Im Jahr 2017 waren gerade einmal 6 Prozent kartiert. Inzwischen liegt die Quote bei 28 Prozent. Wie der ganze Rest des weltweiten Meeresgrunds mit Bergen, Tälern, Schluchten und Ebenen strukturiert ist, ist nach wie vor unbekannt. Nur mit Glück werde bis um das Jahr 2030 herum die Hälfte mit Daten abbildbar sein, schätzt Lars Rüpke, Professor am Kieler Geomar Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung.

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77 Tiefsee-Berge haben vier Expeditionen mit Rüpkes Beteiligung seit 2024 lokalisiert, darunter auf Routen zum Beispiel von Tahiti nach Chile. In diesem Jahr sollen zu demselben Thema weitere Fahrten folgen. Satellitenaufnahmen liefern erste Hinweise, wo Berge liegen. Aber erst Instrumente, die Forschungsschiffe vor Ort ins Wasser lassen, klären, wie es um die Gestalt dieser Berge bestellt ist. Davon wiederum hängen die Strömungsverhältnisse ab – mit großem Einfluss auf unzählige biologische Prozesse.

Kongress im Abstand von zwei Jahren

Das Geomar hat Rüpke an diesem Mittwoch für den Eröffnungsvortrag eines Mega-Kongresses ins Rennen geschickt: Darauf geben alle deutschen Meeresforschungseinrichtungen alle zwei Jahre einen Überblick über ihre neuesten Studien. Die sogenannte „Statuskonferenz“ bündelt die Ergebnisse aller Expeditionen, zu denen die insgesamt sieben vom Bund finanzierten deutschen Forschungsschiffe im Einsatz sind.

Auswertung von 130 Fahrten

Diesmal ist das Geomar Gastgeber. Bei 100 Vorträgen heute und morgen werden 130 Fahrten ausgewertet. 260 Teilnehmer sind dabei.

„Wir wissen immer noch erstaunlich wenig über die Ozeane.“

Prof. Katja Matthes

Geomar-Direktorin

„Wir wissen immer noch erstaunlich wenig über die Ozeane“, betont Geomar-Direktorin Prof. Katja Matthes. „Weniger als über den Weltraum – und das, obwohl Wasser gut 70 Prozent der Erdoberfläche ausmacht.“ „Genau das, was wir brauchen“, sei deshalb eine „Initiative für eine globale Ozean-Beobachtung und globalen Ozean-Schutz“, die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an diesem Montag angeschoben hat.

Geomar-Direktorin Prof. Katja Matthes eröffnet die Statuskonferenz Forschungsschiffe.
Foto: Sarah Uphoff / Geomar

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Schiffe als multidisziplinäre Labore

„Multidisziplinäre Labore“ seien die sieben deutschen Forschungsschiffe, betont Matthes. Für sie geht es um einen Dreiklang aus „Beobachten, Beschützen und nachhaltiger Nutzung“. Meeresforschung sei auch ein Motor für innovative Technik, unter anderem in der Robotik.

Start des ersten Forschungsschiffs vor 100 Jahren

Der Kongress fällt ins 100. Jubiläumsjahr deutscher Expeditionen. 1926 stach mit der „Meteor I“ das erste deutsche Forschungsschiff in See. Damals ging es in den tropischen Atlantik. Im Foyer des Geomar können die Besucher ein Modell des Nachnachnachfolgers besichtigen: Die „Meteor IV“ soll noch in diesem Jahr fertig gebaut und in Dienst gestellt werden. Kiel wird Heimathafen.

Bald in echt neues Flaggschiff der deutschen Forschungsflotte: Die „Meteor IV“ als Modell im Foyer des Kieler Geomar
Foto: fju

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Bedingung dafür ist, dass das Land Schleswig-Holstein zehn Prozent der Betriebskosten finanziert. Der Neubau sichere die Stellung der deutschen Forschungsflotte als einer der leistungsfähigsten in der Welt, sagt Wissenschafts-Staatssekretär Guido Wendt. Er bezeichnet die sieben Schiffe als „Symbol für die weltweite Offenheit der Wissenschaft“. Dies sei „heutzutage wichtiger denn je“. Es brauche umfassende Forschungsdaten, damit die Politik wirksame Schutzmaßnahmen beschließen könne, betont Wendt. Mehr Meeresforschung sei unerlässlich, um etwa dem Klimawandel zu begegnen.

Leckagen an Bohrlöchern unter der Nordsee

Der Vortrag von Matthias Haeckel, Biogeochemiker am Geomar, am Mittwoch ist ein Beispiel dafür, dass die deutsche Meeresforschung nicht nur die Welt im Blick hat, sondern auch Gewässer vor der Tür: Bei Fahrten mit der „Alkor“ auf der Nordsee hat er festgestellt, dass von den Bohrlöchern einstiger Gas- und Ölfelder 30 bis 50 Prozent Leckagen aufweisen. Aus ihnen tritt das klimaschädliche Methan aus.

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Zwar in nicht allzu kritischen Mengen, wie der Wissenschaftler es einordnet. Aber wenn man mit der CCS-Technologie industriell abgeschiedenes CO2 unter der Nordsee verpressen wolle – dann gelte es doch, um diese Methan-Leckagen herumzuplanen, sagt er.

Manganknollenfelder wie hier im Pazifik sind Kandidaten für Tiefseebergbau.
Foto: Geomar

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Risiken von Tiefseebergbau unter der Langzeit-Lupe

Mit ökologischen Risiken von Tiefseebergbau ist Haeckel ebenfalls im Kongress-Programm vertreten. Am Donnerstag lässt er zwei Expeditionen Revue passieren, bei denen er industrielle Tests einer belgischen Firma zum Abbau von Manganknollen im Pazifik beobachtet hat. Die Knollen ziehen Begehrlichkeiten auf sich, weil sie etwa Nickel, Kupfer, Kobalt und seltene Erden enthalten.

„Dass die Schäden eines Tiefseebergbaus groß und langanhaltend sind, wissen wir bereits“, sagt Haeckel. Mit den Knollen fehlten anderen Organismen die Lebensgrundlage; unter anderem stürben Schwämme ab und Seeanemonen verarmten. „Letztlich ist es eine gesellschaftliche Frage, was uns Tiefseebergbau wert ist“, gibt der Forscher zu bedenken.

Fünf Jahre nach dem ersten Test

Im Herbst will er fünf Jahre nach dem Test genauer erkunden, wie weit sich Schäden weiter entwickelt haben oder auch nicht: Dann steht mit der „Sonne“ die dritte Expedition dorthin an. 39 Personen lassen sich dabei an Bord unterbringen – „und man könnte gut die doppelte Zahl mitnehmen“, sagt Haeckel angesichts der vielen offenen Fragen.

Es geht immer weiter mit der Erforschung dieses größten Anteils der Erdoberfläche – auch wenn nach dem Kongress zumindest Fragen zu über 100 Themen beantwortet sind.