Eigentlich hat Wladimir Putin den Krieg in der Ukraine verloren. Denn von der Erreichung seiner Ziele ist er weit entfernt. Doch ans Aufgeben denkt das Kremlregime nicht, befürchtet Wladimir Kaminer.

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In unsicheren Zeiten, wenn der Boden unter den Füßen schwankt, werden die Menschen besonders anfällig für Verschwörungstheorien, astrologische Prognosen, Wahrsagen und Kartenlegen. Ich erinnere mich noch: Als meine Heimat, die Sowjetunion, auseinanderfiel und die Menschen nicht mehr wussten, wo sie eigentlich sind und was sie tun sollen, hatten die Astrologen Konjunktur.

Im Fernsehen und im Radio traten Menschen auf, die sich „Extrasensen“ nannten, selbst ernannte Hellseher und Wahrsager. Sie versprachen Heilung von jeder Krankheit und eine Befreiung vom Stress. Meine Oma hatte sich damals stets mit dem Rücken zum Fernseher gedreht, damit die Extrasensen sie von Rückenschmerzen befreien. Es hat ihr eine Weile geholfen.

Im Land, in dem die nötigsten Medikamente nicht mehr zu finden waren, wurden an jeder Ecke Heilmittel angeboten, die viel versprachen: „Hirschgeweihtinktur“ war groß in Mode, die Bevölkerung schwor auf die lebensverlängernde Wirkung des Bibergeils. Eine ähnliche Entwicklung ist heute vielerorts zu beobachten. Die Abnormalität der Kriege frisst sich in den Alltag der Menschheit hinein, die Raketen fliegen im Nahen Osten, in Russland, in der Ukraine. Und in Amerika werden währenddessen angeblich „Kinder gefressen“, mit solchen Infos sind die sozialen Netzwerke in den USA prall gefüllt.

Der Wirbel der Kriege zieht immer größere Kreise, die Menschheit hat Angst und keine gescheite Antwort darauf. Zusätzlich erschwerend ist, dass wir uns seit Ende Februar dem chinesischen Kalender nach im kritischen „Jahr des Feuerpferdes“ befinden. Das chinesische Feuerpferd hat einen schlechten Ruf, das Tier ist egoistisch, rücksichtslos und macht, was es will, ohne Rücksicht auf die anderen zu nehmen. Das Feuerpferd kommt einmal in sechzig Jahren vor, das letzte Mal also 1966.