TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen
Heilbronn – Ein neuer Fall des umstrittenen Politiker-Beleidigungs-Paragrafen 188. Ein Heilbronner Rentner bezeichnete in einem Facebook-Post Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) als Pinocchio – und tippte ein Emoji mit langer Nase daneben. Das berichtet die „Heilbronner Stimme“. Jetzt ermittelt die Kriminalpolizei gegen den Senior wegen Beleidigung des Politikers. Angezeigt hat ihn aber nicht Merz selbst, sondern das Social-Media-Team des Heilbronner Polizeipräsidiums.
Das ist in Heilbronn passiert: Im Oktober kamen Bundeskanzler Merz und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (77, Grüne) zu einem Spatenstich in die Stadt. Politiker-Alarm, Sicherheitszone, sogar ein temporäres Flugverbot. Das Polizeipräsidium Heilbronn informierte auf Facebook über die Maßnahmen.
„Pinocchio kommt nach Heilbronn“
Unter den Post schrieb der Rentner als spitze Bemerkung plus Nasen-Emoji: „Pinocchio kommt nach HN“ (HN steht als Abkürzung für Heilbronn). Doch ein paar Monate später flattert ein Brief von der Kriminalpolizei ins Haus: Verdacht auf Beleidigung nach Paragraf 188 Strafgesetzbuch. Ermittlungen laufen!
Der Rentner ist fassungslos. Er sagt der „Heilbronner Stimme“: „Das ist doch ein Witz und völlig unverhältnismäßig. Als ich im Freundes- und Bekanntenkreis von der Anzeige erzählt habe, dachten alle, ich will sie auf den Arm nehmen.“

Der italienischen Märchenfigur wächst immer die Holz-Nase, wenn er lügt
Foto: Getty Images
Das Social-Media-Team des Polizeipräsidiums hat die Anzeige gestellt. Ein Sprecher erklärte, man prüfe Kommentare und erstatte bei möglichem strafbarem Inhalt Anzeige. Ob die Staatsanwaltschaft die Ansicht der Polizei teilt und gegen den Rentner vorgeht, ist offen. Dort wird noch geprüft.
Die Geschichte von Pinocchio
Pinocchio ist die Hauptfigur des italienischen Kinderbuchs „Le avventure di Pinocchio“ von Carlo Collodi (1826–1890). Er ist eine aus Holz geschnitzte Puppe, die von dem armen Holzschnitzer Geppetto erschaffen und auf wundersame Weise lebendig wird. Immer wieder gerät Pinocchio durch Lügen und falsche Entscheidungen in Schwierigkeiten – dabei wächst jedes Mal seine Nase. Auf seiner abenteuerlichen Reise lernt er Lektionen über Ehrlichkeit und Verantwortung.
Der Rentner ist übrigens nicht der Erste, der Merz als Pinocchio bezeichnet hat. Grünen-Chefin Franziska Brantner (46) warnte vor einem „Pinocchio-Kanzler“. Und AfD-Politiker Stephan Brandner (59) verbreitete eine Merz-Fotomontage mit langer Nase.