Stand: 11.03.2026 20:09 Uhr
Hohe Mieten, wenig freie Wohnungen und starke Konkurrenz prägen den Wohnungsmarkt in Hamburg. Die Content Creatorin Lara Schulschenk beschäftigt sich seit Jahren mit der Krise auf dem Mietwohnungsmarkt und will mit ihren Videos auf Social Media für mehr Aufmerksamkeit sorgen.
Über eine Million Wohnungen gab es laut Mieterverein zu Hamburg Ende 2024 in der Hansestadt. Gleichzeitig liegt die Leerstandsquote nur bei etwa 0,5 Prozent – eine der niedrigsten Quoten in Deutschland. Ein funktionierender Wohnungsmarkt bräuchte etwa drei bis fünf Prozent Leerstand, so die Einschätzung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Hinzu kommt: Rund 80 Prozent der Wohnungen in Hamburg sind Mietwohnungen. Damit ist die Stadt stärker als viele andere deutsche Großstädte vom Mietmarkt abhängig, so der Mieterverein zu Hamburg.
„Fühlt sich aussichtslos an. Da kann man schon verzweifeln.“ „In Hamburg kann man nicht zufrieden sein. Ich wohne immer noch bei Mutter, das sagt schon alles!“, sagen Hamburgerinnen und Hamburger. Die Situation ist angespannt. So empfindet das auch die Hamburgerin Lara Schulschenk, die seit Mai 2025 Videos auf ihren sozialen Netzwerken veröffentlicht.
Schulschenk: „Auf jeden Fall deprimierend“
Schulschenk hat selbst mehrere Jahre nach einer Wohnung gesucht und beschreibt diese Zeit als zermürbend: „Es ist auf jeden Fall deprimierend und ziemlich schwierig, die Hoffnung zu behalten, dass es besser wird und vor allem zeigt es, dass Vermietende, die die Situation ausnutzen und krasse Preise aufrufen absolut keine Ausnahme sind. Man kann zum Beispiel sagen, dass oftmals nur 40 Prozent der Miete tatsächlich notwendig wären, um die laufenden Kosten zu bezahlen.“ Heute nutzt sie ihre Plattform, um auf strukturelle Probleme hinzuweisen.
Die 33-Jährige hat sich auch in Buchform mit dem Wohnungsmarkt beschäftigt. In „No Sweet Home“ beschreibt sie, warum es für viele Menschen immer schwieriger wird, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Darin analysiert sie unter anderem Wohnungsanzeigen, spricht mit Wohnungssuchenden und beschreibt strukturelle Probleme des Marktes.
Kritik an hohen Neuvermietungen
Lara Schulschenk kritisiert vor allem die Entwicklung bei Neuvermietungen. Ihrer Meinung nach werden viele Wohnungen zu Preisen angeboten, die für Menschen mit durchschnittlichem Einkommen kaum noch bezahlbar sind. In ihren Videos auf Instagram zeigt sie Beispiele für besonders teure oder ungewöhnliche Wohnungsanzeigen und kommentiert diese öffentlich.
Ein zentraler Punkt von Schulschenks Kritik ist die Mietpreisbremse. Sie soll verhindern, dass Mieten bei Neuvermietungen stark steigen. In Hamburg gilt sie für fast das gesamte Stadtgebiet und begrenzt die Miete in der Regel auf höchstens zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete.
Doch laut Mieterverein zu Hamburg gibt es immer wieder Hinweise darauf, dass diese Regelung nicht eingehalten wird. In Untersuchungen fanden sich bei vielen geprüften Fällen Hinweise auf mögliche Verstöße gegen die Mietpreisbremse.
Schlupflöcher und neue Trends
Kritikerinnen und Kritiker wie Schulschenk sehen außerdem Schlupflöcher im System. So werden Wohnungen etwa möbliert angeboten oder nur befristet vermietet. In solchen Fällen gelten teilweise andere Regeln für die Mietpreisbremse. Auch Zuschläge für Möbel oder kurze Mietzeiten können den Preis deutlich erhöhen. Schulschenk fordert deshalb strengere Kontrollen. In Interviews schlägt sie unter anderem einen „Vermieterführerschein“ vor – also verpflichtende Schulungen für Vermietende, damit Regeln und Rechte besser bekannt sind.
Politik und Wohnungswirtschaft setzen auf Neubau
Neben hohen Mieten bleibt vor allem ein Problem: Es gibt zu wenig Wohnraum. Verschiedene Studien gehen davon aus, dass in Hamburg Zehntausende Wohnungen fehlen, während gleichzeitig weiterhin neue Haushalte entstehen. Unter anderem nennt das Pestel Institut in Studien zum Wohnungsmarkt eine deutlich höhere Nachfrage nach Wohnungen als das vorhandene Angebot.
Politik und Wohnungswirtschaft setzen deshalb vor allem auf Neubau. Der Senat verlängerte zuletzt die Mietpreisbremse und will gleichzeitig mehr Wohnungsbau ermöglichen. Dazu gehören Förderprogramme für sozialen Wohnungsbau und Maßnahmen, um Genehmigungen zu beschleunigen.
Videos erreichen Hunderttausende
Für Lara Schulschenk ist der Wohnungsmarkt längst mehr als nur ein wirtschaftliches Thema. Wohnen sei ein Grundbedürfnis und für viele Menschen werde es immer schwieriger, eine passende Wohnung zu finden, sagt sie. Mit ihren Videos will sie deshalb sichtbar machen, wie sich der Markt verändert und welche Folgen das für Wohnungssuchende hat.
Ihre Beiträge erreichen inzwischen Hunderttausende Menschen, die Schulschenk auch Nachrichten und Kommentare schreiben. „Einige Leute sind wirklich super happy, dass sie merken, ich bin nicht zu doof für den Wohnungsmarkt, sondern das es ein strukturelles Problem ist. Da gibt es ganz viele, denen es auch so geht. Und diese Anzeigen, die ich sehe, finde nicht nur ich völlig drüber.“
Schulschenk: „Mache das für die Demokratie“
Der Wohnungsmarkt in Hamburg bleibt angespannt. Für Lara Schulschenk ist das Grund genug, weiter hinzuschauen und öffentlich zu machen, was viele Wohnungssuchende erleben: „Am Ende mache ich das – das klingt sehr pathetisch – aber für die Demokratie. Einfach weil eine gute Nachbarschaft, Städte, die durchmischt sind, wo Menschen miteinander wirklich in Kontakt kommen, ganz ganz wichtig sind, damit Demokratie schon im Allerkleinsten funktioniert. Das geht aber natürlich nicht, wenn Wohnungen so teuer sind, dass nur noch reiche Menschen da wohnen können oder Leute dann gar nicht mehr an der Gesellschaft teilhaben können, weil sie das ganze Geld für die Miete brauchen.“

Der Mieterverein berichtet von vielen Beratungsanfragen seit dem aktuellen Mietenspiegel aus dem Dezember. Sind die Preisanstiege zulässig?

Sogenannte Miethaie verlangen teils 25 Euro pro Quadratmeter für schlecht möblierte Wohnungen. Zudem wächst die Zahl illegaler Untervermietungen.

Ein Forschungsinstitut hat 283.000 Hamburger Mietverträge ausgewertet und kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

Die Stadt hatte im Februar ein Portal eingeführt, über das Hamburger verdächtig hohe Mieten melden können. Die Linke kritisiert es als zu bürokratisch.