Die Ukraine setzt nach Verhandlungen mit den USA über Wege zur Beendigung des Krieges auf den geplanten Dreier-Gipfel Anfang März mit Russland. „Als Ergebnis der heutigen Treffen besteht bereits mehr Bereitschaft für das nächste trilaterale Format“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag in seiner abendlichen Videoansprache. Zuvor hatten sich Vertreter der USA und der Ukraine in Genf über den Wiederaufbau nach dem Krieg beraten.
Ein nächstes Treffen mit Vertretern Moskaus werde „höchstwahrscheinlich“ Anfang März in Abu Dhabi stattfinden, sagte Selenskyj. Ziel sei es, den Weg für eine direkte Begegnung zwischen ihm und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu ebnen. „Das ist genau das Format, das sehr viel lösen kann“, sagte Selenskyj. „Schließlich entscheiden die Staatschefs über die Schlüsselfragen.“
Am Donnerstag war eine Delegation der Ukraine unter Leitung des Chefunterhändlers Rustem Umerow mit den US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner in Genf zusammengekommen, um weitere Verhandlungen mit Moskau vorzubereiten. Im Anschluss habe es zudem „zu den Ergebnissen und den weiteren Schritten“ ein Gespräch von Präsident Selenskyj in Kiew und den US-Vertretern in Gen gegeben, teilte Umerow mit.
Separate Gespräche über Wiederaufbau und Wirtschaftsfragen
Ein Schwerpunkt der Unterredungen von USA und Ukraine war der Wiederaufbau der Ukraine. Die Weltbank bezifferte die Kosten dafür am Montag auf geschätzt 588 Milliarden Dollar. Die Regierung Kiew hofft, in den kommenden zehn Jahren rund 800 Milliarden Dollar an öffentlichen und privaten Mitteln zu mobilisieren. Der ukrainische Unterhändler Umerow erklärte, man arbeite an Sicherheits- und Wirtschaftsfragen, um das nächste Treffen so substanziell wie möglich zu gestalten.
Auch der russische Sondergesandte Kirill Dmitrijew führte am Donnerstag Gespräche mit US-Vertretern in der Schweizer Stadt, wie die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA meldete. Dmitrijew habe eine Stellungnahme zum Ergebnis dieser bilateralen Verhandlungen abgelehnt.
Die diplomatischen Bemühungen um eine Friedenslösung stecken seit geraumer Zeit fest. Ukrainische und russische Unterhändler hatten sich in der vergangenen Woche ebenfalls in Genf zu einer dritten Runde unter US-Vermittlung getroffen, ohne jedoch einen Durchbruch zu erzielen. Hauptstreitpunkt bleibt der Gebietsanspruch: Russland fordert die Abtretung der verbleibenden 20 Prozent der Industrieregion Donezk, die noch unter ukrainischer Kontrolle stehen. Die Regierung in Kiew lehnt das kategorisch ab.
Anhaltende russische Angriffe überschatten diplomatische Bemühungen
Überschattet wurden die diplomatischen Bemühungen am Donnerstag von anhaltenden russischen Angriffen. Wenige Stunden vor Beginn der Gespräche in Genf startete Russland nach ukrainischen Angaben 420 Drohnen und 39 Raketen, die auf Energieanlagen und andere kritische Infrastruktur abzielten. Der Krieg, der in dieser Woche in sein fünftes Jahr ging, zeigt keine Anzeichen einer Entspannung. An der Front verzeichnen russische Truppen langsame Geländegewinne und bedrohen wichtige Städte im Donezk-Gebiet sowie die Regionalhauptstadt Saporischschja.