbeiten. „Da wurde wirklich keine Zeit vergeudet“, sagte sie gegenüber dem rbb. „Nach dem Beschluss vom Mittwoch wurden direkt am nächsten Morgen Fällkeile in die Bäume gesetzt, um vollendete Tatsachen zu schaffen. Es ist ein Trauerspiel, diese alten Bäume fallen zu sehen – und die Kinder stehen daneben und schauen zu.“
Bezirk will Schule vergrößern
Die Fällung der Bäume stand seit mehreren Jahren im Raum. Sie sollen weichen, damit ein Erweiterungsbau für die Schule, ein sogenannter MEB, dort errichtet werden kann. Im kinderreichen Pankow fehlen – insbesondere an Oberschulen – zurzeit Schulplätze. Deshalb soll die stark nachgefragte Heinz-Brandt-Oberschule ausgebaut werden.
Bezirksstadtrat Björn Pasternack (CDU) hatte dem rbb in der Vergangenheit schon gesagt, dass der MEB auf jeden Fall kommen solle – der Bau stehe nicht zur Disposition. Die Entscheidung für diesen Standort sei angesichts der „dramatischen Versorgungslage bei weiterführenden Schulen im Bezirk Pankow“ eine der wenigen verfügbaren Optionen, die genutzt werden müssten.
Auf eine Anfrage des rbb zu den Fällungen bestätigte Pasternack am Donnerstag, dass die Fällungen seit 7:30 Uhr im Gange seien und voraussichtlich den ganzen Tag über andauern würden.
Beliebteste Sekundarschule der Stadt
Früher galt die Heinz-Brandt-Schule als Problemschule in Brennpunkt-Lage. Heute ist sie die am meisten nachgefragte Integrierte Sekundarschule (ISS) Berlins. Nach ihrer Umwandlung von einer Hauptschule zur Integrierten Sekundarschule hat sie sich als berufsorientierte Schule mit partizipativem Konzept etabliert. 2011 wurde sie mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet – als bisher einzige Oberschule in Berlin. In den vergangenen Jahren gab es jeweils weit mehr Anmeldungen von Siebtklässlern, als die Schule Plätze hat.
In dem Erweiterungsbau auf dem Schulhof sollen zwölf zusätzliche Klassenräume entstehen, für einen weiteren Klassenzug. Die Heinz-Brandt-Schule ist dann fünf- statt wie bisher vierzügig. Der Schulhof ist nach Angaben der Schulleiterin schon für die derzeit etwa 500 Schülerinnen und Schüler zu klein.
Sendung: rbb|24, 12.02.2026, 11:16 Uhr