Ob wir noch mehr Frauen in Führungspositionen brauchen und was dafür getan werden sollte, hat die WZ anlässlich des Internationalen Frauentags am Sonntag einige Chefinnen gefragt.

Vera Bökenbrink, Geschäftsführerin des Werkzeugunternehmens Stahlwille

Um mehr Frauen zu gewinnen, müssen wir ihnen Mut machen. Das tue ich zum Beispiel beim Mentoring des Kompetenzzentrums Frau und Beruf im Bergischen Städtedreieck. Auch ich hatte einen sehr guten Mentor. Ein Mentor oder einfach Austauschpartner hilft, die Menschen besser zu verstehen. Denn gute Führung – wenn ich andere zu etwas motivieren will – hat viel damit zu tun. Frauen muss man eher ermutigen, dass sie Dinge können, eine Aufgabe auch mit Familie und Kindern möglich ist. Sie sind eher überkritisch mit sich, wo junge Männer manchmal zu forsch sind. Da muss man eine gute Mitte finden.

Suna Lenz, Leiterin des städtischen Ressorts Zuwanderung und Integration

Mehr Frauen in Führungspositionen brauchen wir, um strukturelle Ungleichheit abzubauen. Frauen sind nicht besser als Männer, aber Frauen sollten die gleichen Chancen wie Männer haben. Um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, kommt es nicht nur auf die Entscheidung bei der Auswahl an, sondern auch auf die weitere Gestaltung der Arbeit. Sie muss angepasst werden an Lebensphasen, Rücksicht nehmen auf Kinderbetreuung, indem man etwa flexibles Arbeiten ermöglicht. Das gilt auch für Männer. Und Führungskräfte müssen nach Unterbrechungen wieder auf Leitungsfunktionen zurückkönnen und dürfen nicht gezwungen sein, von vorn zu beginnen.

Petra Riesenberg, Leiterin der Grundschule Friedhofstraße

Mehr Frauen in Führungspositionen? Ja, natürlich! Wir sind mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Wir sind hervorragend ausgebildet, kommunikativ, resilient und wir wissen, was wir wollen und was wir können. Wir entwickeln kreative Ideen und kommen damit zu besonders erfolgreichen Ergebnissen in den Systemen, in denen wir tätig sind.

Heide Koch, Geschäftsführerin der Wuppertaler Bühnen und Sinfonieorchester

Ungeduldig bleiben, Mut haben, Vorbild sein: Jede Frau in einer Führungsposition beschleunigt die Veränderung, die mit dem Weltfrauentag vor über 100 Jahren begann. Manche Bereiche entwickeln sich schnell, andere erstaunlich langsam. 1997 stellten die Wiener Philharmoniker erstmals überhaupt eine Frau ein, während in Wuppertal im selben Jahr bereits eine Konzertmeisterin ans erste Pult berufen wurde. Heute können wir uns nicht mehr vorstellen, dass Frauen und Männer im Konzert nicht gleichberechtigt auf dem Podium saßen. Noch immer sind Dirigenten allerdings meistens männlich. Fehlt es Frauen hier an Ungeduld, Mut oder Vorbildern? Es darf keine weiteren 100 Jahre dauern, bis Kompetenz selbstverständlich wichtiger ist als Geschlecht – in jedem Lebensbereich.

Sabine Schnake, Geschäftsführerin bei WSW Mobil

Gleichstellung ist kein Zustand, den man einmal erreicht – es ist ein Prozess, der sich ständig weiterentwickelt. Wir arbeiten beispielsweise an einer neuen Betriebsvereinbarung zur Gleichstellung, die klare Prozesse schafft. Frauen brauchen keine Sonderbehandlung, aber faire und transparente Rahmenbedingungen. Dazu gehören klare Karrierewege, sichtbare Entwicklungschancen und gezielte Förderung. Bei uns leisten Mentoring‑Programme, Coachings und Weiterbildungen einen wichtigen Beitrag. Mein Tipp: Trauen Sie sich. Man wächst so oft in die Rolle hinein. Und vernetzen Sie sich!

Annette Berg, Dezernentin für Soziales, Jugend, Schule, Integration

Nach mehr als 25 Jahren als weibliche Führungskraft ist es mir wichtig, Frauen in meinem Bereich dahingehend zu fördern, dass sie ihren Weg gehen und sie ihre Vorstellungen und Ziele selbstbewusst verfolgen, vertreten und umsetzen. Ich ermutige sie, sich zu zeigen und allen Widrigkeiten zum Trotz sich treu zu bleiben. Ich unterstütze sie, sich nicht entmutigen zu lassen, auf ihre Leistung stolz zu sein und dies auch deutlich zu machen.

Anja Vesper, Vorsitzende der CDU Wuppertal und der CDU-Fraktion im Stadtrat

Frauen zu fördern heißt, Türen nicht nur zu öffnen, sondern auch den Weg dahinter begehbar zu machen. In der CDU Wuppertal zeigt sich das ganz konkret: Drei Frauen stehen an der Parteispitze, zwei junge Frauen sind neu über einen Listenplatz in die Ratsfraktion eingezogen. Wenn der Weg einmal sichtbar ist, hoffe ich, dass auch andere ganz selbstverständlich nachfolgen.“

Karin van der Most, Vorsitzende der Wuppertaler FDP/WfW-Fraktion

Die FDP in Wuppertal möchte mehr Frauen für kommunalpolitisches Engagement gewinnen: Wir ermutigen Frauen, sich politisch einzubringen, und ermöglichen ihnen den Einstieg etwa als sachkundige Bürgerinnen in Ausschüssen. Zudem öffnen wir bewusst Listenplätze für Frauen und begleiten sie bei Kandidaturen für Rat und Bezirksvertretungen. Frauen, die Verantwortung übernehmen möchten, werden von uns auf ihrem politischen Weg unterstützt und vernetzt. Dabei gilt für uns: Engagement geschieht freiwillig und ohne starre Quoten.

Miriam Scherff, Oberbürgermeisterin

Die Gleichstellung der Geschlechter in allen Lebensbereichen sollte eine Selbstverständlichkeit sein – ist es aber nicht immer. Beruflich stoßen Frauen immer wieder an die „gläserne Decke“. Daher unterstütze ich die Arbeit unserer Gleichstellungsstelle ausdrücklich, gezielt nach geeigneten Frauen für herausgehobene Stellen zu suchen und Stellenausschreibungen so zu gestalten, dass sie attraktiv für Frauen sind. In meinem direkten Arbeitsumfeld sind die Stellen paritätisch besetzt – das ist für mich persönlich die ideale Arbeitsatmosphäre.“

Alexandra Szlagowski, Leiterin des Sport- und Bäderamts

Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob Frauen führen können – sondern ob Organisationen Führung modern genug organisieren. Da, wo Führung noch mit permanenter Verfügbarkeit und klassischen Karriereverläufen verbunden wird, wird es Frauen erschwert. Führung darf kein Lebensmodell für wenige sein, sondern muss mit unterschiedlichen Lebensrealitäten vereinbar sein. Führungsmodelle müssen flexibler werden. Mein Rat: Ihr müsst nicht schon alles können – aber Ihr müsst bereit sein, Verantwortung zu tragen. Wichtig ist, den eigenen Anspruch klar zu formulieren und Chancen aktiv zu ergreifen.

Nathalie Schöndorf, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal

Für Unternehmen bedeutet Gleichstellung nicht nur gleiche Chancen auf dem Papier, sondern auch strukturelle Rahmenbedingungen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für beide Elternteile ermöglichen. Ein wichtiger Schritt ist, Führung anders zu denken. Führung muss nicht zwangsläufig mit sehr langen Arbeitszeiten oder permanenter Verfügbarkeit verbunden sein. Modelle wie Führung in Teilzeit oder im Tandem können neue Möglichkeiten eröffnen. Frauen brauchen sichtbare Vorbilder, gezielte Förderung und Netzwerke. Gleichzeitig ist es wichtig, dass auch Männer stärker Verantwortung in der Familienarbeit übernehmen.