Thorsten Bubolz ist der neue Küchenchef im Caroussel. Man kennt ihn aus verschiedenen Stationen (u.a. Lesage, Schlosshotel Pillnitz) als besonnenen Koch, der es gerne schnörkellos und geschmackvoll mag. Den Stil hat sich der gebürtige Niedersachse bewahrt, wobei geschmackvoll durchaus auch die Optik betrifft. Natürlich war das Rindertatar super angemacht, mit dem gepickelten Gemüse ist es ein Klassiker. Auch der Coq au Vin ließ sich gut an – wobei mir ja die etwas rustikalere klassische Version besser gefällt, in der der Hahn in der Sauce schwimmt. Hier blitzelte vom Sauceneinsatz und dem Arrangement die fine-dining-Variante durch – aber das Ergebnis zählt (Hauptsach gudd gess, wie die Saarländer sagen). Aber zwischen diesen beiden Gängen kam ja: die Suppe.
Eine Fischsuppe mit Ansage
Sächsische Fischsuppe à la Bouillabaisse ist eine Ansage. In der südfranzösischen Bouillabaisse tummelt sich allerlei Meeresgetier, was viele Geschmacksnuancen zusammenbringt. Kräftig ist sie und sättigend – sowie durch Einsatz von Rouille (einer Knoblauch-Chili-Sauce) pikant. Als zweiter von vier Gängen und weit weg vom Mittelmeer sollten die Parameter anders sein, und sie waren es: eher anregend als sättigend und bei über tausend Kilometern Luftlinie bis Marseille auch nicht mit Mittelmeer-Spezialitäten gemacht, sondern mit solchen aus Sachsen – Lachsforelle und Saibling machten sich aber richtig gut, und wenn man die Suppe zum Beispiel mit Koriander-Öl fein abzuschmecken weiß, kommt es eben zu Spontanausrufen wie „sensationell“ oder ähnlichen Lobpreisungen. Die fernab vom Ursprungsort gerne vergessene Rouille kam hier übrigens auf einem Crostini – fabelhaft.