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Hamburg – Da schlucken Bierfreunde trocken – ihr Lieblingsgetränk rauscht in der Beliebtheit weiter runter, und das hat hopfenbittere Folgen: Schon wieder ist eine Brauerei in finanzielle Schieflage geraten. Dieses Mal hat es eine Craftbeer-Brauerei in Hamburg getroffen, ein Insolvenzverfahren wurde beantragt.
Durch die Insolvenz sind 60 Jobs in Hamburg und Kiel bedroht. Dort, im Norden, hatte die Landgang Brauerei erst im vergangenen Sommer ein lokales Kult-Brauhaus übernommen: die Lille Brauerei. Somit steht jetzt auch das Craftbeer Lillebräu vor dem Aus. Das berichtete das Verbraucherschutzforum in Berlin zuerst. Demnach hat das Amtsgericht Hamburg unter dem Aktenzeichen 67c IN 83 26 am Donnerstag die vorläufige Verwaltung des Unternehmensvermögens angeordnet.

Erst im Juli 2025 hatte Landgang die kleine Kultbrauerei in Kiel übernommen – und damit auch das Lillebräu
Foto: Thomas Phillipps/Lillebräu
Die Gründe für die Insolvenz der Brauerei
Der Grund für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist der sinkende Absatz von Bier insgesamt. Das betrifft inzwischen auch die lange sehr angesagten Craft-Biere. Erst kürzlich hatte zum Beispiel die schottische Kette Brewdog in Deutschland Insolvenz angemeldet.
Landgang wollte laut dem Hamburger Abendblatt eigentlich pro Jahr etwa 5000 Hektoliter brauen, zuletzt waren es aber weniger als 3000. Und das, obwohl es das Bier in Hamburg sogar in einigen Edeka-Supermärkten zu kaufen gibt.
Die Bierkrise in Deutschland macht der Brauerei-Branche schon seit einigen Jahren schwer zu schaffen. Das lässt sich an Zahlen ablesen. Der Bierkonsum pro Kopf und Jahr sank von 143 Liter Bier (1990) auf weniger als 90 Liter (2024). Zwischen 2019 und 2024 (letzte verfügbare Daten) sank die Zahl der deutschen Brauereien von 1552 auf 1459 (-6 Prozent).

Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer Deutscher Brauer-Bund, geht davon aus, dass noch weitere Brauereien in Schwierigkeiten geraten könnten
Foto: DBB/Christian Lietzmann
Was passiert jetzt mit dem Bier?
Trotz Insolvenz wird bei Landgang weiter Bier gebraut, zumindest vorerst. Die Löhne sind bis Ende April über das Insolvenzgeld gesichert. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Kévin Paul-Hervé Tanguy aus Hamburg bestellt. Er sucht jetzt gemeinsam mit der Geschäftsführung nach Lösungen wie das Unternehmen erhalten bleiben kann. Gebraucht wird vor allem ein neuer Investor, der Geld nachschießt.