Für Marina Bilotta Gutheil, Vorständin der Augsburger Volkshochschule (vhs), war es eine „erschreckende Nachricht“. Sie habe gewusst, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) etwas an den Modalitäten für die Integrationskurse ändern will. Doch dann erfuhren die Träger der Integrationskurse durch ein Rundschreiben des Bundesamtes, dass bis auf Weiteres keine Zulassungen für die freiwillige Teilnahme an diesen Kursen mehr erteilt werden. So will der Bund Kosten sparen. In Augsburg werden dadurch zahlreiche Kurse nicht mehr zustande kommen – mit schwerwiegenden Folgen für Träger und potenzielle Kursteilnehmer.
EU-Bürger, Spätaussiedler, Asylsuchende, geduldete Geflüchtete sowie Menschen aus der Ukraine konnten in den vergangenen Jahren an den freiwilligen Integrationskursen teilnehmen. Das Ziel war es, das Erlernen von Deutschkenntnissen zu erleichtern und letztlich eine schnelle Integration in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Ein Kurs bestehe aus sieben Modulen und ein Modul aus 100 Unterrichtseinheiten, erklärt Brigitte von Taeuffenbach, Leitung Sprachen und Arbeitswelt bei der vhs Augsburg. Betroffene müssten nun die Kosten von rund 3.500 Euro für einen vollständigen Kurs selbst tragen. „Für viele integrationsbereite Menschen ist das nicht tragbar“, betont Marina Bilotta Gutheil und verdeutlicht, wie viele Personen diese Entscheidung trifft.
2000 Menschen besuchen bei der vhs Augsburg einen Integrationskurs – die Hälfte davon freiwillig
Die Augsburger vhs bietet in ihrem Ausbildungsjahr 2025/2026 insgesamt 20 Kurse an und begleitet über 2000 Menschen so auf ihrem Weg in die berufliche Integration. „Die Hälfte von ihnen nimmt an einem freiwilligen Kurs teil“, sagt Brigitte von Taeuffenbach. Andere werden zu solch einem Kurs verpflichtet. Für sie ändert sich nichts, für alle anderen schon. Bereits ausgestellte Teilnahmezulassungen behielten zwar ihre Gültigkeit, doch es würden keine neuen Bescheinigungen bearbeitet. Es sei unklar, wie es weitergeht – für die Teilnehmer, das Kursangebot der vhs und auch Kursleitungen. 45 Personen unterrichteten bei der vhs Augsburg im Bereich Deutsch. „25 bis 30 Kursleitungen unterrichten in den Integrationskursen“, so von Taeuffenbach.
Beim Berufsbildungszentrum Augsburg & Schwaben (bbz) wurde man ebenfalls von der BAMF-Entscheidung überrascht. Dort laufen derzeit acht Integrationskurse. Auch dort wird nach der Entscheidung „voraussichtlich die Hälfte des Angebots wegfallen“, sagt Sandra Thofern, die bei dem Bildungsträger für Sprachen und Integration zuständig ist. Viele Rumänen und Bulgaren nutzten diese Möglichkeit, Deutsch zu lernen und für Arbeitgeber oft wichtige Sprachniveaus zu erreichen. „Ohne Sprache kein Job“, betont Sandra Thofern. Sie bezweifelt, dass es so zu einer echten Ersparnis kommt, wenn auf der anderen Seite am Ende womöglich mehr und längere Zeit staatliche Leistungen bezahlt werden müssten. Bis zum Herbst würde nun zunächst alles normal weiterlaufen.
Die ersten Personen mussten bei der vhs ohne eine Anmeldung weggeschickt werden
Bei der vhs Augsburg gab es bereits erste Konsequenzen. Diese Woche mussten bereits zwei Frauen ohne Kursanmeldung nach Hause geschickt werden, weil deren Berechtigungsbescheinigungen aus dem vergangenen Jahr abgelaufen waren. „Sie konnten aufgrund ihrer Schwangerschaft und fehlender Kinderbetreuung nicht am Kurs teilnehmen und hätten dies nun gerne nachgeholt. Vergangenes Jahr hätten wir eine neue Zulassung beantragen können, was jetzt leider nicht mehr geht“, bedauert Brigitte von Taeuffenbach.
Auch Felicia Reintke, die beim Verein Tür an Tür Ehrenamtliche im Bereich Sprache koordiniert, hat bereits bewegende E-Mails von Menschen bekommen, die nun keinen Kurs machen können. Sie rechnet damit, dass bald noch mehr Menschen mit Migrationshintergrund auf die kostenlosen Deutschkurse von Tür an Tür zurückgreifen, die von rund 100 Ehrenamtlichen gestemmt werden. „Doch die sind bereits jetzt total überlastet und können das Angebot eines professionellen Integrationskurses nicht ersetzen.“ Der Staat stehle sich hier aus der Verantwortung, so Reintke. Doch diese Rechnung werde nicht aufgehen, ist sie sich sicher. Sie hofft, dass Arbeitgeber jetzt Druck ausüben und auf die bald fehlenden Arbeitskräfte aufmerksam machten.
Marina Bilotta Gutheil sieht sowohl die berufliche Integration als die bisher stabile Infrastruktur der Volkshochschulen in Gefahr. Integration sei keine Sozialleistung, sondern eine Investition in eine stabile Wirtschaft und Gesellschaft. Für sie sind die Integrationskurse „eine Erfolgsgeschichte“. Seit 2005 werden die Integrationskurse angeboten, die Sprachkurse und Orientierungskurse umfassen. Neben der deutschen Sprache findet also auch eine Wertevermittlung statt, die Kenntnisse zu demokratischen Werten, der deutschen Rechtsordnung, Geschichte und Kultur bietet.
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Miriam Zissler
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