Gigantischer See in NRW

Startschuss für Deutschlands zweitgrößten See im Tagebau Hambach

Aktualisiert am 27.02.2026 – 11:14 UhrLesedauer: 2 Min.

Menschen am Seeufer (Grafik): Erholung am künftigen Hambacher See, einem Symbol für Wandel.Vergrößern des Bildes

Menschen am Seeufer (Grafik): Erholung am künftigen Hambacher See, einem Symbol für Wandel. (Quelle: RWE)

RWE beginnt im März mit dem Bau der 45 Kilometer langen Leitung, um den Hambacher Tagebau ab 2030 mit Rheinwasser zu füllen und damit Deutschlands zweitgrößten See zu erschaffen.

Im rheinischen Braunkohlerevier hat RWE den symbolischen Startschuss für die Flutung des Tagebaus Hambach gegeben. Das Unternehmen baut eine 45 Kilometer lange Transportleitung vom Rhein bei Dormagen bis zu den Tagebauen Hambach und Garzweiler. Damit soll ab 2030 Deutschlands zweitgrößter See nach dem Bodensee entstehen.

Die Rohrleitung wird in offener Bauweise überwiegend über landwirtschaftliche Flächen verlegt. Betonrohre werden überall dort eingesetzt, wo Autobahnen, Bahnlinien oder Naturschutzgebiete unterquert werden müssen. In Dormagen-Rheinfeld entsteht ein Entnahme- und Pumpbauwerk, in Grevenbroich-Allrath ein Verteilbauwerk mit zwei Abzweigen zum Hambacher und Garzweiler See. Die Fertigstellung der Leitung ist in etwa fünf Jahren geplant.

Der Hambacher See soll eine Fläche von rund 3.550 Hektar einnehmen, bis zu 345 Meter tief werden und 4,3 Milliarden Kubikmeter Wasser fassen. Zum Vergleich: Der Bodensee enthält 48 Milliarden Kubikmeter Wasser. Der Garzweiler See wird mit 2.215 Hektar deutlich kleiner, bei einem Volumen von 1,5 Milliarden Kubikmetern. Die Flutung der Garzweiler-Grube ist für 2036 vorgesehen.

RWE betont, dass das Rheinwasser in einem abgestuften Entnahmekonzept gewonnen wird. Die Pegelabsenkung am Rhein soll maximal 0,4 Zentimeter betragen, um Schifffahrt und Flussökosysteme nicht zu beeinträchtigen. Pro Jahr sollen bis zu 234 Millionen Kubikmeter für Hambach und 107 Millionen Kubikmeter für Garzweiler genutzt werden.

Nach Abschluss der Befüllung zwischen 2070 und 2100 sollen die Seen ein stabilisiertes Grundwassersystem aufweisen. Die Infrastruktur wie die der Pumpen und Rohrleitungen ist auf einen Betrieb von bis zu 80 Jahren ausgelegt.

Neben der wasserwirtschaftlichen Funktion soll der Hambacher See künftig als Badegewässer, Segelrevier und Erholungsgebiet dienen. RWE plant außerdem einen 42 Kilometer langen Radweg um das Gewässer sowie mögliche schwimmende Solarparks. Kleinere Seen sind auch auf den Tagebau-Arealen Garzweiler und Inden vorgesehen.

Kritik kommt unter anderem vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Die Naturschützer warnen vor ökologischen Risiken durch die Entnahme großer Wassermengen aus dem Rhein, Schadstoffbelastungen und langfristigen Bauarbeiten. RWE verweist auf eigene Untersuchungen, nach denen das Wasser geeignet sei und Bedenken ernst genommen würden.