Es hätte ein historischer Tag für den deutschen Fußball werden können – doch ein gemeinsamer Lösungsvorschlag wurde auf der vierten Zusammenkunft der „Arbeitsgruppe Regionalliga-Reform“ am Dienstag (17. Februar) vertagt. Obwohl in den vorangegangen Sitzungen, wie der DFB bereits vermeldete, der Fokus auf ein Vier-Staffel-Modell gerichtet wurde, gingen die Regionalverbände nunmehr in die Blockadehaltung.

DFB bestätigt Absicht dynamischer Ligen-Bildung

Der vom DFB eingebrachte Vorschlag einer dynamischen Bildung von vier Regionalliga-Staffeln – das sogenannte Kompass-Modell – war bei den vorherigen Treffen mit deutlicher Mehrheit bewilligt worden. Der DFB bestätigte am Dienstagabend den vorherigen SPORT IM OSTEN-Bericht und zählte die Vorteile auf. Kürzest mögliche Fahrtstrecken, keine Relegation um den Drittliga-Aufstieg mehr, einheitliche und feste Absteigerzahlen und die bestehenden Aufstiegsregelungen der Oberligen würden ebenfalls beibehalten.

Nach der Sitzung im Januar hatte der AG-Vorsitzende Dr. Michael Vesper noch gesagt: „Ich bin sehr zufrieden mit den Fortschritten. Die Diskussionen verlaufen sachbezogen, die Arbeitsatmosphäre ist sehr gut. Ich bin zuversichtlich, dass wir in dieser schwierigen Thematik zu einer klaren Empfehlung für die beschlussfähigen Gremien kommen.“

Am Dienstag nun versperrten sich die Regionalverbände der Lösung letzter organisatorischer Feinheiten und wollen zurück zum Status Quo der Zwei-Klassen-Gesellschaft. Heißt: Weiter sollen Südwest und West im Fünf-Staffel-Modell einen festen Aufsteiger erhalten und der Norden, Osten und Bayern nur im Drei-Jahres-Wechsel einen Meister in die 3. Liga entsenden dürfen. Der Grund: Die Regionalverbandspräsidenten wie vor allem Peter Frymuth vom Westdeutschen Fußballverband (WDFV) fürchten den Machtverlust, indem sie die Trägerschaft für ihre jeweilige Regionalliga aufgeben müssten.

Vesper appelliert an Regionalverbände

Die DFB-Verantwortlichen sollen nach SPORT IM OSTEN-Informationen vom Ausgang der Sitzung konsterniert sein. Vielsagend gab der Dachverband nach der Sitzung bekannt: „Die AG Regionalliga-Reform ist auf dem angestrebten Weg, den zuständigen Entscheidungsgremien einen konkreten Vorschlag als Empfehlung vorzulegen, noch zu keiner Lösung gekommen.“

Vesper betonte jetzt: „Klar ist: Wenn jeder nur aus seiner eigenen Brille auf die Dinge schaut, werden wir keine Lösung finden. Wir müssen daher immer das Gesamtbild im Blick behalten. Ich halte es im Sinne der Sache weiterhin für entscheidend, dass wir verstärkt positive Aspekte einzelner Modelle betrachten und nicht allein gegen etwas argumentiert wird.“ Das klingt fast wie ein Appell angesichts der sturen Positionen der Regionalverbände.

Greift DFB-Boss Neuendorf jetzt ein?

DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat unter Führung des DFB-Geschäftsführers Spielbetriebe Manuel Hartmann, der in der Sache voranging und mit dem Kompass-Modell ein für alle Richtungen kompromissfähiges Konzept auf den Tisch legte, auf eine einvernehmliche Lösung gesetzt. Möglich ist, dass Neuendorf jetzt selbst eingreift. Die Regionalverbandspräsidenten sitzen als seine Vize-Präsidenten mit im DFB-Präsidium.

Nächste AG-Sitzung am 25. März

Keinesfalls aber bedeutet der vergangene Dienstag nun ein Ende der Reformbemühungen. Eines ist sicher: Der DFB und die überwältigende Mehrzahl nicht nur der betroffenen Vereine wollen ein Scheitern der AG verhindern. Die letzte Sitzung der Arbeitsgruppe steigt am 25. März. Die im Osten gestartete Aufstiegsreform-Initiative hat bundesweit aktuell 59 Unterstützer-Klubs aus den ersten fünf Ligen sowie deutschlandweit massiven Rückhalt in den aktiven Fanszenen. Zuletzt brachten die Anhänger von Rot-Weiß Essen ihren Klub dazu, der Initiative beizutreten. Allerdings herrscht nach dem aktuellen Rückschlag in der Regionalliga-Frage überall höchste Krach-Gefahr.