Dauerregen hat Weiberfastnacht in Köln in diesem Jahr spürbar geprägt – und offenbar auch für eine insgesamt ruhigere Lage gesorgt. Seit den frühen Morgenstunden war die Polizei Köln im Einsatz, um die Sicherheit der Jecken zu gewährleisten. Bis in den Nachmittag hinein feierten deutlich weniger Menschen als in den Vorjahren, und das überwiegend friedlich. „Unser erster Eindruck ist, dass es auch deshalb ruhiger geblieben ist“, erklärte ein Polizeisprecher mit Blick auf das regnerische Wetter.
Mit zunehmender Alkoholisierung stieg in den bekannten Hotspots dennoch der Einsatzbedarf. Vor allem im Zülpicher Viertel und in der Altstadt mussten die Beamtinnen und Beamten immer wieder Streitigkeiten schlichten. Seit etwa 18 Uhr registrierte die Polizei deutliche „Abwanderungstendenzen“ von den üblichen Feierplätzen. Viele schauten, dass sie noch einen Platz in einer Kneipe fanden, um dort weiterzufeiern.
Ermittlungen wegen Verdachts der Vergewaltigung
Bis 19 Uhr nahm die Polizei zwölf Personen unter anderem zur Durchsetzung von Platzverweisen in Gewahrsam. Zudem wurden erste Ermittlungen wegen sexueller Belästigungen, Körperverletzungen und Diebstählen eingeleitet. In der Weidengasse soll einer Frau das Mobiltelefon geraubt worden sein, nachdem sie es einem Mann kurzzeitig geliehen hatte. Als sie die Herausgabe verlangte, soll der Tatverdächtige sie mit einer Machete bedroht haben und geflüchtet sein. Im Zülpicher Viertel ermittelt die Kriminalpolizei wegen des Verdachts der Vergewaltigung unter Männern. Ein Mann soll einen anderen zum Oralverkehr gezwungen haben. In beiden Fällen laufen die Ermittlungen noch.
Auch Einsatzkräfte wurden Opfer von Gewalt: Ein Randalierer verletzte einen Zivilpolizisten mit einem Kopfstoß so schwer im Gesicht, dass dieser seinen Dienst nicht fortsetzen konnte. Auch die Bundespolizei zieht eine gemischte Bilanz: Die Anreisephase im Kölner Hauptbahnhof verlief nach Angaben eines Sprechers zunächst überwiegend friedlich, im Laufe des Tages kam es jedoch vermehrt zu Einsätzen wegen Diebstählen, körperlichen Auseinandersetzungen sowie Angriffen und Widerständen gegen Beamte. In mehreren Fällen schritten die Einsatzkräfte ein und verhinderten weitere Eskalationen.
Gegen 20.15 Uhr versuchte ein 29-Jähriger im Bereich des Hauptbahnhofs eine polizeiliche Absperrung wegen eines herrenlosen Gepäckstücks zu durchbrechen, ging aggressiv auf die Einsatzkräfte los und griff auch einen Diensthundeführer samt Hund an. Der Mann konnte durch den gezielten Einsatz des Hundes überwältigt werden, blieb unverletzt und wurde in Gewahrsam genommen. Ihn erwarten Strafanzeigen wegen tätlichen Angriffs und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.
Vorläufige Bilanz der Stadt Köln
Das Ordnungsamt der Stadt Köln kontrollierte an den Eingängen zum Zülpicher Viertel insbesondere die Einhaltung des Glasverbots sowie die Situation in Gaststätten und beim Jugendschutz. Im Rahmen der Aktion „Mehr Spaß ohne Glas“ wurden an zahlreichen Kontrollstellen in der Altstadt, im Zülpicher Viertel und erstmals auch im Inneren Grüngürtel mitgebrachte Glasbehälter konsequent eingesammelt. Allein im Zülpicher Viertel sprach der Ordnungsdienst 89 Personen wegen Verstößen gegen das Glasverbot an. In der Altstadt wurde erneut ein Pfandsystem für Mehrwegbecher in Zusammenarbeit mit Gastwirten und der KG Altstädter umgesetzt. In der Südstadt hatte die Stadt um den Severinskirchplatz und Chlodwigplatz eine freiwillige Glasabgabezone eingerichtet.
In der Altstadt wurden bei 28 Jugendlichen Alkohol oder Tabak sichergestellt, im Zülpicher Viertel sogar bei 410. Alle gaben die Waren vor Ort ab. Bereits im Vorfeld des Straßenkarnevals waren bei Testkäufen 67 von 95 kontrollierten Kiosken durch Verstöße aufgefallen. An Weiberfastnacht selbst überprüfte das Ordnungsamt bis zum Mittag zwölf weitere Betriebe in der Altstadt – in allen Fällen wurde unerlaubt Alkohol oder Tabak an Minderjährige verkauft. Drei Betrieben droht nach wiederholten Verstößen die Schließung.
Wildpinklern droht hohes Bußgeld
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ordnungsamtes waren bereits am frühen Morgen unterwegs. Im Kwartier Latäng mussten zehn Fahrzeuge abgeschleppt werden, 33 Verwarnungen wurden erteilt. In den übrigen Innenstadtbereichen wurden 46 Fahrzeuge abgeschleppt und 62 Knöllchen ausgestellt. Trotz rund 1000 aufgestellter mobiler Toiletten – davon 670 allein im Kwartier Latäng – wurden acht Wildpinkler ertappt. Ihnen droht ein Bußgeld von bis zu 200 Euro.
Das Jugendamt war mit Streetworkern präsent. Sie zählten allein 198 Kontakte in der Altstadt und 804 im Kwartier Latäng. Mit kostenfreiem Wasser, Snacks und Beratung boten sie niedrigschwellige Hilfe an. Acht minderjährige Jugendliche mussten wegen übermäßigen Alkoholkonsums in Obhut genommen werden.
Feuerwehr und Rettungsdienst verzeichneten eine vergleichsweise ruhige Lage. An den Unfallhilfsstellen wurden 39 Personen wegen übermäßigen Alkoholkonsums behandelt, darunter sieben Minderjährige; zehn Menschen kamen ins Krankenhaus. Im gesamten Stadtgebiet zählten Feuerwehr und Rettungsdienst neun Brände, 14 technische Hilfeleistungen und 198 Rettungsdiensteinsätze.
Ein besonderes Augenmerk des Ordnungsamtes lag nach der Feuerkatastrophe von Crans-Montana auf der Einhaltung des Brandschutzes und der Rettungswege in den Kneipen. Bis zum Mittag wurden 19 Betriebe im Zülpicher Viertel und in der Altstadt kontrolliert. In einem Fall bestand die Deko aus brennbarem Material. Sie wurde nach Angaben der Stadt sofort entfernt. In anderen Fällen waren Rettungswege zu schmal oder zugestellt, in einem Fall blockierte eine Theke vor der Tür den Ausgang.
Zoll kontrollierte Sicherheitspersonal
Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Hauptzollamts Köln überprüfte am Vormittag 60 Sicherheitskräfte von 21 Firmen, schwerpunktmäßig am Zülpicher Platz und am Zülpicher Wall. Jede zweite kontrollierte Person gab an, erst seit diesem Tag beschäftigt zu sein. Bei 29 Ordnungskräften ergaben sich Hinweise auf eine mögliche nicht erfolgte Sozialversicherungsmeldung, in 15 Fällen besteht der Verdacht auf Sozialleistungsbetrug. Zudem gibt es bei neun Personen Anhaltspunkte für eine Unterschreitung des Mindestlohns; in drei Fällen wird wegen möglicher Scheinselbstständigkeit ermittelt. Die Auswertung der Kontrollen dauert an.