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Berlin – Dauerbaustelle Bundeswehr! Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Henning Otte (57, CDU), stellte am Dienstag seinen Jahresbericht 2025 (96 Seiten) vor. Ergebnis: mangelhaft! Besonders alarmierend: der deutliche Anstieg an Vorfällen mit „sexuellem Fehlverhalten“, Rechtsextremismus und Mobbing sowie bizarre Aufnahmerituale.

Otte listet mehrere Misshandlungsfälle auf. So habe ein Reserveoffizier bei einer Übung einem unterstellten Soldaten befohlen, eineinhalb Stunden in einer zehn Zentimeter tiefen Pfütze zu liegen – bei Temperaturen von sieben Grad Celsius. In einer Grundausbildungskompanie drückten Rekruten „den Kopf eines Kameraden in eine Toilettenschüssel und betätigten die Spülung“. Auf einen weiteren Kameraden schlugen Rekruten im Bett ein und zogen ihn auf den Flur, wo sie ihn mit mehreren Eimern Wasser übergossen.

Andere Rekruten mussten „bis auf die Unterwäsche entkleidet durch ein Spalier von Kameraden laufen“, die sie dabei auf den Rücken oder das Gesäß schlugen. Einem Rekruten wurde mit Filzstift „Ratte“ auf die Stirn geschrieben, weil er über die Vorfälle mit Kameraden eines anderen Zuges gesprochen haben soll. Folge: elf Beschuldigte wurden entlassen. Zwölf Fälle landeten bei der Staatsanwaltschaft.

Henning Otte (57, CDU) stellt als Wehrbeauftragter des Bundestags den Jahresbericht 2025 zur Bundeswehr her

Henning Otte (57, CDU) stellt als Wehrbeauftragter des Bundestages den Jahresbericht 2025 zur Bundeswehr her

Foto: Kay Nietfeld/dpa

Zu wenig Ausstattung und Personal

Ein weiteres Problem: zu lange Beschaffungszeiten u.a. beim neuen Funksystem „Digitalisierung landbasierter Operationen“ (D-LBO) sowie marode Kasernen. Sanierungsstau insgesamt: 67 Milliarden Euro. Otte schreibt von ernüchternden Tests beim neuen Waffensystem Arrow 3. „Beunruhigend ist, dass das System noch zwei Tage vor der Inbetriebnahme Anfang Dezember des Berichtsjahres durch fremde Drohnen ausgespäht wurde und die Bundeswehr nicht in der Lage war, eine effektive Drohnenabwehr zu leisten“, so der Wehrbeauftragte.

„Um den Operationsplan Deutschland erfolgreich umsetzen zu können, ist der angestrebte Personalaufwuchs auf insgesamt 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten bis Mitte der 2030er-Jahre zwingend. Nur so entsteht glaubhafte Abschreckung,“ so Otte. Aktuell sind es jedoch nur 184.194.

Für Otte auch viel zu wenig: der Anteil von Mannschaftssoldaten (29,3 Prozent). Auf einen Mannschaftssoldaten komme so fast ein Offizier. „Ob mit einer solchen Kopflastigkeit die Aufgaben der Landes- und Bündnisverteidigung der Truppe wirklich nachhaltig bewältigt werden können, ist fraglich“, schreibt der CDU-Politiker.

Muss doch die Wehrpflicht her?

Sollte der Freiwilligendienst nicht reichen, müsse die Wehrpflicht her. Um das Ziel von 200.000 Reservisten zu erreichen, müsse die die „bestehende Verunsicherung“ bei jungen Menschen beseitigt werden. Außerdem müsse schnellstmöglich ein neuer, zeitgemäßer „Haar- und Barterlass“ her, heißt es.

Pikant: Der Anteil derer, die in der Probezeit den Dienst quittierten, stieg von 19 auf vorläufig 19,8 Prozent. Dazu kommen die Entlassungen. 2024 lag die Abbrecherquote also insgesamt über 25 Prozent. Otte fordert zudem viel mehr Frauen (aktuell 13,7 Prozent) in der Truppe. Der Frauenanteil der Bewerberinnen sei rückläufig. Ein möglicher Grund: der „deutliche Anstieg“ an Vorfällen mit sexuellem Fehlverhalten, Rechtsextremismus und Mobbing.

Bürokratie bremst aus

Otte spricht von einer Fülle an militärfremder Bürokratie. „Die aktuellen Strukturen der Bundeswehr und des Verteidigungsministeriums sind zu kompliziert und in großen Teilen nicht effektiv“, heißt es. Das Fehlen der digitalen Gesundheitsakte beispielsweise führe zu Fehlern in der Personalbearbeitung und „erheblicher Frustration“ der Soldaten. Das vernichtende Otte-Urteil: Die Bürokratie in der Bundeswehr nimmt nicht ab, sondern zu!

Derzeit dauere es von der erfolgreichen Bewerbung bis zur Einstellung 112 Tage und damit noch zwei Wochen länger als im Vorjahr. Aus der Truppe werde zudem gemeldet, dass bei der körperlichen Fitness der Rekruten oft das Motto „Quantität vor Qualität“ gelte.