Der Sänger Xavier Naidoo hat erneut öffentlich Verschwörungsmythen verbreitet. „Wir reden von Menschenfressern“, sagte der 54-Jährige am Dienstag auf einer Demonstration vor dem
Bundeskanzleramt in Berlin mit Blick auf die kürzlich veröffentlichten Epstein-Akten. „Wir reden nicht von normalem
Sex-Trafficking und jungen Frauen und so. Nee, die fressen unsere
Babys.“

Der Musiker beantwortete bei der Demonstration mit dem Titel „Sexuelle Gewalt an Kindern stoppen“ mehrere Fragen von
Teilnehmern und Reportern. Dabei sagte er auch: „Ich kann nicht mit
Kinderfressern
zusammenleben.“ Weiter behauptete er, dass alle Menschen
unwissentlich schon einmal Menschenfleisch gegessen hätten. 

Der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte Michael Blume verwies auf die antisemitischen Anspielungen in Naidoos Äußerungen. „In der Vergangenheit hat Xavier
Naidoo mit sehr deutlichen Anspielungen wie ‚Tothschild‘ die Spur zum
Antisemitismus gelegt und dies leider nicht glaubwürdig aufgearbeitet“,
sagte er. „Ein großer Teil seiner Anhängerschaft wird daher
auch die Begriffe ‚Kinderfresser‘ und ‚Menschenfresser‘ als antijüdische
Verschwörungsmythen aufnehmen.“ Dies sei sehr gefährlich.

Veranstalter der Demo distanzieren sich

Naidoos
Management äußerte sich auf Anfrage bisher nicht. Die Veranstalter der Demonstration distanzierten sich in einem Instagram-Post vom Auftritt Naidoos. Dieser sei mit anderen Akteuren am Ende der Veranstaltung aufgetaucht und habe den Ort instrumentalisiert. „Wir betonen nachdrücklich, dass unsere Demonstration ausschließlich dem Wohl und den Rechten von Kindern galt und jegliche nachträgliche politische Vereinnahmung nicht unserem Willen und unserer Intention entspricht“, schreiben die Veranstalter.

Naidoo fällt seit Langem mit Äußerungen im
Zusammenhang mit antisemitischen Verschwörungserzählungen auf. Für Aufsehen sorgte etwa schon vor Jahren ein
Video, in dem er Thesen der US-amerikanischen
QAnon-Verschwörungsideologie verbreitete, wonach angeblich Kindern in
satanischen Ritualen Blut abgezapft werde. Zudem bestritt er, dass die Erde rund ist.

Zwei laufende Verfahren wegen Volksverhetzung

Im April 2022 überraschte der Musiker aus
Mannheim mit einem Video, in dem er sich entschuldigte und von extremen
Positionen distanzierte
. Er sei von Verschwörungserzählungen „geblendet“
gewesen, sagte er damals. Naidoo zog sich von den großen Bühnen
zurück und feierte erst im Dezember des vergangenen Jahres sein Comeback. Das
Auftaktkonzert seiner Tour in Köln war nach Angaben der Veranstalter mit
16.000 Tickets ausverkauft
. Ende Januar veröffentlichte er eine Single,
die erste seit 2019.

Am Landgericht Mannheim laufen weiterhin zwei
Verfahren wegen Volksverhetzung gegen Naidoo
. Ob ein Hauptverfahren eröffnet wird, ist noch offen, wie das
Gericht bestätigte. Nach Angaben der
Staatsanwaltschaft geht es dabei um Inhalte mit Holocaust leugnendem und antisemitischem Charakter, die über einen Telegram-Kanal verbreitet
wurden. Naidoos Anwälte bestreiten die Vorwürfe.

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