
Hertha BSC empfängt am Samstag Hannover 96 zum Duell im Aufstiegsrennen. Die Berliner haben eine intensive Pokalnacht gegen Freiburg hinter sich, müssen mental und physisch aber schnell zu Frische finden – denn eine Niederlage gegen gut aufgelegte 96er wäre fatal.
- Hertha BSC empfängt am Samstag (13 Uhr) Hannover 96 zum Duell im Aufstiegsrennen
- Die Berliner haben höchst intensive und emotionale Pokalnacht hinter sich, müssen diese nun von sich schütteln
- Hannover steht in der Zweitliga-Tabelle vier Punkte vor Hertha, eine Niederlage würde die Blau-Weißen immens zurückwerfen
Das Top-Thema der Woche bei Hertha
Weiter, immer weiter. Kaum erholt sich Hertha BSC vom Pokalkater vom Dienstagabend gegen den SC Freiburg, müssen die Berliner am Samstag (13 Uhr) gegen Konkurrent Hannover 96 das nächste überaus wichtige Duell im Aufstiegsrennen austragen.
Die Blau-Weißen mussten im Pokal über 120 Minuten und das Elfmeterschießen an ihre absolute Grenze gehen. „Das heute hat physisch und mental viele Körner gekostet. Wir werden morgen freimachen“, sagte Trainer Stefan Leitl nach dem bitteren Pokal-Aus. „Ich weiß nicht, was wir am Donnerstag dann machen. Dann gilt es auf jeden Fall, Energie zu sammeln – und dann spielen wir das Spiel gegen Hannover.“
So wird die Begegnung mit den Niedersachsen nicht nur zur Kraftfrage, sondern auch zur Kopfsache. Gelingt es Hertha, den Pokal-Tiefschlag schnell genug zu verdauen und gegen Hannover mental wie körperlich frisch aufzutreten? Einen Ausrutscher dürfen sich die Hauptstädter tabellarisch kaum erlauben.
Fakten zum Spiel
- Hertha-Trainer Stefan Leitl trainierte Hannover 96 von Juli 2022 bis Dezember 2024
- Leitl wird beim Spiel aber nicht an der Seitenlinie stehen – er ist gelb-gesperrt
- Die Berliner sind seit sieben Spielen ungeschlagen gegen Hannover
- Der letzte Heimsieg gegen die Niedersachsen ist allerdings fast zehn Jahre her, 2017 brachte Salomon Kalou die Blau-Weißen beim 3:1 per Doppelpack auf die Siegerstraße
Die sportliche Situation bei Hannover 96
Es war teilweise regelrecht beängstigend, wie Hannover 96 in der Hinrunde seine Gegner dominant in deren Spielhälfte drückte. Nur: Die Ergebnisse blieben aufgrund schwacher Defensivarbeit und Abschlussqualität oftmals schmerzhaft aus. So blieben die Niedersachsen im vergangenen Dezember sogar ohne Sieg.
Nun aber hat der oft so dogmatische Trainer Christian Titz unerwarteten Pragmatismus walten lassen, um seiner Mannschaft Effizienz beizubringen. „Titz hat sein Spielsystem angepasst, nicht mehr den bedingungslosen Ballbesitz ausgerufen und mit etwas mehr Defensivarbeit den Schlüssel für den derzeitigen Erfolg gefunden“, analyisiert 96-Experte- und „Vorwärts nach weit“-Podcaster Tobias Groebner. „Er akzeptiert nun auch dreckige Siege.“
So haben die 96er zuletzt drei Siege hintereinander eingefahren – und stehen mit 38 Punkten vier Zähler vor Hertha auf Tabellenplatz fünf der 2. Bundesliga. Hannover blickt klar auf die Erstligarückkehr. Dafür spricht auch eine recht ambitionierte Wintertransferphase, in der unter anderem Erstliga-Profi Elias Saad ausgeliehen wurde.
Das bewegt die Fans in Hannover
Es geschehen noch Wunder: Im sonst so aufgeregten Hannover ist es derzeit neben dem Platz fast schon irritierend ruhig. „Wenn der technisch schwierige Ticketshop derzeit das größte Problem der Fans ist, geht es Hannover sehr gut“, scherzt Groebner.
Doch ein bis zwei Themen fallen dem Podcaster doch ein: die Zukunft einzelner Spieler. Derzeit bereitet der auslaufende Vertrag von Enzo Leopold große Sorgen. Der 25-Jährige ist nicht nur Strippenzieher im Mittelfeld, sondern auch Kapitän. „Er spielt bislang seine beste Saison in Hannover. Selbst wenn 96 aufsteigt, ist sein Verbleib alles andere sicher“, erklärt Groebner.
Dazu kommt, dass die Leihspieler Nahuel Noll und Noel Aseko jeweils voll eingeschlagen sind und sich die H96-Fans jeweils einen Verbleib wünschen. Doch sowohl die TSG Hoffenheim bei Torhüter Noll als auch der FC Bayern bei Mittelfeldspieler Aseko lassen sich noch nicht in ihre Karten schauen.
Auf diese Hannoveraner sollte Hertha besonders achten
Ein Name wurde bereits genannt: Enzo Leopold. Der umtriebige Mittelfeldspieler bekleidet eine Schlüsselposition im defensiven Zentrum, ist das Herz des Hannoveraner Spiels. „Er treibt das Spiel voran, holt sich überall den Ball und ist mittlerweile sogar etwas torgefährlich“, so Groebner.
Mittelfeldkollege Aseko ist gebürtiger Berliner und spielte von 2017 bis 2022 in der Jugend von Hertha, ehe ihn Bayern München weglotsen konnte. Der 20-Jährige entwickelt sich unter Trainer Titz zum Leistungsträger. „Er ist im Spiel kaum zu greifen“, sagt Groebner. Aseko steht nach 21 Spielen bei sieben direkten Torbeteiligungen.
Klar ist: Will Hertha die 96er schlagen, müssen sie die Duelle im Spielzentrum gewinnen.
Das sagen die Trainer
Stefan Leitl (Hertha BSC): „Die Fans können sich auf einen Topgegner freuen, der eine sehr gute Art hat, Fußball zu spielen – und auf eine sehr gute Hertha-Mannschaft, die schon in den vergangenen Wochen richtig starke Spiele gezeigt hat. Das ist das Topspiel an diesem Spieltag und wir freuen uns auf diese Herausforderung. Wir wollen die Englische Woche mit einer guten Leistung beenden.“
Christian Titz (Hannover 96): „Uns erwartet ein hochmotivierter Gegner, der im derzeitigen Saisonverlauf unbedingt gewinnen muss. Das wird die Partie sehr spannend machen. Hertha bringt eine hohe Qualität in der Geschwindigkeit und ihrer Dribbelstärke mit. Außerdem sind sie sehr gefährlich bei ihren Standards.“
Der Gegner-Experte
Tobias Groebner, 46, ist seit 1992 Fan von Hannover 96 und Teil des Podcasts „Vorwärts nach weit„, der sich seit 2019 mit allen Themen rund um 96 befasst.
So könnte Hertha spielen
Nach dem kräftezehrenden Pokalspiel gegen Freiburg zieht Hertha-Coach Leitl eine größere Rotation laut eigener Aussage definitiv in Betracht – dafür wolle jedoch noch abwarten, wie die Spieler sich bis zum Spiel gegen Hannover jeweils fühlen. Winterneuzugang Josip Brekalo und Elversberg-Torschütze Pascal Klemens dürften sich Chancen auf einen Startelfeinsatz machen, da sie gegen Freiburg nur von der Bank kamen. Zudem wird Luca Schuler, der im Hinspiel das 3:0 erzielte, mit hoher Wahrscheinlichkeit beginnen.
Neben Leitl (Gelbsperre) selbst wird auch Dawid Kownacki am Samstag gesperrt fehlen. Darüber hinaus stehen auch Deyovaisio Zeefuik, Diego Demme, Maurice Krattenmacher, Kennet Eichhorn und Niklas Kolbe nicht zur Verfügung.
Herthas mögliche Startelf: Ernst – Eitschberger, Gechter, Dardai, Karbownik – Seguin, Klemens – Reese, Cuisance, Brekalo – Schuler
Die Prognose
Der Tipp des Gegner-Experten: „Ich glaube, dass Hertha nach der bitteren Pokal-Niederlage mit Wuch im Bauch ins Spiel gehen wird. Entscheidend wird sein, wie voll ihre Akkus sein werden. Es wird ein offenes Spiel zwischen zwei starken Mannschaften. Ich würde ein Unentschieden nehmen – ob ein 0:0 oder 5:5.“
Der Redaktions-Tipp: Hertha wird zwar an die guten Leistungen der letzten Wochen anschließen, dem Pokalspiel jedoch etwas Tribut zollen müssen. Ein 1:1, das zwar tabellarisch keine großen Sprünge ermöglicht, aber den Abstand nach oben zumindest hält.
Sendung: rbb24, 12.02.2026, 18:30 Uhr