TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen
Berlin/London – Mit nur 13 Wörtern auf X startete Rupert Lowe (68) am Freitag (13. Februar) seine neue Partei „Restore Britain“ („Britannien erneuern“):
„I am today launching Restore Britain as a national political party. Join us.“ Auf Deutsch: „Ich gründe heute Restore Britain als nationale politische Partei. Schließt euch an.“
Was als Posting begann, wurde dank der Schützenhilfe von Elon Musk (54) und mehr als 35 Millionen Aufrufen sofort zum Polit-Beben. Lowe positioniert sich damit als die radikale Antwort auf eine aus seiner Sicht „zu weiche“ Rechte. Eine erste Blitz-Umfrage von „Find out now“, die sich als „Großbritanniens schnellsten Umfrage-Dienstleister“ bewirbt, zeigte aus dem Stand 10 Prozent Zustimmung bei 1000 Teilnehmern – auch, wenn das Umfrage-Institut darauf hinwies, dass es eine andere Methologie wählte als sonst, was die Repräsentativität der Umfrage infrage stellt.
Bruch mit Farage und Reform UK
Der Weg zur Parteigründung war ein persönlicher Befreiungsschlag. Nachdem Lowe 2024 für Reform UK ins Unterhaus eingezogen war, überwarf er sich mit dessen Führer, dem als „Brexsack“ bekannten Nigel Farage (61), der in den Umfragen deutlich vorn lag und schon als sicher geglaubter nächster Premier Großbritanniens galt.
Anzeige
Auch interessant
Anzeige
Auch interessant
Lowe kritisierte dessen Führungsstil als „messianisch“ und die Partei als strukturlose Protestbewegung. Nach seinem Ausschluss im März 2025 baute er als Unabhängiger die Strukturen für Restore Britain auf.
Professor Anand Menon stuft Restore Britain als deutlich weiter rechts und ideologisch eigenständiger ein als Reform UK. Seiner Analyse nach nutzt Rupert Lowe die aktuelle Mäßigung von Nigel Farage gezielt aus, um die radikale Basis zu besetzen und die entstandene „radikale Lücke“ im rechten Spektrum zu füllen. Damit zielt die Partei strategisch auf enttäuschte Tory-Rechte sowie Reform-Hardliner ab, was laut Menon zu einer neuen Dynamik und Zersplitterung innerhalb der britischen Rechten führt.
Anand Menon (60) ist Professor für europäische Politik und Außenbeziehungen am King’s College London sowie Direktor des einflussreichen Think Tanks „UK in a Changing Europe“. Als einer der führenden britischen Politologen analysiert er regelmäßig für BBC, Newsnight und „The Times“ Umbrüche in der Parteienlandschaft, Brexit-Folgen und Populismus-Trends.
Inhaltlich überholt Lowe die Konkurrenz rechts:
- Migration: „Remigration“ statt nur Begrenzung – Lowe will nicht nur weniger Einwanderung, sondern eine massive 24-Stunden-Rückführung von Migranten. Wer illegal im Land ist, soll ohne lange Gerichtsverfahren umgehend abgeschoben werden. Das Ziel ist die „Umkehrung“ der Massenmigration der letzten Jahrzehnte.
- Identität: Kurs auf „Britishness“ – Großbritannien soll sich wieder klar als christliches Land definieren. Lowe fordert ein Verbot von Scharia-Gerichten und der Burka sowie das Ende von religiösen Ausnahmen (etwa bei Halal-Schlachtungen nach islamischem Ritus). Britisches Recht soll ohne Kompromisse für jeden gelten.
- Wirtschaft: Lowe will den Staat radikal verkleinern – nach dem „Kettensägen“-Modell wie Argentiniens Premier Javier Milei. Zehntausende Stellen in der Verwaltung sollen gestrichen werden, um im Gegenzug die Steuern und Energiekosten für die Bürger massiv zu senken.
Professor Anand Menon bewertet die 24-Stunden-Abschiebungen als juristisch extrem und logistisch kaum umsetzbar. Er weist jedoch darauf hin, dass Lowe genau deshalb massive Gesetzesänderungen anstrebt. Lowe kommuniziert dies offensiv als eine reine Frage des politischen Willens: Für ihn sind rechtliche Hürden kein Hindernis, sondern lediglich Regeln, die er nach seinem Wahlsieg zugunsten seiner Pläne umschreiben will.
Die „Musk-Allianz“ und neue Strukturen
Einzigartig ist die mediale Schlagkraft: Elon Musk bewirbt die Partei offensiv als die einzige Kraft, die es „wirklich durchzieht“. Diese digitale Reichweite trifft auf ein neues Organisationsmodell: Restore Britain agiert als Dachverband für lokale Bürgerparteien. Mit bereits 50.000 Mitgliedern und ersten Überläufern (wie Stadträtin Maria Bowtell) wächst der reale Einfluss.
Restore Britain zielt auf jene Wähler, denen die Tories zu liberal und Farage zu sehr „Entertainer“ geworden ist. Ob der digitale Hype trägt, wird sich an der Basis entscheiden – der Anfang jedoch ist gemacht.