Eis ist nicht gleich Eis. Während in Berlin viele den Wochen mit Frost-Frust und glatten Wegen nicht nachtrauern dürften, befassen sich in Berlin-Mitte Künstler mit Eis in seiner wohl spektakulärsten Form. Ein aus der Mongolei angereistes Team erschafft zurzeit in der Icebar Berlin eine Welt rein aus gefrorenem Wasser.
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Es ist nach mehr als fünf Jahren die erste neu erschaffene Ausstellung der Icebar. Am 14. Februar, pünktlich zum Valentinstag, soll wieder eröffnet werden. Im Touristen-Kiez nahe dem Alexanderplatz, gleich neben dem Berlin Dungeon gelegen, besteht der Clou darin, einen Drink in einem Raum ganz aus Eisskulpturen zu genießen – bei minus 12 Grad Celsius. Besucherinnen und Besuchern stellt das Team Jacken und Handschuhe bereit. Getrunken wird aus Bechern, na klar, ebenfalls aus Eis. Der Eintritt liegt bei um die 20 Euro.
Icebar Berlin: Eisskulpturen entstehen aus 120-Kilo-Blöcken in harter Handarbeit

Mongolische Künstler machen aus dicken Eisblöcken Kunst. Zu sehen: Die Hansa unter Polarlichtern.
© FUNKE Foto Services | Reto Klar
Zwei Wochen musste die Icebar nun die Pforten schließen, in denen die Künstler mit schweren Geräten wie Kettensägen, Meißeln und Schleifwerkzeugen aus 120 Kilogramm schweren Eisblöcken – die stammen aus einer Eisfabrik in Polen – Figuren erschaffen. Da wären Polarlichter, ein Schiff, Eisbären, eine Entdecker-Gruppe und mehr. Verwendet werden dabei drei verschiedene Sorten Eis: ein vollständig klares, ein milchiges und das sogenannte Marmor-Eis, ein Mix aus beidem, geschaffen aus einzelnen Eiswürfeln. Der Aufwand ist enorm. Die Arbeitsbedingungen sind hart.

„Es ist eine sehr anstrengende Arbeit. Bei den Temperaturen verbrennt man viel mehr Kalorien“, sagt Axel Missner, Geschäftsführer Berlin der verantwortlichen BCT Berlin City Tour GmbH. „Aber die Künstlerinnen und Künstler sind die Temperaturen gewohnt.“ Neben der Eisbar würden die Künstler Auftragsarbeiten für Eisskulpturen auf der ganzen Welt übernehmen. Darunter seien auch Eishotels. Wie der Name verrät, nächtigen Hotelgäste dabei in einem Haus ganz aus Eis. Im Sommer würden die Kreativen übrigens auch Sandskulpturen schaffen, berichtet Missner.
Icebar Berlin: Eisblöcke werden zu Wänden gestapelt und formen Ausstellungsbasis

Hier werden die Entdecker der Expedition geschaffen.
© Berliner Morgenpost | Julia Lehmann
Bevor mit den Figuren begonnen wird, werden die Eisblöcke zunächst zu Wänden gestapelt. „Das ist ein bisschen wie Maurer-Arbeit“, sagt Missner. Der Mörtel ist in diesem Wasser, das zwischen den Böcken gefriert und sie so zusammenhält. Damit sich die Figuren von den Wänden abheben, werden die verschiedenen Eissorten verwendet. Erst wenn das Grundkonstrukt steht, beginnen die Künstler mit ihren Werken. Diese sind zwar thematisch vorgegeben, entstehen aber ganz nach ihrer eigenen Interpretation.

Die Ausstellung erzählt die Geschichte der ersten deutschen Arktis-Expedition im Sommer 1868. Diese diente dazu, das Segeln zwischen Eisschollen zu erlernen und erste Erkundungen anzustellen. Ein Jahr später stachen erneut zwei Schiffe in See, auf dem Weg in Richtung Packeis. Dieses Mal waren der damalige König Wilhelm I. und Kanzler Bismarck anwesend, als die Forschungsschiffe Germania und Hansa Bremerhaven verließen. Bismarck ist als Büste mit Pickelhaube in der Ausstellung zu sehen. Die Crew benötigte einen Monat, bis sie ihr Ziel erreichte. Doch nicht alles lief wie geplant.
Überleben auf Eisscholle: Hansa-Crew trotzt Winter und Eisbären
Während die Germania ihre Forschung wie vorgesehen durchführte, wurde die Crew der Hansa getrennt und geriet in Not, als sie im Eis stecken blieb. Der Besatzung gelang es jedoch, eine Eisscholle zu besteigen. Dort baute sie aus Kohlenstaub-Briketts einen Unterschlupf und überlebte so den gesamten Winter auf dem Eis. Mit begrenzten Vorräten zwar und unter der Bedrohung durch Eisbären. Das Schiff sank am 22. Oktober. Und die Eisscholle trieb südlich an der Ostküste Grönlands entlang. Erst zwei Monate später kehrten die Forscher und Seefahrer über das südliche Grönland nach Deutschland zurück.
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Dass nun eine neue Eis-Ausstellung gestaltet werden sollte, hat laut Axel Missner ganz praktische Gründe. „Eis ist nicht wie Stein beständig.“ Der Raum ist mit Ventilatoren ausgestattet, die für die nötigen Minusgrade sorgen. Doch der so entstehende Wind sorgt dafür, dass immer mehr Eis abgetragen wird. Die Blöcke werden dünner. Die Werke nutzen sich ab. Nicht zuletzt auch, weil die Gäste die Kunstwerke hier und da verbotenerweise auch mal anfassen. „Wir sagen natürlich: Macht das nicht. Aber wir sind ein Spaßbetrieb, in dem Alkohol ausgeschenkt wird. Da schlägt die Stimmung schon mal höher“, so Missner.

Zur Ausstellung gehört auch eine Büste von Bismarck.
© FUNKE Foto Services | Reto Klar
In die Welt der Schifffahrt werden Besucher übrigens schon beim Betreten der Bar geschickt, die auch aus einem üblichen Ausschank mit angenehmen Temperaturen besteht. Warm eingepackt können sich die Gäste in einem angedeuteten Holzschiff aufwärmen, bevor es dann in den Eisraum selbst geht.
Berlin Icebar – Polar Expedition, Spandauer Straße 2, 10178 Berlin, Eintritt: ab 19 Euro, geöffnet ab 14.2., Mo-Do 15 bis 22 Uhr, Fr 15 bis 0 Uhr, Sa 14 bis 0 Uhr, So 14 bis 22 Uhr