Es war der Anfang vom Ende. Als Senator John Kennedy, Republikaner aus Louisiana, Heimatschutzministerin Kristi Noem am Dienstag im Senat fragte, ob Donald Trump die 220 Millionen Dollar teure Werbekampagne für ihre Behörde genehmigt habe, antwortete sie unter Eid mit „Ja“.
Der US-Präsident widersprach prompt. „Ich habe davon nichts gewusst“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.
Nur einen Tag später war Noem ihren Posten los. Auf seiner Plattform Truth Social gab Trump bekannt, dass er die Heimatschutzministerin absetzt und durch den republikanischen Senator Markwayne Mullin aus Oklahoma ersetzen will.
US-Senator Markwayne Mullin aus Oklahoma soll Kristi Noems Nachfolger werden.
© Reuters/Kylie Cooper
Schon seit Wochen war in Washington über Noems Zukunft spekuliert worden. Ihre Auftritte vor den Justizausschüssen von Senat und Repräsentantenhaus am Dienstag und Mittwoch brachten das Fass schließlich zum Überlaufen. Damit ist die 54-Jährige die erste Ministerin, die in Trumps zweiter Amtszeit gehen muss.
Warum musste Noem gehen?
Seit Monaten stand Noem unter Druck. Unter ihrer Führung war das Heimatschutzministerium („Department of Homeland Security“) in amerikanischen Großstädten mehrfach aggressiv und brutal gegen Einwanderer vorgegangen. In Minneapolis erschossen Beamte der Einwanderungsbehörde ICE im Januar zwei US-Bürger – die Mutter Renee Good und den Intensivpfleger Alex Pretti. Noem bezeichnete beide ohne jeden Beleg als Terroristen, die die Beamten bedroht hätten, bevor Augenzeugenvideos ihre Darstellung widerlegten.
Trumps Hardlinerin So tickt die umstrittene Heimatschutzministerin Kristi Noem
Die Bilder maskierter ICE-Beamter, die Menschen durch Wohnviertel jagten, lösten landesweite Proteste aus. Die Zustimmung für Trumps brutale Einwanderungspolitik fiel laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur AP von ursprünglich 49 Prozent im März 2025 auf 38 Prozent.
Hinzu kamen wiederholte Probleme mit der Katastrophenschutzbehörde Fema und Kosten von mehr als 300 Millionen Dollar für drei neue Regierungsjets. Republikaner wie Senator Thom Tillis nannten die Arbeit der Heimatschutzministerin öffentlich ein „Desaster“.
ICE-Beamte bei ihrem Einsatz in Minneapolis.
© AFP/Kerem Yucel
All das überstand Noem. Doch hinter den Kulissen wuchs der Druck. Laut dem US-Nachrichtenportal „Politico“ drängten hochrangige Regierungsvertreter den Präsidenten, Noem abzulösen – darunter auch Trumps einflussreiche Stabschefin Susie Wiles. Als treibende Kraft galt auch „Grenzzar“ Tom Homan, der ICE-Chef, der seit Monaten mit der Ministerin im Clinch liegt.
Homan hatte die Einsätze der Einwanderungsbehörde in Minneapolis übernommen, als diese immer stärker eskalierten. Ein Regierungsbeamter sagte „Politico“: „Niemand redet über die sicherste Grenze aller Zeiten. Nur über die Shitshow, die Noem und Corey sind.“ Gemeint ist Corey Lewandowski, Noems Sonderberater, der als ihr faktischer Stabschef agierte und Verträge, Entlassungen und operative Entscheidungen an sich gezogen hatte.
Den Ausschlag für Noens Ablösung gab dann die Anhörung vor dem Kongress diese Woche. Dort ging es um die 220 Millionen Dollar teure Werbekampagne, die illegale Einwanderer zur freiwilligen Ausreise bewegen sollte. Die Spots zeigten prominent Noem selbst – unter anderem zu Pferd vor dem Mount Rushmore.
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Der Vertrag für die Kampagne war jedoch ohne reguläre Ausschreibung an eine Firma gegangen, die einen Unterauftrag an den Ehemann von Noems ehemaliger Sprecherin weiter vergab. Der Präsident habe das so abgesegnet, sagte Noem unter Eid. Trump widersprach. Damit stand ihre Aussage gegen das Wort des Präsidenten – eine Situation, die sich nicht mehr geraderücken ließ.
Noem war bekannt für ihre Inszenierungen in den sozialen Medien. Das Foto zeigt sie im März 2025 beim Besuch eines Abschiebegefängnisses in El Salvador.
© dpa/Alex Brandon
Was bedeutet Noems Abgang?
Trotz aller Kritik an ihr, ist der Zeitpunkt von Noems Abgang ungünstig: Das Heimatschutzministerium befindet sich seit dem 13. Februar im Shutdown. Mitarbeiter der Behörde für Verkehrs- und Transportsicherheit (TSA), die auch für Sicherheitskontrollen an Flughäfen verantwortlich ist, arbeiten ohne Bezahlung. Das Amt für Katastrophenschutz (Fema) ist lahmgelegt.
Im Mai 2025 reiste Noem für einen offiziellen Besuch nach Bahrain – auch hier fehlte es nicht an Pressefotos.
© AFP/Alex Brandon/Pool
Und nun steht auch noch ein Wechsel an der Führungsspitze an. Der Druck auf Trump und seine Republikaner ist dementsprechend groß, den Haushaltsstreit mit den Demokraten rasch zu beenden und die Behörde wieder zum Laufen zu bringen.
Das könnte die Opposition nutzen, um ihre Reform bei der Einwanderungsbehörde ICE durchzubringen. Unter anderem sollen die Beamten nicht mehr maskiert agieren dürfen, und Schulen, Kindergärten, Kirchen sowie Wahllokale sollen von den Razzien ausgenommen werden.
Die derzeitige Ministerin, Kristi Noem, hat uns gute Dienste geleistet und zahlreiche spektakuläre Ergebnisse erzielt.
Donald Trump, US-Präsident
Zugleich ist auffällig, wie Trump Noems Abgang inszeniert. In seiner ersten Amtszeit hatte Trump noch binnen vier Jahren fünf Chefs des Heimatschutzministeriums einfach gefeuert. Nun zeigt sich ein anderes Muster: Unfähige Kabinettsmitglieder werden einfach versetzt.
So soll Noem „Special Envoy for the Shield of the Americas“ werden, die Sondergesandte einer neuen Sicherheitsinitiative zum Schutz Amerikas, die Trump am Samstag in Florida vorstellen will. Trumps Begründung bei Truth Social: „Die derzeitige Ministerin, Kristi Noem, hat uns gute Dienste geleistet und zahlreiche spektakuläre Ergebnisse erzielt.“
Ganz ähnlich hatte sich der Präsident schon in der „Signalgate-Affäre“ verhalten: Als sein Nationaler Sicherheitsberater Mike Waltz geheime Informationen per Nachrichtendienst Signal verschickte, wurde auch er nicht einfach entlassen. Er bekam stattdessen einen Posten als UN-Botschafter.
Kristi Noem in Israel nahe der Grenze zu Gaza.
© AFP/Alex Brandon/Pool
An der amerikanischen Einwanderungspolitik selbst dürfte sich trotz des Personalwechsels wenig ändern. Die Massenabschiebungen wurden maßgeblich von Trumps stellvertretendem Stabschef Stephen Miller und ICE-Chef Tom Homan konzipiert – beide sind weiter im Amt.
Wer ist Noems Nachfolger?
Zu Kristi Noems Nachfolger hat Präsident Trump Markwayne Mullin auserkoren. Einen Hintergrund in der Strafverfolgung oder der nationalen Sicherheit hat der Republikaner aus Tulsa (Oklahoma) nicht. Auch wirkt er noch unsicher auf dem öffentlichen Parkett. Erst diese Woche nannte er Verteidigungsminister Pete Hegseth versehentlich „President Hegseth“.
Am 31. März soll Markwayne Mullin seinen neuen Posten als US-Heimatschutzminister antreten.
© Imago/UPI Photo/Bonnie Cash
Der 48 Jahre alte Mullin ist Mitglied der Cherokee Nation, der größten in den USA anerkannten Indigenengruppe, und war seit fast zwanzig Jahren der erste Senator dieser Herkunft, als er 2022 gewählt wurde.
Mullins Karriere begann nicht in der Politik: Als 20-Jähriger hatte er den Klempnerbetrieb seines erkrankten Vaters übernommen und ihn zum größten der Region ausgebaut. Nebenher kämpfte er in Mixed Martial Arts, einer Kampfsportart, die Elemente aus Boxen, Ringen und anderen Disziplinen verbindet.
Der Präsident und ich sind gute Freunde.
Markwayne Mullin, US-Senator und baldiger Heimatschutzminister
Zugleich verbindet ihn eine persönliche Freundschaft mit Trump, der in seiner zweiten Amtszeit zentrale Posten in der Regierung vor allem mit Loyalisten besetzt, unabhängig von ihrer Expertise. „Der Präsident und ich sind gute Freunde“, sagte Mullin Reportern am Donnerstag vor dem Kapitol. „Ich werde jetzt offensichtlich öfter im Weißen Haus sein.“ Mullins Senatssitz in Oklahoma dürfte sich ohne großes Risiko für die republikanische Mehrheit nachbesetzen lassen.
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Trump lobte seinen neuen Minister auf Truth Social als „MAGA Warrior“, als „Kämpfer der Maga-Bewegung“. Ab dem 31. März will Trump den Nachfolger für Noem offiziell im Amt haben, doch es bleibt abzuwarten, ob der Senat Mullins Berufung schnell genug bestätigt.
Momentan profitiert Mullin von Trumps Gunst, doch Noems Abgang zeigt, wie schnell sich das ändern kann. Loyalität schützt nur, solange sie nicht den Präsidenten selbst belastet.