Eigentlich sollte es in Lettland sein, doch nun ist das Forschungsschiff Alkor des Geomar in der Eckernförder Bucht unterwegs. Die Wissenschaftler untersuchen in sauerstoffarmen und sauerstoffreichen Bereichen der Ostsee, inwiefern Ozeane mehr CO2 aus der Atmosphäre speichern und somit einen wichtigen Beitrag zu den Klimazielen der EU leisten können.
„Ihre Arbeiten bei Lettland mussten die Wissenschaftler abbrechen“, erklärt Ilka Thomsen, Pressesprecherin vom Geomar. Zu viel Eis habe die Arbeiten dort erschwert. „Die Alkor ist mehrfach steckengeblieben“, sagt sie. Doch ihre Forschung wollten die Wissenschaftler nicht abbrechen. Deshalb arbeiten sie nun in der Eckernförder Bucht weiter. Auch dort seien die Bedingungen gut.
Forschungsprojekt CDRmare: Ozeane immer schlechtere CO2-Speicher
Die Forschung ist ein Teil des sogenannten CDRmare (CDR: Carbon Dioxide Removal – CO2-Entnahme), einer Forschungsmission der Deutschen Allianz Meeresforschung. Insgesamt arbeiten knapp 140 Wissenschaftler in fünf Forschungsverbünden an dem Projekt und gucken, ob und in welchem Umfang der Ozean eine wesentliche Rolle bei der Entnahme und Speicherung von CO2 aus der Atmosphäre spielen kann.
In der Eckernförder Bucht wollen die Forscher prüfen, ob Ozeane noch mehr CO2 aufnehmen können.
Foto: Tjark Andersch
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Der Ozean enthält mehr als 50-mal so viel Kohlenstoff wie die Atmosphäre und konnte bislang die Effekte der anthropogenen CO2-Emissionen stark mildern, heißt es auf der Internetseite der CDRmare-Mission. Experten erwarten allerdings, dass sich diese Regulationsfähigkeit des Ozeans unter anderem durch die Erwärmung der Ozeane, die Versauerung und den Sauerstoffmangel verschlechtern wird.
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Und dem wollen die Forscher entgegenwirken und nutzen eine Strategie der Natur: die Verwitterung von Gestein. Es ist ein natürlicher Prozess, bei dem CO2 aus der Atmosphäre gebunden wird. Dieser Prozess hat in den vergangenen Jahrmilliarden dafür gesorgt, dass das Erdklima relativ stabil geblieben ist. Doch der menschengemachte CO2-Ausstoß ist so hoch, dass die natürliche Verwitterung das CO2 nicht mehr in einem notwendigen Maße binden kann.
Verwitterung von Gestein beschleunigen
Die Forscher gucken nun, inwiefern sie diesen Verwitterungsprozess des Gesteins beschleunigen können. Die Idee: Wird Kalzit – ein natürlich vorkommendes Calciumcarbonat-Mineral – zugesetzt, kann sich das Säurebindungsvermögen von Böden, Gesteinen und Wasser erhöhen. Durch diese höhere Alkalinität kann Kohlendioxid besser chemisch gebunden und langfristig gespeichert werden. Das Meer werde an der Eintragsstelle durch die Zugabe von Kalzit weniger sauer, der pH-Wert steigt, CO2 kann aus der Atmosphäre entfernt werden.
Mit speziellen Forschungsgeräten, sogenannten Bigo-Landern, schaffen die Wissenschaftler ein kontrolliertes und abgeschlossenes System direkt am Meeresboden, in das sie Kalzit geben. Die Proben werden anschließend im Labor analysiert. Fahrtleiterin Nicole Adam-Beyer betont: „Wir nehmen alles wieder mit hoch.“ Es bleibe kein zugegebenes Material am Meeresboden.
Mit speziellen Forschungsgeräten, sogenannten Bigo-Landern, schaffen die Wissenschaftler ein kontrolliertes und abgeschlossenes System direkt am Meeresboden. Nicole Adam-Beyer und Matthias Türk vom Geomar bereiten es für seinen Einsatz vor.
Foto: Tjark Andersch
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Die Untersuchungen begannen an zwei unterschiedlichen Standorten im Gotland-Becken. Der eine Standort war sauerstofffrei, der andere sauerstoffreich. So können die Forscher vergleichen, wie unterschiedlich die Prozesse unter verschiedenen Sauerstoffbedingungen verlaufen. Jetzt arbeiten sie in der Eckernförder Bucht weiter. Die Bigo-Lander wurden am 19. und 20. Februar ausgesetzt, die Bergung ist am Donnerstag und Freitag, 27. und 28. Februar, geplant. Die Zeit dazwischen nutzt das Team für begleitende Messungen im Umfeld der Versuchsflächen.
Noch bis Sonntag, 1. März, sind sie hier. Während das Schiff am Dienstag, 24. Februar, tagsüber vor Waabs zu sehen war, übernachtet es nachts im Hafen von Eckernförde. Aus Umweltschutzgründen forschen die Wissenschaftler nur tagsüber, erklären sie.