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Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) – Für die Mitarbeiter steht die Existenz auf dem Spiel: Fast 300 Beschäftigte des Ikea-Callcenters in Rostock erfuhren jetzt, dass der Standort geschlossen wird. Zum 30. September 2026 sollen die Kündigungen ausgesprochen werden.
Die Gewerkschaft ver.di kritisiert scharf: „Diese Entscheidung ist sozial unverantwortlich und ein Schlag ins Gesicht für die Kolleginnen und Kollegen, die über Jahre engagierte Arbeit geleistet haben, um die Milliardengewinne des Ikea-Konzerns mit zu erwirtschaften.“
Die 279 Mitarbeiter erfuhren davon in einer kurzfristig anberaumten Betriebsversammlung am Mittwoch. Gewerkschafter Marcus Dejosez nennt das Vorgehen Teil einer bekannten Strategie: „Fehlende Transparenz in wichtigen Entscheidungen, insbesondere gegenüber dem örtlichen Betriebsrat, aber auch von der Rostocker Standortleitung vorgegebene Unwissenheit über strategische Entscheidungen sind Teil der katastrophalen Kommunikation von Ikea.“
So erklärt Ikea die Entscheidung
Auf BILD-Anfrage teilt ein Ikea-Sprecher mit: „Die Entscheidung basiert auf langfristigen, strukturellen Erwägungen, darunter das Auslaufen des Mietvertrags im Jahr 2026 und die Notwendigkeit umfangreicher Investitionen zur Modernisierung des Standorts.“ Damit wird die Anzahl der sogenannten Customer-Support-Center von Ikea Deutschland von drei auf zwei Standorte reduziert.
Der Geschäftsbetrieb soll Ende August eingestellt werden. Für die Kunden soll sich aber nichts ändern, betont der schwedische Möbel-Riese. Die Maßnahme diene dazu, den Kundendienst zu vereinfachen und sowohl „wettbewerbsfähig“ als auch „wirtschaftlich tragfähig“ zu bleiben. Wird der Kundendienst verstärkt auf KI umgestellt? Dazu wollte sich Ikea nicht äußern.

Kunden in einer Ikea-Filiale im Gespräch mit einer Mitarbeiterin des schwedischen Möbelriesen (Symbolfoto)
Foto: Inter IKEA Systems B.V.
Betriebsrat stinksauer
Daniel Mucha, Mitarbeiter und Mitglied der Tarifkommission Mecklenburg-Vorpommern: „Besonders kritisch sehen wir den Umgang mit der betrieblichen Mitbestimmung. Neben intransparentem Vorgehen wurde auch die Beteiligung von uns als Arbeitnehmervertretung aktiv und systematisch behindert. Der Betriebsrat wurde bewusst erst eine halbe Stunde vor der Gesamtbelegschaft über die Standortschließung informiert. Diese Angriffe richten sich unmittelbar gegen demokratisch gewählte Interessenvertreter und stellen einen massiven Angriff auf die Mitbestimmung dar.“
Mehr zum ThemaWas mit dem Möbelhaus am Standort passiert
Ikea kontert die Vorwürfe rund um die Kündigungen: „Unser Ziel ist es, einen konstruktiven und gut unterstützten Prozess für Mitarbeiter:innen zu schaffen, deren Rollen betroffen sind, und dabei durchgehend Fairness, Respekt und Transparenz zu gewährleisten. Der Schutz der Privatsphäre unserer Mitarbeiter:innen hat für uns oberste Priorität; aus diesem Grund geben wir keine Stellungnahmen zu individuellen Fällen ab“, schreibt das Unternehmen weiter auf BILD-Anfrage. Das Möbelhaus in Rostock sei von der Maßnahme nicht betroffen.