Versöhnung als ein zutiefst menschliches Bedürfnis stellt die katholische Pfarreiengemeinschaft Kaarst-Büttgen in den Mittelpunkt ihrer diesjährigen Aktion zur am Aschermittwoch beginnenden Fastenzeit: „Sehnsucht nach Versöhnung“ lautet das Motto, das zugleich auch eine Aufforderung ist.
Entstanden ist die Idee nach Überlegungen des Pastoralteams, an die Aktion des vergangenen Jahres anzuknüpfen. Damals hieß das Thema der Fastenaktion „Sehnsucht nach …“ Das Ende war bewusst offengelassen worden, sodass es jeder für sich ergänzen konnte: Sehnsucht nach Frieden, Gemeinschaft, Liebe, Vergebung, Hoffnung, nach Gott, Glauben oder eben Versöhnung: Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärte der leitende Pfarrer Francisco Javier del Rio Blay, dass der neu gewählte Pfarrgemeinderat nicht die Zeit hatte, etwas komplett Neues für die Fastenzeit anzubieten, sondern an den Erfolg der Aktion 2025 anknüpfen möchte: „Letztes Jahr gab es viele positive Rückmeldungen“, berichtete er. Nun liegt der Fokus auf der Versöhnung. Dazu gibt es zahlreiche Veranstaltungen wie musikalische gestaltete Andachten, Friedensgebete, Konzerte, Mediationen und geistige Haltestellen. Neu dabei sind Taizé-Gebete und das Format „Auf ein Wort – Zwölf Mal DU“ der Gruppe „Mittendrin“, das Raum für persönliche Gebetsanliegen und Themen schafft. Außerdem werden Termine zur persönlichen Beichte angeboten.
Visuell wird die Aktion wieder durch das Fastentuch der Kölner Künstlerin Hannah Greis unterstützt. Das großformatige Bild zeigt Menschen, die sich vom Dunkel ins Licht bewegen. Es lädt in Sankt Martinus zum Betrachten ein, das Original findet seinen Platz erneut in Alt Sankt Martin. Die Resonanz auf das Fastentuch sei 2025 sehr gut gewesen, erinnerte sich Pfarrer del Rio. Er erhofft sich von der Aktion, dass Menschen sich der Risse und Verletzungen im Leben bewusst werden, aber auch der Chance auf Versöhnung. Sie soll sich nicht nur auf das Zwischenmenschliche beziehen, sondern auch auf Gott: Wie ist meine Verbindung zu ihm? Kann ich einen Neuanfang wagen? „Man kann dazu geistlich in die Wüste gehen“, erklärte der Seelsorger. Mut zu Stille und Mut zur Leere zu wagen, sei in unserer heute oft hektischen Zeit nicht so einfach. Diese Ruhe auszuhalten falle oft schwer. Vor allem, wenn man sich bewusst von Ablenkungen frei macht. Hier kann ein ruhiger Kirchenraum helfen. Auf der anderen Seite kann jedem bewusst werden, dass er auch in der Fastenzeit nicht alleine ist. Del Rio zog einen Vergleich zwischen einem Marathonlauf mit seinen 42 Kilometern Distanz und der 40 Tagen dauernden Fastenzeit. Beides lässt sich mit Hilfe anderer durchhalten: das ermutigt.
Die Bedeutung der Fastenzeit ist heute nicht mehr so klar, meinte der Geistliche. Sie setze eigentlich ein Zeichen für einen Neubeginn mit Gott. Viele Menschen verbinden sie eher mit einem Verzicht auf Süßigkeiten, lieb gewordene Gewohnheiten, die vielleicht abhängig gemacht haben oder auf digitales Dauerfeuer. Das kann bei der Reduktion auf das Wesentliche helfen. Pfarrer del Rio wird Versöhnung auch zum zentralen Thema seiner Predigten machen.
Info: Das Programm zur Fastenzeit ist auf in allen Kirchen ausliegenden Flyern zu finden oder auf der Homepage der Pfarreiengemeinschaft.