TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen
Schwarze Rauchsäulen steigen über dem Hafen von Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) auf. Fotografiert am Sonntagnachmittag von einer Touristin auf dem Balkon der „Mein Schiff 4“. Innerhalb kürzester Zeit wurde der Orient zum Kriegsgebiet. Und mittendrin tausende deutsche Kreuzfahrturlauber.
Die „Mein Schiff 4“ von TUI Cruises liegt aktuell im Hafen Port Zayed in Abu Dhabi. Hier gab es am Sonntagmittag deutscher Zeit eine heftige Explosion. Das Verteidigungsministerium gab inzwischen bekannt, dass es sich dabei um zwei iranische Drohnen gehandelt habe, die in ein Lagerhaus auf dem nahe des Hafens liegenden Marinestützpunkt Al Salam eingeschlagen sind. Dadurch seien zwei Container in Brand geraten.
Raketen-Alarm in Abu Dhabi: Einschlag neben Kreuzfahrtschiff
Quelle: Reuters; x.com01.03.2026
BILD erfuhr von einer Passagierin an Bord: „Wir erhielten gegen 16.30 Uhr einen Notfall-Alarm auf unsere Handys und sollten uns sofort im Theater des Schiffes versammeln.“ „Es war ein lauter Knall in unmittelbarer Nähe“, berichtet ein anderer Passagier. „Die Crew hat uns angewiesen, ins Innere zu gehen, Fenster zu meiden und ruhig zu bleiben.“

Ein weiterer Kreuzfahrt-Passagier schickte BILD dieses Foto nach dem Drohneneinschlag am Port Zayed in Abu Dhabi
Foto: Privat
Die Stimmung an Bord sei angespannt. „Viele Passagiere, darunter zahlreiche Familien mit Kindern, verlieren langsam die Nerven: Panik, Weinen, Angst vor weiteren Einschlägen. Und niemand weiß, wie und wann wir hier rauskommen.“

Foto: BILD

Die „Mein Schiff 4“ sollte von Abu Dhabi aus am 1. März eigentlich ihre Orient-Rundreise fortsetzen
Foto: picture alliance/dpa
Die siebentägigen „Zauber des Orients“-Reisen der „Mein Schiff 4“ beinhalten in der Regel folgende Stopps: Dubai, Abu Dhabi, Khasab, Muscat, Doha und Dubai. Die Kosten: ab 899 EUR pro Person für eine normale Doppelkabine.
Insgesamt liegen sechs Kreuzfahrtschiffe in Dubai, Abu Dhabi und Katars Hauptstadt Doha. Neben der „Mein Schiff 4“ mit der „Mein Schiff 5“ im Hafen von Doha ein weiteres TUI-Schiff. Außerdem in Dubai die „MSC Euribia“ von MSC Cruises, die „Celestyal Discovery“ und „Celestyal Journey“ von Celestyal Cruises sowie die „Aroya“ von Aroya Cruises. Die Reedereien haben bereits Reisen abgesagt und sorgen in Abstimmung mit lokalen Behörden und internationalen Partnern für die Sicherheit aller Personen an Bord.

Wo sonst Urlauber auf der „Mein Schiff 4“ die gemütliche Lounge-Atmosphäre genießen, herrscht am Sonntag nach dem Raketeneinschlag eine angespannte Stimmung
Foto: Privat
Schiffe müssen in Häfen bleiben
Klar ist: Alle Schiffe bleiben mit den Gästen an Bord zunächst in den Häfen. Denn durch Luftraumsperrungen und Angriffe auf Airports ist die Heimreise mit dem Flugzeug nicht möglich. Und einfach auf dem Meer weiterfahren geht auch nicht. Dazu müsste man die Straße von Hormus passieren, die nur wenige Kilometer von der iranischen Küste entfernt ist und aktuell für die gesamte Schifffahrt blockiert wird.
Auf den Schiffen selbst läuft grundsätzlich der normale Hotelbetrieb, sodass alle Menschen an Bord versorgt werden, heißt es. Die Stimmung bei den Passagieren ist angespannt. „Nach dem Raketeneinschlag hatte der Kapitän angeordnet, dass sich alle Passagiere im Innern des Schiffes zusammenkauern sollten“, berichtet ein „Mein-Schiff-4“-Urlauber. Die Außendecks und Balkone seien nach wie vor gesperrt.
Verlauf der nächsten Tage unklar
Dennoch wird auch die Organisation auf dem Schiff gelobt: „Die Managerin für Essen, Trinken, etc . bittet gerade die Familien, ihre Bedürfnisse an Pulver, Windeln usw. zu melden, um dann einen Vorrat für eine Woche an Bord kommen zu lassen. Dasselbe gilt anscheinend für Medikamente, die der Schiffsarzt nicht vorrätig hat“, erklärt eine Urlauberin gegenüber BILD.
Wie es weitergeht? Die dynamische Lage erlaube keine seriöse Prognose, heißt es von TUI Cruises. Man sei derzeit auf die Informationen der Airlines angewiesen, um zu klären, ob und wann Rückflüge stattfinden können. Das Unternehmen teilt weiterhin mit: „Wir wissen, dass sich viele Angehörige aktuell um ihre Familienmitglieder und Freunde an Bord sorgen. Die Sicherheit unserer Gäste und der Crew hat für uns jederzeit oberste Priorität.“ Bis einschließlich 2. März sind alle Abfahrten in der Region abgesagt. Auf der Mein-Schiff-Webseite sind auch für danach keine Orient-Reisen mehr buchbar. Betroffene Gäste erhalten den Reisepreis erstattet oder 10 Prozent Rabatt bei Umbuchung auf eine andere Reise.
Korrekturhinweis: In einer vorherigen Version des Artikels schrieben wir irrtümlich von einer Rakete. Tatsächlich handelte es sich um zwei Drohnen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.